Fahrradfreundliche Kommune

Kolbermoor: Stadtrat will sein Radverkehrskonzept jetzt umsetzen

Fahrradfahren für die Kolbermoorer Bürger attraktiver zu machen – das ist das Ziel der Stadt für die nächsten Jahre. Das Bild zeigt den Start einer Fahrradexkursion aus dem Sommer 2019, geführt von Martin Korndoerfer, Klimaschutzmanager der Stadt (vorne, Mitte).
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Fahrradfahren für die Kolbermoorer Bürger attraktiver zu machen – das ist das Ziel der Stadt für die nächsten Jahre. Das Bild zeigt den Start einer Fahrradexkursion aus dem Sommer 2019, geführt von Martin Korndoerfer, Klimaschutzmanager der Stadt (vorne, Mitte).
  • vonJohannes Thomae
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CO2 einsparen ist eines der Ziele des Radverkehrskonzeptes. Der Stadtrat Kolbermoor hat jetzt beschlossen, sein Konzept umzusetzen – und damit in den Kreis der offiziell fahrradfreundlichen Kommunen Bayerns aufgenommen werden.

Kolbermoor – Mit Stadtratsbeschlüssen, die weit in die Zukunft weisen, ist es nicht anders als mit persönlichen guten Vorsätzen: man muss sie pflegen, gewissermaßen immer wieder einmal neu hervorholen, damit das Ziel nicht irgendwann einfach aus den Augen verloren wird.

Radverkerskonzept umsetzen

Genau das tat der Stadtrat von Kolbermoor jetzt in der jüngsten Sitzung: Er beschloss die Umsetzung des 2019 ausgearbeiteten Radverkehrskonzeptes. Der unmittelbare Anlass für den Umsetzungsbeschluss war das Aufnahmeverfahren in die „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK)“. Seit 2017 ist die Stadt vorläufiges Mitglied.

Wichtiger Etappenschritt

Mit dem Beschluss zur Umsetzung des Radverkehrskonzeptes ist eine wichtige formelle Voraussetzung für die Vollmitgliedschaft erfüllt. Der Beschluss ist aber auch ganz praktisch ein wichtiger Etappenschritt auf dem Weg, das Radfahren in Kolbermoor einfacher, bequemer und sicherer zu machen, kurz seine Attraktivität zu erhöhen.

Klimaziele verwirklichen

Damit treibt der Umsetzungsbeschluss gleichzeitig aber auch die Verwirklichung der Klimaziele voran, die sich die Stadt 2015 gesetzt hatte. Denn damals hatte man beschlossen, bis zum Jahr 2035 die CO2-Emissionen im Verkehrssektor um 35 Prozent zu senken. Der Weg dahin soll in der Reduzierung des privaten Autoverkehrs liegen, von derzeit 47 Prozent auf 34 Prozent, zu Gunsten einer Stärkung des Fahrradanteils (von 29 auf 36 Prozent) wie auch des öffentlichen Nahverkehrs (von fünf auf sechs Prozent).

Zielvorgaben disutiert

Die Stadt hatte den anstehenden Umsetzungsbeschluss des Radfahrkonzeptes zum Anlass genommen, um vorab im Hauptausschuss auch noch einmal über genau diese Klimaschutz-Zielvorgaben zu diskutieren. Der Hauptausschuss hatte dabei angeregt, dass die Zielvorgaben für den Radfahrverkehranteil bis zum Jahr 2035 von 36 Prozent auf 38 Prozent erhöht werden sollten, für den öffentlichen Nahverkehr setzte man auf eine Erhöhung des Anteils auf zehn Prozent, statt, wie ursprünglich angestrebt, sechs Prozent.

Diskussion über öffentlichen Nahverkehr

In der Stadtratssitzung war dann nicht zuletzt diese Erhöhung im öffentlichen Nahverkehr Gegenstand der Diskussion. Leonhard Sedlbauer (CSU) fragte, welche Folgen diese Steigerung für das Kolbermoorer Stadtbuskonzept habe: Seien hier genügend Ausbaukapazitäten vorhanden? Bürgermeister Peter Kloo (SPD) betonte, dass die angestrebte Steigerung des öffentlichen Nahverkehrs ganz sicher nicht nur eine Kolbermoorer Aufgabe sei, sondern eine landkreisweite Anstrengung voraussetze.

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Nötig sei hier zum Beispiel die Verwirklichung eines Fahrkartenverbundes. Dass man derzeit drei Fahrscheine brauche, um etwa von Kolbermoor ins Rosenheimer Klinikum zu kommen, sei alles andere als optimal und für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs nicht förderlich.

Klappt eine 100-prozentige Steigerung?

Dieter Kannengießer (Parteifreie Kolbermoor) warnte vor dem Glauben, dass die 100 prozentige Steigerung von derzeit fünf Prozent auf zehn Prozent sich tatsächlich in überschaubarer Zeit verwirklichen lassen werde. Er plädierte aber dennoch dafür, diese Zahl als Ziel aufzunehmen.

Auf Synergieeffekte setzen

Martin Korndoerfer, der Klimaschutzmanager der Stadt, baut in dem Zusammenhang auf Synergieeffekte: Wenn es gelänge, die Attraktivität des Fahrrads zu steigern, würde in manchen Familien wohl schon aus Kostengründen auf das Zweit- oder Dritt-Auto verzichtet werden. Bei schlechterem Wetter werde dann der öffentliche Nahverkehr ganz von selbst gewählt.

Haushaltsbefragungen über die Verkehrsmittelnutzung

Von allen Seiten positiv beurteilt wurde die Absicht der Verwaltung, die „Umsetzungsrealität“ in Abständen immer wieder durch erneute Haushaltsbefragungen über die Verkehrsmittelnutzung zu überprüfen. Von Michael Hörl (Grüne) kam dabei die Anregung, künftig die Fragen zur privaten PKW-Nutzung weiter aufzuschlüsseln, um zu erfassen, welchen Anteil die E-Mobilität oder auch Car-Sharing habe. Der Beschluss, der die Umsetzung des Radverkehrskonzeptes und die Anpassung der Klimaschutzziele von 2015 beinhaltete, fiel einstimmig.

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