Dieses Jahr ohne Krampus?

Wie der Nikolaus aus Pullach der Corona-Krise trotzen will

Beim Trommlerzug Pullach werden bayerische Werte und Traditionen gelebt: „Der Nikolausdienst ist uns daher ein sehr wichtiges Anliegen“, sagt Franz Sigl, der seit vielen Jahren am 5. und 6. Dezember als Nikolaus unterwegs ist.
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Beim Trommlerzug Pullach werden bayerische Werte und Traditionen gelebt: „Der Nikolausdienst ist uns daher ein sehr wichtiges Anliegen“, sagt Franz Sigl, der seit vielen Jahren am 5. und 6. Dezember als Nikolaus unterwegs ist.
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Der Trommlerzug Pullach will Kindern auch heuer in der Vorweihnachtszeit eine Freude bereiten und bietet trotz Corona-Krise wieder seinen beliebten kostenlosen Nikolausdienst an. Allerdings gelten heuer besondere Vorgaben, die auch von Nikolaus, Engerl und Kramperl einzuhalten sind.

Kolbermoor – Bedächtig steigt der alte Mann mit dem wallenden schlohweißen Bart die Treppe hinauf, klingelt an der Tür und wartet. In der Wohnung rumpelt‘s gewaltig, leise Kinderrufe sind zu hören, „der Nikolaus“ – dann ist es still. Die Tür wird geöffnet, er tritt ein, wird ins Zimmer geleitet und von den Eltern freundlich begrüßt. Von Kindern keine Spur – oder doch? Da sind sie, die beiden Buben haben sich unterm Tisch verkrochen…

Diese Szenen hat der Heilige Mann alias Franz Sigl in den vergangenen 15 Jahren schon ‘zigmal erlebt. Unzählige Male war er im Nikolausdienst des Pullacher Trommlerzugs mit weiteren Mitgliedern am 5. oder 6. Dezember in Kolbermoor unterwegs und hat Kindern eine vorweihnachtliche Freude bereitet. Aber es macht auch dem Nikolaus-Team viel Spaß. Sigl: „Die kleinen Charaktere sorgen für jede Menge schöne und auch amüsante Erlebnisse. Hinzu kommt diese besondere Atmosphäre, die uns jedes Jahr aufs Neue motiviert.“

Nikolausdienst der besonderen Situation anpassen

Darauf sollen Kolbermoorer Kinder auch heuer nicht verzichten: trotz der Corona-Pandemie und Beschränkungen. „Wir leben im Verein bayerische Werte und Traditionen, deshalb ist uns der Nikolaus-Dienst ein sehr wichtiges Anliegen“, erklärt der 38-jährige Kolbermoorer gut gelaunt im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. „Wir müssen unseren Service halt den besonderen Bedingungen anpassen. Da wir ihn kostenlos anbieten, unterliegen wir den aktuellen Kontaktbeschränkungen im privaten und öffentlichen Raum. Das bedeutet auch für uns: Bis maximal zehn Personen aus zwei Haushalten dürfen zusammenkommen.“

Bisher bestand das Besuchs-Team aus Nikolaus, Engerl, Kramperl und Fahrer – da kommen Personen aus drei bis vier Haushalten zusammen. „Das geht so also nicht“, sagt Sigl.

Mit dem Gesundheitsamt in Kontakt

„Wir sind derzeit mit dem Gesundheitsamt in Kontakt und haben vorgeschlagen, dass nur der Nikolaus die Familien besucht.“ Ob es eine Ausnahme für Engerl und Kramperl geben werde, sei noch fraglich. Eine andere Möglichkeit wäre, das Angebot kostenpflichtig zu machen, zum Beispiel mit einem Euro als Obolus. „Aber dann bewegen wir uns rechtlich in einem anderen Raum, mit anderen Regelungen wie die Pflicht zum Mund-Nasen-Schutz“, gibt Sigl zu bedenken. „Warum das Engerl eine Maske trägt, wäre den Kindern allerdings schwer zu erklären.“ Beim Nikolaus und Kramperl sei es einfacher, „die können ihren Mundschutz unter den Bärten tragen; ich glaube nicht, dass dies den Kindern auffallen würde“.

Die Konsequenz aus all den Überlegungen: Die Trommler haben der Gesundheitsbehörde ein Hygiene-Konzept vorgelegt und warten jetzt auf eine Entscheidung. Die Eckpunkte: Der Abstand zu den Kindern wird auf zwei Meter vergrößert; der Besuch findet nur im Freien statt; vorab werden die Familien, die den Dienst geordert haben informiert, wie sie den Besuch vorzubereiten haben.

Bislang wünschen sich etwa 20 Familien den Besuch des Pullacher Nikolaus‘. „Heuer sind unsere Einsätze am Samstag und Sonntag; so müssen wir keine Rücksicht nehmen auf unsere Arbeitszeiten und können mit unserer Tour schon mittags beginnen. Um Achte auf d’Nacht ist dann Schluss“, betont der 38-jährige Ingenieur, der hauptberuflich bei der Firma Alpma Käserei-Maschinen konstruiert. Die Nikolausbesuche bei seinen drei eigenen Kindern genießt Franz Sigl lieber als Papa und holt sich dabei Anregungen für die eigenen Einsätze, wie er schmunzelnd bekennt.

Einige emotionale Begegnungen als Nikolaus erleben

Als Nikolaus vom Dienst wird Sigl wieder einige emotionale Begegnungen erleben, da ist er sich sicher, denn Kinder reagieren völlig unterschiedlich auf seinen Besuch. Die einen haben Angst und verkriechen sich zum Beispiel unterm Tisch, andere dagegen drehen oftmals völlig auf. Statt der Eltern öffnen die Kinder die Wohnungstür mit einem flotten Spruch: „Geht’s eini, Kramperl und Nikolaus, bekam ich schon zu hören. Die denken sich gar nichts dabei und machen dann in der Wohnung oftmals mehr Programm als der Nikolaus.“

An einen lustigen Fall erinnert sich Franz Sigl besonders gerne: Der Vater eines Buam habe ihn aufgefordert, den Kleinen in den Sack zu stecken, weil er sich so aufgeführt habe. „Der Bua ist aber selbst eini geschlupft mit dem Ausruf, pfüad eich, bis dann…“

Anmeldungen für Nikolausdienst

Der Trommlerzug Pullach wurde am 14. August 2003 von zwölf Jugendlichen gegründet. Mit über 150 Mitgliedern ist der Verein mittlerweile der zweitgrößte Pullachs. Zu der Aktivengruppe gehören neben dem Tambourmajor drei Standartenträger,zwölf Marketenderinnen, ein Taferlbua sowie 23 Trommlerinnen und Trommler. Der Nikolausdienst des Vereins ist kostenlos. Anmeldungen nimmt Martina Sigl unter sigl_martina@t-online.de entgegen.

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