Immer mehr Müll in der Mangfall: Seltener Fisch erstickt qualvoll an Gegenstand im Maul

An dem Gegenstand, den der Fisch als Beute ansah, ist er laut Jürgen Halder „qualvoll erstickt“. Es muss sich um ein weggeworfenes Lebensmittel gehandelt haben. Re
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An dem Gegenstand, dass der Fisch als Beute ansah, ist es laut Jürgen Halder „qualvoll erstickt“. Es muss sich um ein weggeworfenes Lebensmittel gehandelt haben.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Huchen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Ein solcher Fisch wurde nun mit einem undefinierbarem Gegenstand im Maul tot am E-Werk in Lohholz gefunden. Der Appell des Fischereiaufsehers an die Bürger: „Keinen Müll in Gewässer werfen“.

  • Toter Huchen mit großem Gegenstand im Maul wird am E-Werk Lohholz angeschwemmt.
  • Fisch erstckt qualvoll an dem Gegenstand, den er schlucken wollte.
  • Rosenheimer Fischereiaufseher beklagt immer mehr Müll in der Mangfall.

Kolbermoor – Morgens und abends überprüft Karl Schwingenschlögl das Förderband des Lohholzer E-Werks. Der Rechen filtert Müll heraus – und der landet auf dem Förderband. Tetrapack, Flaschen und Co. Jetzt war ein riesiger Fisch darunter, ein Huchen.

Undefinierbarer Gegenstand im Maul des Huchen

Schwingenschlögls erste Reaktion, als er das tote Tier sah: „Das war ein schöner Fisch“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Es komme  immer mal wieder vor, dass tote Fische auf dem Förderband landen – aber noch nie so ein Kaliber.

Und obendrein haben die auch nichts Großes im Maul. Denn das ist ihm gleich aufgefallen: Im Maul des Tieres steckte ein runder Gegenstand fest. „Ich konnte nicht genau erkennen, was es war, es sah aus wie ein Kürbis“, so Schwingenschlögl.

Fisch wird Opfer der Umweltvermüllung

Er hat Bilder gemacht und sie an Jürgen Halder geschickt. Halder ist Fischereiaufseher beim Anglerbund Rosenheim – er kennt sich aus.

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Und sagt: „Bei dem Gegenstand im Maul des Huchen muss es sich ein Lebensmittel gehandelt haben.“ Kein Ball? „Davon ist nicht auszugehen. Da ein Ball in der Regel an der Oberfläche schwimmt – und keine Reize auf den Fisch ausübt, erklärt er weiter. Lebensmittel oder Ball – „definitiv ist das Tier daran qualvoll verendet“, sagt er.

1,19 Meter maß der tote Huchen.

Halder kann es sich nur so erklären: Der Huchen, dessen Alter er auf mindestens 15 Jahre schätzt und der eine Länge von 119 Zentimetern hat, muss danach geschnappt und es nicht mehr herausbekommen haben. „Er hat sich geschüttelt und geschüttelt, um es herauszubekommen. Vergeblich", so Halder.

Halders Appell: „Keinen Müll, keine Lebensmittel in die Gewässer werfen.“ Auch keine Semmeln – „auch wenn man sie in vier Teile teilt“, erklärt er. „Schnappt beispielsweise eine Forelle danach und das Stück ist knochenhart, weil es eben gerade erst ins Wasser geworfen wurde, bleibt es ihr im Hals stecken und sie erstickt.“

Immer Müll in der Mangfall und im Kanal

Was also seitens der Bevölkerung gut gemeint sein könnte, könne tödlich für die Tiere enden, erklärt Halder. „Sie sind das Opfer der Umweltvermüllung“, sagt er. Und er berichtet auch, dass immer mehr Müll im Kanal und der Mangfall auftaucht „wir haben hier schon Isar-Verhältnisse“, sagt er im Hinblick auf München. Auch auf den Kiesbänke der Mangfall werde immer mehr gegrillt.

Die Reste, die von so einer Grillparty übrig bleiben, werden einfach liegengelassen. Dann kämen die Krähen suchen Essbares heraus und verteilen Tetrapack, Plastikflaschen und Co. Letztendlich landet alles in den Gewässern.

Der größte Fisch in Alpenflüssen: Der Bestand der Huchen ist in Bayern gefährdet

Die Huchen, die zur Familie der Lachsfische gehören, sind äußerst selten. „Sie stehen in Bayern als gefährdet auf der Roten Liste“, sagt Patrick Türk vom Landesfischereiverband Bayern in München. Deutschlandweit gilt das Tier sogar als „stark gefährdet“. Sie kommen laut Türk ausschließlich in der Donau und ihren Nebenflüssen vor. Die Huchen sind übrigens die größten Fische in den Alpenflüssen – sie erreichen eine Länge von bis zu 1,50 Meter.

Die Fischereivereine setzten immer wieder Huchen aus – „andernfalls wären sie längst ausgestorben“, erklärt Fischereiaufseher Halder. Sie seien sogar dahingehend geschützt, dass pro Jahr ein einziger Angler nur einen dieser Fische fangen darf – allerdings müssen sie über 90 Zentimeter groß sein. Geht ihm so ein Exemplar an den Haken, muss der Angler umgehend den Vorstand des Fischereivereins informieren.

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