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Treffen alle 14 Tage

Verstehen durch Kennenlernen: Wie „Coffee and More“ alte und neue Kolbermoorer verbindet

Fußball kennt keine Sprachbarrieren: Hier haben ukrainische und deutsche Kinder einfach zusammen Spaß, Anlass des Spiels ein Willkommens-Nachmittag für ukrainische Kriegsflüchtlinge am Samstag vergangener Woche auf dem Gelände der Kirche Wiederkunft Christi.
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Fußball kennt keine Sprachbarrieren: Hier haben ukrainische und deutsche Kinder einfach zusammen Spaß, Anlass des Spiels war ein Willkommens-Nachmittag für ukrainische Kriegsflüchtlinge am Samstag vergangener Woche auf dem Gelände der Kirche Wiederkunft Christi.
  • VonJohannes Thomae
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Deutschkurse und gemeinsame Treffen – Kolbermoor geht viele Wege, um die ukrainischen Kriegsflüchtlinge ins gesellschaftliche Leben der Stadt einzubeziehen. Für ein Problem aber gibt es noch keine Lösung – die Betreuung der Kinder.

Kolbermoor – Eine Gruppe Kinder und Jugendlicher spielt johlend Fußball. Das Besondere daran ist nicht, dass Mädchen ebenso mitspielen wie Buben. Auch nicht, dass das Altersspektrum der Spieler von fünf bis 17 reicht. Das Besondere daran ist, dass hier ukrainische und deutsche Kinder zusammen Spaß haben, völlig unbeeinträchtigt von der Sprachbarriere, die eigentlich zwischen ihnen besteht.

Veranstaltung ab jetzt alle 14 Tage

Ort dieses Spiels war der Garten auf dem Gelände der Kirche Wiederkunft Christi, Anlass ein Nachmittag unter dem Motto „Coffee and More.UA“. Er wurde organisiert vom Bürgerhaus mit tatkräftiger Unterstützung der evangelischen und katholischen Kirche und der Stadtverwaltung. Eingeladen waren alle ukrainischen Flüchtlinge, die derzeit in Kolbermoor wohnen, natürlich auch die Familien, die Menschen aus der Ukraine aufgenommen haben und alle ehrenamtlichen Unterstützer. Für Stadtmarketingchef Christian Poitsch war mit dem spontanen Fußballspiel der Sinn des ganzen Nachmittags auf den Punkt gebracht: „Er soll den ukrainischen Flüchtlingen zeigen, dass sie bei uns willkommen sind und ein Teil der Stadtgemeinschaft werden können.“

Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl zu vermitteln, sei sehr, sehr viel. Mehr könnten die Stadt, die Kirchen und das Bürgerhaus fast nicht tun. Alle Verwaltungsmaßnahmen, die die Eingliederung der ukrainischen Kriegsflüchtlinge betreffen, sind Sache des Landratsamtes. „Uns bleibt im Grunde nur eines“, sagt Christian Poitsch: „So viele Informationen zusammenzutragen wie möglich und diese dann postwendend auf einer gemeinsamen Plattform – der Homepage der Stadt – zu veröffentlichen.“ Der Nachmittag war deshalb auch dafür gedacht, eventuelle Fragen der Flüchtlinge zu beantworten – zumindest, soweit die ehrenamtlichen Helfer selbst entsprechende Informationen hatten.

Gespräche mit ukrainischen Kriegsflüchtlingen: Stadtrat Sebastian Daxeder (Zweiter von links) im Gespräch. Olga Baumann (Zweite von rechts) übersetzt.

Mindestens genauso wichtig war es den Organisatoren aber auch, den Ukrainern einmal die Möglichkeit zu geben, sich in der Heimat auf Zeit auch untereinander kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Genauso hilfreich sind diese Kontakte auch für die deutschen Familien, die ukrainische Flüchtlinge aufgenommen haben. Auch Stadtrat Sebastian Daxeder kam an diesem Begegnungsnachmittag vorbei. Danach sagte er, er sei „saufroh“, dass er gekommen sei: „Schon allein, weil das eine Chance war, die geflüchteten Menschen auch einmal persönlich kennenzulernen.“

„Coffee and More.UA“ gelangen trotz der Sprachbarriere übrigens überraschend gut – dank der Möglichkeiten, die Smartphones bieten: Mit der richtigen App muss man nur ins Gerät sprechen und zack ist der übersetzte Text ablesbar. Das Hauptanliegen der ukrainischen Menschen sei es, Arbeit zu finden, erfuhr Sebastian Daxeder, denn: „Sie wollen nicht untätig zu Hause sitzen und auf Sozialleistungen angewiesen sein.“

Das Smartphone als Übersetzer macht Unterhaltungen auch ohne Dolmetscher barrierefrei.

Die Hürde dabei sei in der Stadt Kolbermoor vor allem die Frage, wie und wo man die Kinder unterbringen könne. Das sei, so Elisabeth Kalenberg, Geschäftsleiterin der Stadt, ein echtes Problem, nicht zuletzt wegen der momentanen Personalsituation in den Kitas. „Die Erzieherinnen sind dermaßen am Limit, dass weitere Aufnahmen aktuell eigentlich nicht möglich sind.“ Eventuell, so schlug Daxeder im Gespräch vor, könnten hier private Initiativen zumindest eine vorübergehende Erleichterung bringen: Nachbarschaftshilfe bei der Kinderbetreuung etwa.

Welche weiteren Ideen es dafür gibt und welche davon tatsächlich schnell umgesetzt werden können, das wird derzeit unter allen Beteiligten beraten. Mit im Boot sind Bürgerhaus, Kirchen und Stadtverwaltung. Ein Beispiel dafür, wie schnell Hilfe angeboten werden kann, sind die Sprachkurse der Volkshochschule. Die örtlichen Gewerbetreibenden haben gespendet, damit die Kurse sofort starten können und nicht erst geklärt werden muss, wer die Kosten trägt. Der gelungene Nachmittag „Coffee and More.UA“ wird kein Einzelereignis bleiben, sondern soll künftig alle 14 Tage im Bürgerhaus stattfinden.

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