Rätselhafter Fund

Jetzt forschen Wissenschaftler: Unter Kolbermoorer „Kini-Statue“ lag jahrzehntelang unentdeckt eine Urkunde

Dieses rund 111 Jahre alte Dokument wurde jetzt in der Betonverfüllung des Sockelts gefunden.
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Dieses rund 111 Jahre alte Dokument wurde jetzt in der Betonverfüllung des Sockelts gefunden.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Beim Abbau der Platte des Denkmals des Monarchen ist ein altes Dokument zum Vorschein gekommen. Wie ein Kunsthistoriker diesen Fund in Kolbermoor einordnet und was jetzt damit passieren soll.

Kolbermoor – Als eine „Überraschung“ bezeichnet Heimatmuseums-Leiter Stefan Reischl den Fund einer alten, vergilbten Urkunde. Das Dokument hat man jetzt entdeckt, als die Metall-Platte des Sockels der König Ludwig II.-Statue ausgebaut wurde. Darunter, in der Mörtelverfüllung des Sockels, haben die Mitarbeiter der Regensburger Restaurierungsfirma eine „stark beschädigte Blechdose mit einer Urkunde“ gefunden, sagt Kunsthistoriker Maximilian Heimler.

Sie sei stark verblichen, jedoch wohl noch von 1909, erklärt Kunsthistoriker Maximilian Heimler, in dessen Obhut sich neben der Urkunde derzeit auch die Statue von König Ludwig II. befindet. Der war ja im März 2019 vom Sockel gestürzt, stark beschädigt worden und seither in Regensburg. Im Oktober beschloss der Bauausschuss die Wiederherstellung für rund 50. 000 Euro.

Schriftstück stammt aus dem Jahr 1909

Ob die Urkunde wirklich aus dem Jahr 1909 ist? Damals wurde die Statue aufgestellt. Oder von 1963, als der „Kini“ vom heutigen Karl-Daniels-Platz an den heutigen Standort an der Haßlerstraße versetzt wurde? Das fragt sich Christian Poitsch vom Stadtmarketing – die Ziffern sind schwer zu erkennen.

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Reischl ist sich sicher, was die Jahreszahl betrifft: Sie stammt aus dem Jahre 1909. Denn die Namen, die auf dem alten Papier zu entziffern sind, wie Hans Unterladstätter oder Hans Gaibinger stammen aus dieser Zeit, so Reischl. Die Urkunde ist zerfleddert, hat viele kaputte Stellen. Klar – das Dokument ist über 100 Jahre alt und war Hitze und Kälte ausgesetzt.

Und wie geht es jetzt weiter? Die Kopie der Urkunde sowie ein Dokument über den Sturz und die Wiederherstellung soll in eine Box. Sie soll im Sockel eingelassen werden, wenn die Statue wieder aufgestellt wird, so Bürgermeister Peter Kloo. „Alles natürlich unter Vorbehalt der Zustimmung der Denkmalschutzbehörde“, sagt Poitsch. Wenn die Behörde für diesen Vorschlag grünes Licht gibt, will die Stadt dem Kolbermoor Heimatmuseum die Urkunde übergeben, sagt Kloo.

Fund „eher selten“ bei Denkmälern

Dazu Museums-Leiter Reischl: „Das würde uns natürlich sehr freuen. So kann man den Kolbermoorern dieses über 100 Jahre alte Zeugnis zugänglich machen.“

Als die Platte des Sockels gehoben wurde, hat man die Büchse samt Urkunde gefunden. re

Dass man solche Behältnisse in Sockeln von Denkmälern findet, ist „eher selten“, sagt Maximilian Heimler. Der Kunsthistoriker aus Regensburg erklärt, dass diese Dokumente insbesondere bei Kirchtürmen zu finden seien – oftmals gebe es neben Schriftstücken auch Münzen.

In Kolbermoor waren aber keine dabei, sagt er. Die Box sei einfach mit eingegossen worden – es gab kein spezielles Fach dafür. Er nimmt an, dass das passiert ist, als die Statue 1963 an ihren heutigen Platz an der Haßlerstraße umgezogen ist. „Damals muss der Sockel erneuert worden sein, vermutet er. das zeige sich auch an der Beschaffenheit des Materials.

Schriften verweisen nicht auf Urkunde

Auch Heimatmuseums-Leiter Reischl war von so einer Box nichts bekannt: „Kein Schriftstück hat darauf verwiesen“, sagt er. Ihm ist jetzt nur wichtig, dass man versuchen müsse, die über 100 Jahre alte Urkunde wieder herzustellen – mithilfe eines Restaurators.

Zur Historie

Am 19. September 1909 wurde die nahezu lebensgroße Statue von König Ludwig II. an der damaligen Von-Bippen-Straße – dem heutigen Karl-Daniels-Platz – enthüllt. Aus dieser Zeit stammen sogar Postkarten. Das besondere: Das Bronzedenkmal von Ludwig II. war das erste Denkmal für den König, das außerhalb Münchens errichtet wurde.

1902 wird der „Verein zur Errichtung eines König-Ludwig-Denkmals“ gegründet. Nach Spendensammlungen bei Industriellen und Militärs wird das Denkmal ,1909 enthüllt – mit dabei waren Schützenvereine sowie auswärtige Veteranen- und Kriegervereine. Die Abschlussrede hält der Kolbermoorer Oberlehrer Hartinger: „Ihm..., dem idealen hochgesinnten König sei... dieses eherne Ehrendenkmal geweiht zum ... Danke dafür, das er es uns ermöglicht hat, das zu sein und das zu bleiben, was wir für immer sein und bleiben wollen: Gute Deutsche, vor allem aber brave Bayern.“ Als Kolbermoor 1963 zur Stadt erhoben wird das Denkmal an die Haßlerstraße verlegt.

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