Kolbermoor: Thearpiehund Emma ab Herbst im AWO-Kindergarten Momo im Einsatz

Hund Emma kann ganz vorsichtig die Socke von Viktoria ausziehen. Das hat sie in ihrer Ausbildung schon gelernt.
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Hund Emma kann ganz vorsichtig die Socke von Viktoria ausziehen. Das hat sie in ihrer Ausbildung schon gelernt.

Erzieherin Anja Landmann absolviert derzeit mit ihrer Hündin die Ausbildung zum Therapiehund – ab Herbst kann Emma dann im Kindergarten ehrenamtlich arbeiten. Welche Schlüsselmomente Landman dazu bewegt haben, ihre Emma ausbilden zu lassen und welchen Vorteil die Kinder davon haben, lesen Sie hier.

Von Ines Weinzierl

Kolbermoor – „Anja, wo Emma?“ Diese Frage eines Dreijährgen lassen Anja Landmann noch heute die Tränen in die Augen schießen. Ein dreijähriges Kindergarten-Kind, das bis zu dem Zeitpunkt nicht gesprochen hat, hat die Erzieherin desMomo-Kindergartens nach ihrem Hund Emma gefragt. Die Kolbermoorerin hatte den rund 50 Mädchen und Buben des Kindergartens immer von ihrer Hündin Emma erzählt und sie ab und zu mitgebracht – „so konnten sie sehen, wie sie wächst“, erinnert sich Landmann.

Hund als Türöffner

Der Satz des Dreijährigen ließ Landmann nicht los. „Es war die Initialzündung, Emma zu einem Therapiehund ausbilden zu lassen“, erzählt sie. Die 17 Monate alte Emma und Frauchen Landmann machen seit März die Ausbildung und haben blockweise Unterricht. „Wir lernen, als Team zu arbeiten“, erzählt Landmann. Emma und Frauchen können nach Abschluss der Prüfung in Krankenhäuser, Seniorenheime und eben Kindergärten unterstützend wirken. So hat Emma beispielsweise schon gelernt, Menschen die Socken auszuziehen. „Sie zieht ganz vorsichtig mit ihren Lippen an den Socken“, sagt Landmann, die es gemeinsam mit Emma geübt hat.

Ehrenamtliche Arbeit

Nach der Prüfung im September – die Ausbildung wurde von der Sparkassenstiftung „Zukunft für den Landkreis Rosenheim“ mit 2600 Euro finanziert – wird Emma regelmäßig mit Frauchen in den AWO-Kindergarten Momo kommen. Emma macht das ehrenamtlich, Frauchen Landmann arbeitet ohnehin im Kindergarten. Dort findet schon seit über zehn Jahren Integrationsarbeit statt. „Kinder mit besonderen Bedürfnissen wird ein passender Rahmen gesteckt, um deren individuelle Entwicklung positiv zu beeinflussen und zu begleiten“, sagt Kindergartenleiterin Christine Flack. Eine „fabelhafte Ergänzung des Angebots für diese Kinder“ – aber auch alle anderen Kindergartenkinder – ist der Einsatz von Therapiehund Emma.

Kinder lernen Umgang mit Hund

Bevor es losgeht und die Kinder zusammen mit Emma arbeiten können, lernen sie die wichtigsten Regeln im Umgang mit dem Hund kennen. Ängstliche Kinder werden dabei besonders berücksichtigt und behutsam an den Hund herangeführt. Alles unter der professionellen Anleitung von Landmann. Sie erzählt: „Es gab ein Kind, das große Angst vor Hunden hatte.“ Nachdem es Emma kennengelernt hat, hatte es diese Angst überwunden. „Und wollte nicht eher gehen, bevor es sich von Emma verabschiedet hat.“

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Nach und nach werden Begegnungen mit Emma angeleitet. Sie bereiten sowohl Emma, als auch den Kindern Freude und gerade dadurch passieren Konzentration, Aufmerksamkeit und Sprachförderung ganz automatisch. Neben Socken ausziehen, kann Emma den Kindern auch zeigen, wie man aufräumt.

Vierbeiner lernt aufräumen

„Wenn ich sage: Emma, mach‘ Chaos, dann verteilt sie ihre Spielsachen im Zimmer.“ Auf Zuruf räumt sie die Stofftiere wieder zurück. Auch Reißverschlüsse und Schubladen öffnen kann die Australien-Sheppard-Golden Retriever Hündin. Eine Einheit hat eine Stunde. Danach braucht Emma Pause: So hat sie im Kindergarten eine Box, in der sie sich ausruhen kann. „Ist sie dort, lernen die Mädchen und Buben, dass Emma Ruhe braucht und schlafen muss.“

Motivation und Vorbild für die Kinder

Der Therapiehund ist Motivation und Vorbild für die Kinder und bereitet immer wieder erwartungsvolle, glückliche Kinderaugen. „Nachgewiesenermaßen sind die psychologischen Wirkungen beim Einsatz eines Therapiehundes unglaublich überzeugend. Sie gehen über Stressreduktion, Beruhigungs- und Entspannungswirkung hin zu Förderung des Wohlbefindens, Steigerung des Selbstvertrauens, Förderung der Konzentration , dem Abbau von Ängsten – bis zur antidepressiven Wirkung“, so Leiterin Flack.

Letztlich wisse jeder, der Erfahrung mit Haustieren hat, wie diese als soziale Partner das Leben bereichern und die Lebensqualität verbessern. Sei bereiten Freude, spenden Trost – ganz unabhängig von sozialen Etikettierungen und Defiziten.

Verein „Rehahunde Deutschland“: „Kinder treten mit Therapiehunden in Kontakt“

Der Hund gilt als bester Freund des Menschen. Und so können die Vierbeiner oft als Unterstützer fungieren – oft sogar als „Türöffner“. Das sind die Hunde beispielsweise beim Münchner Verein „H-Team“, der sich auch um Menschen kümmert, die am Messie-Syndrom leiden. Mit dem Hund sei es leichter, mit den Menschen in Kontakt zu treten. Wie gesagt: Der Vierbeiner als Türöffner. Der Verein„Rehahunde Deutschland“, der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, setzt Therapiehunde gezielt in einer tiergestützten medizinischen Behandlung ein. Der Verein unterscheidet zwischen einem reaktiven und einem aktiven Therapiehund. Der aktive Therapiehund bringt eigene Spielideen mit, besitzt einen starken Aufforderungscharakter und sei geeignet zur Motivation. Der reaktive Therapiehund reagiert auf Spielideen des Patienten, spiegelt Befindlichkeiten. Kindern mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung kann ein Therapiehund in der Entwicklung helfen. „Besonders in diesen sensiblen Bereichen kann der Kontakt mit einem Therapiehund viel bewegen. So kommt es wiederholt vor, dass Kinder mit Behinderungen, die kaum oder gar nicht sprechen, mit dem Hund in einen Dialog treten – nonverbal aber auch mit Worten“. Das hat auch Frauchen Landmann aus Kolbermoor erfahren, als das dreijährige Kind seine ersten Worte sprach und nach Hund Emma gefragt hat. „Bei vielen Menschen gelingt es Hunden, eine Verbindung herzustellen: Sie berühren es, reden mit ihm, sie beruhigen sich und sind beispielsweise weniger depressiv“, so der Verein Rehahunde Deutschland.

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