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Sein Herz hing immer an seiner Heimat Sudetenland

Der Vater des Kolbermoorer Bürgerfestes ist tot: Große Trauer um Alois Hackenberg (90)

Alois Hackenberg, „Vater“ des Kolbermoorer Bürgerfestes, ist im Alter von 90 Jahren gestorben.
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Alois Hackenberg, „Vater“ des Kolbermoorer Bürgerfestes, ist im Alter von 90 Jahren gestorben.
  • Mathias Weinzierl
    VonMathias Weinzierl
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Trauer um Alois Hackenberg aus Kolbermoor: Der ehemalige Stadtrat sowie langjährige Vorsitzende des Gewerbeverbandes und der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Bürgermeister Peter Kloo würdigte ihn als „Aktivposten“ im Stadtleben.

Kolbermoor – Sein Zuhause war Kolbermoor, seine Heimat zeitlebens das Sudetenland: Alois Hackberg, langjähriger Vorsitzender der Ortsgruppe Kolbermoor der Sudetendeutschen Landsmannschaft, ist tot. Der 90-Jährige starb vier Tage vor seinem 91. Geburtstag an einer Gehirnblutung, die er sich bei einem Sturz zugezogen hatte. „In gewisser Weise war es für ihn sicherlich eine Erlösung“, sagte Tochter Regine Hackenberg gegenüber den OVB-Heimatzeitungen in Hinblick auf die seit Jahren fortschreitende Demenz ihres Vaters.

Unterschlupf im Kolbermoorer Mareissaal gefunden

Am 25. Dezember 1931 im ehemaligen Sandhübel, heute Písečná in Tschechien, geboren, musste Hackenbergs Familie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Heimat verlassen. Für Hackenberg endete die Vertreibung 1946 in Kolbermoor, wo er zunächst mit vielen weiteren Flüchtlingen Unterschlupf im Mareissaal fand. „Die Geschichte seiner Vertreibung hat ihn sehr bewegt und ein Leben lang nicht losgelassen“, erinnert sich seine Tochter.

Die Hackenbergs blieben letztlich in Kolbermoor. 1961 heiratete Alois Hackenberg seine große Liebe Helene, 1961 kam Sohn Klaus, 1964 Tochter Regine zur Welt. Auch beruflich hatte der gelernte Raumausstatter mit einem eigenen Geschäft inklusive Polsterei, das innerhalb der Bürgerschaft nur als „Teppich Hackenberg“ bekannt war, schnell in der Stadt an der Mangfall Fuß gefasst.

„Ich habe ihn als unermüdlichen Kämpfer für das Gewerbe und die kleineren Läden in der Stadt in Erinnerung“, so Kolbermoors Bürgermeister Kloo über den Verstorbenen, der viele Jahre den Vorsitz des Kolbermoorer Gewerbeverbandes inne hatte. „Unter anderem seiner Initiative ist es zu verdanken, dass es in Kolbermoor das Bürgerfest gibt“, weiß Hackenbergs Weggefährte Günther Zellner zu berichten. Hackenberg sei „bescheiden und ein Kolbermoorer mit Leib und Seele“ gewesen.

Dass seine eigentliche Heimat aber das Sudetenland war, daraus machte der gebürtige Sandhübeler zeitlebens keinen Hehl. So engagierte sich Hackenberg über Jahrzehnte hinweg in der Ortsgruppe Kolbermoor der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die im Herbst 1949 von rund 600 Vertrieben gegründet worden war. Neun Jahre fungierte er dabei als Vorsitzender. Nachdem sich im Jahr 2016 für den damals 85-Jährigen kein Nachfolger fand, wurde die Ortsgruppe zum Jahresende aufgelöst. „Es war ein reges Leben in der Ortsgruppe, bis dann einer um den anderen nicht mehr kam“, kommentierte Alois Hackenberg damals das Ende der Vereinigung. 

Zahlreiche Besuche in seiner alten Heimat

Seiner alte Heimat, die er nach Angaben seiner Tochter bis zum Lebensende im Herzen trug, hatte er seit seiner Vertreibung immer wieder Besuche abgestattet. So auch 1980, als er gemeinsam mit seiner Tochter Regine die Orte seiner Kindheit an der Grenze zwischen Polen und dem heutigen Tschechien besuchte. „Das war schon bewegend“, sagt die 58-Jährige, die heute in München ein Fotostudio betreibt. „Da hat man gemerkt, dass die Vertreibung ein Trauma war, das ihn sein Leben lang begleitet hat.“

Ebenso wie der Tod seiner geliebten Frau Helene, die 1983 einer Krebserkrankung erlegen war. Eine Schicksalsschlag, den er mit noch mehr Engagement für sein Geschäft und die Vereine zu kompensieren versuchte. Oder mit Ausflügen in die Bergwelt, ebenfalls eine seiner großen Leidenschaft. „Im Alter von fast 90 Jahren hat er 2019 noch den Pendling bei Kufstein bestiegen, obwohl er da bereits an Demenz erkrankt war“, erinnert sich Regine Hackenberg an ihren „umtriebigen und körperlich aktiven“ Vater zurück.

Geistige und körperliche Kräfte haben mehr und mehr nachgelassen

Doch in den verganegen Monaten war die Erkrankung immer schneller vorangeschritten, auch die körperlichen Kräfte hatten mehr und mehr nachgelassen, so dass Hackenberg im Caritas-Altenheim St. Franziskus in Kolbermoor eine neue Bleibe fand. Bei einem Sturz vor wenigen Wochen zog er sich dann eine Gehirnblutung zu, von der er sich nicht mehr erholen sollte. Am 21. Dezember, vier Tage vor seinem 91. Geburtstag, schloss Hackenberg für immer seine Augen.

Familie, Freunde und Weggefährten nehmen am Mittwoch, 11. Januar 2023, in der Kolbermoorer Kirche Wiederkunft Christi Abschied von Alois Hackenberg. Die Urnenbeisetzung findet anschließend auf dem alten Kolbermoorer Friedhof statt. Dort, wo Hackenberg selbst als Obmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft bleibende Spuren hinterlassen hatte. Denn dort erinnert eine von ihm initiierte Gedenktafel, die 2009 eingeweiht worden war, an das Schicksal der Vertriebenen, das auch sein Schicksal war.

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