EHRENAMT UND CORONA

Kolbermoorer Feuerwehren: Kameradschaft stabil trotz Coronastress

Mund-Nasen-Schutz für Einsätze: Kommandant Franz Wudy im Kolbermoorer Feuerwehrhaus.
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Mund-Nasen-Schutz für Einsätze: Kommandant Franz Wudy im Kolbermoorer Feuerwehrhaus.
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Online-Übungen statt gesellschaftliche Sozialkontakte für Kolbermoorer Feuerwehrler: Die Belastung der Frauen und Männer ist schon in „normalen“ Zeiten sehr hoch, die Corona-Pandemie setzt noch eins drauf, berichten die Kommandanten Franz Wudy und Josef Hofmann im Gespräch mit dem Mangfall-Boten.

Kolbermoor – Löschen, Retten, Bergen, Schützen – die Anforderungen und Erwartungen an die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen und im täglichen Leben zur Selbstverständlichkeit geworden. Überwiegend werden diese Aufgaben von Freiwilligen Feuerwehren sichergestellt, deren aktive Einsatzkräfte sich unter dem Leitspruch „Gott zur Ehr und dem Nächsten zur Wehr“ ehrenamtlich engagieren. So wie in Kolbermoor und im Ortsteil Pullach. Die Belastung der Frauen und Männer ist schon in „normalen“ Zeiten sehr hoch, die Corona-Pandemie setzt noch eins drauf, wie in Gesprächen des Mangfall-Boten mit den Kommandanten der Kolbermoorer Feuerwehren, Franz Wudy, und Josef Hofmann deutlich wurde.

Gesellschaftliches Leben völlig stillgelegt

„Wir haben natürlich den Feuerwehrbetrieb als städtische Einrichtung aufrechtzuerhalten“, betont Franz Wudy, der bei der städtischen Feuerwehr rund 80 Aktive kommandiert. „Allerdings ist das gesellschaftliche Leben im Verein Corona bedingt völlig stillgelegt.“ Auch ein ganz wichtiges Element muss derzeit fehlen: „Das Zusammensitzen nach Einsätzen oder Übungen bei einer Brotzeit ist uns wie jedem anderen Verein untersagt“, bedauert der 55-Jährige. Das sei aber gerade wichtig, um das Erlebte gemeinsam aufzuarbeiten und sich auch gegenseitig zu motivieren.

Einsätze der Feuerwehrler derzeit belastender

Nicht nur aus diesen Gründen sind die Einsätze der Feuerwehrler derzeit belastender als in normalen Zeiten: Sie müssen sich schon aus Eigenschutz auch an die Hygienevorschriften halten, egal ob ein Brand zu löschen ist oder ein eingeklemmter Autofahrer aus einem Unfallwrack geborgen werden muss. „Von der bayerischen Infektionsschutzverordnung sind wir zwar vollständig ausgenommen, aber im Feuerwehrhaus wie auch in den Fahrzeugen tragen wir Mund-Nasen-Masken“, erklärt der Kommandant. Die Anfahrten seien in der Regel recht kurz, „und an der Einsatzstelle haben wir die Regelung, dass sofort ausgestiegen wird. Alle, die mit Externen zusammenkommen, müssen eine FFP2-Maske tragen und natürlich, wenn machbar, Abstand halten.“

Abstand zu halten ist nicht einfach

Abstand zu halten bei den erforderlichen regelmäßigen Übungen – auch das ist für die Floriansjünger nicht einfach. „Wir haben im Sommer während der Lockerungen gruppenweise geübt, selbstverständlich unter den geltenden Hygienebedingungen mit Handdesinfektionen, Abstandhalten und Maskenschutz“, sagt Wudy, der wie seine Kameraden ehrenamtlich im Dienst am Nächsten steht und seinen Lebensunterhalt als selbstständiger Bauingenieur verdient. „Aber seit dem erneuten Lockdown haben wir ab November den praktischen Übungsbetrieb eingestellt, seit Anfang Dezember gibt’s wöchentlichen Online-Unterricht.“

Kann das den Aktiven reichen, um für die Einsätze fit zu bleiben?

Vereinsleben liegt komplett brach

Für Kommandant Wudy stellt das kein Problem dar. „Wir hatten jetzt zum Beispiel eine Schulung über Kaminbrände. Etwa 45 Kameraden haben sich per Video-Streaming zugeschaltet. Mitte Februar werden wir mit der praktischen Ausbildung gruppenweise wieder beginnen. Das heißt, Übungen durchziehen und ab nach Hause – die sozialen Kontakte beschränken sich dann auf diese Treffen. Und das gesellige Bier gibt’s aus dem heimischen Kühlschrank.“

Bei der Pullacher Feuerwehr herrschen Corona bedingt die gleichen Zustände: „Unser Vereinsleben liegt komplett brach. Weil sich die aktive Mannschaft nicht mehr treffen kann, fällt das das Gesellschaftliche auch weg“, sagt Kommandant Josef Hofmann. Auch die Pullacher 49 Aktiven sind derzeit auf Online-Übungen angewiesen, „was nicht jedermanns Sache ist, weil die eher praxisorientierten Kameraden dabei zu kurz kommen“, so der 54-Jährige.

Feuerwehrler fit für Einsätze durch Routine

Bei den Einsätzen mache sich das Übungsdefizit aber nicht bemerkbar, weil dabei bislang noch die Routine greife.

„Zudem haben wir nicht sehr viele Einsätze, im Schnitt sind‘s im Jahr rund 30 Alarmierungen“, erklärt Hofmann, der als Selbstständiger im Transportwesen arbeitet. „Die meisten sind unfallbedingt, da haben wir den Verkehr zu regeln oder Fahrbahnen zu reinigen. Oftmals unterstützen wir die städtische Feuerwehr.“

Über Lockdown bedingte Veränderungen in den Mannschaften können beide Kommandanten nicht berichten. Wudy und Hofmann: „Das Miteinander hat sich nicht verändert, es ist nach wie vor kameradschaftlich, obwohl wir uns nicht oft treffen können.“

Vor dem Löschfahrzeug der Pullacher Feuerwehr: Kommandant Josef Hofmann.

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