Gewerbesteuer geht nur leicht zurück

Kolbermoor: Kein dramatischer Einbruch der Finanzen durch Coronakrise – aber es gibt Abstriche

Noch ist nicht abzusehen, ob und inwieweit sich die Wirtschaftslage der Stadt in den kommenden Jahren verschlechtern wird. Die Stadt wird aber selbst dann wichtige Projekte – wie den Ausbau der Kindergärten oder den Wohnungsbau – in Angriff nehmen können.
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Noch ist nicht abzusehen, ob und inwieweit sich die Wirtschaftslage der Stadt in den kommenden Jahren verschlechtern wird. Die Stadt wird aber selbst dann wichtige Projekte – wie den Ausbau der Kindergärten oder den Wohnungsbau – in Angriff nehmen können.
  • vonJohannes Thomae
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„Nicht alle Wünsche sind bezahlbar“, sagt Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo. Die Gewerbesteuereinnahmen haben durch die Corona-Pandemie keinen dramatischen Einbruch erlitten. Sie werden sich vermutlich auf das Niveau von 2017 einpendeln. Wo die Stadt finanziell abwägen muss, lesen Sie hier.

Kolbermoor – Die Finanzlage der Stadt ist immer ein Thema auf den Bürgerversammlungen, die heuer ausfallen musste. Heuer wäre sie es ganz besonders gewesen, denn die Kolbermoorer fragen sich: wie hat sich die Stadt finanziell in der Corona-Pandemie geschlagen. Überraschend gut, wenn das auch nicht heißen soll, dass damit auch schon alles überstanden wäre.

Gewerbe breit aufgestellt

Doch der Reihe nach. Eine zentrale Einnahmequelle der Stadt ist die Gewerbesteuer. Hier hat Kolbermoor davon profitiert, dass sein Gewerbe breit aufgestellt ist und nicht, wie viele andere Kommunen in der Region einen Schwerpunkt im Bereich Tourismus hat, der ja unter den Corona-Beschränkungen ganz besonders leiden musste. Die Gewerbesteuer-Einnahmen haben zwar eine Delle erlitten, doch keinen dramatischen Einbruch, sie werden sich vermutlich auf dem Niveau des Jahres 2017 einpendeln und sich auf etwa 9,5 Millionen Euro belaufen.

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Beim zweiten wichtigen Einnahme-Pfeiler, dem Anteil der Stadt an der Einkommenssteuer sieht es für 2020 noch besser aus. Hier hat sich die Entwicklungskurve, die seit 2010 infolge Zuzug und Einkommenssteigerungen stetig anstieg, nur abgeflacht und wird 2020 rund zwölf Millionen Euro erreichen. Das Problem für die Stadt: Es ist kaum abzuschätzen, wie die Entwicklung in den nächsten beiden Jahren weitergehen wird. Es steht nach Ansicht der Verwaltung zu befürchten, dass die Auswirkungen der Krise die Wirtschaft zeitversetzt erfassen könnten. Christian Poitsch, Leiter des Stadtmarketing, hat für die Stadt den Finanzbericht, der eigentlich auf der Bürgerversammlung hätte vorgestellt werden sollen, mit erarbeitet.

Suche nach Unternehmen wird leichter

Seiner Meinung nach ist das Baugewerbe ein gutes Beispiel für diese „Nachwehen“. Sei es bislang Glück gewesen, wenn man für städtische Bauvorhaben ein Tiefbau-Unternehmen finden konnte, werde es derzeit zunehmend leichter: „Vor einem Jahr noch gaben die Unternehmen teilweise nicht mal mehr Angebote ab, weil ihre Auftragsbücher so gefüllt waren, jetzt fangen die ersten an, sich von selbst bei uns zu melden“.

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Der Grund sei einfach: Heuer wären noch bestehende Aufträge abzuwickeln gewesen, die Vorsicht der Investoren, mit größeren Vorhaben zu starten, beginne erst jetzt sich im Baugewerbe niederzuschlagen.

Projekte laufen weiter

Für die Investitionen ergibt sich deshalb folgendes Bild: Alle in Kolbermoor derzeit laufenden Projekte können wie geplant weiterverfolgt werden. Es sind dies vor allem der Neubau der Tonwerkunterführung, der Neubau des Feuerwehrhauses in Pullach, der Sanierung der Feuerwehrwache Kolbermoor sowie die Sanierungsmaßnahmen der Wohnanlagen am Moorgarten und an der Von-Bippen-Straße wie auch die der Sankt Anna Apotheke.

Pflichtaufgaben angehen

Was die kommenden Jahre anbelangt, so darf man davon ausgehen, dass die wichtigen Pflichtaufgaben ebenfalls angegangen werden können. Dazu zählt vor allem der Ausbau der Hort- und Kindergartenplätze, wie auch die Weiterverfolgung der bereits gestarteten Digitalisierung der Schulen. Das seien, so Christian Poitsch, Aufgaben, deren Erledigung die Zukunft Kolbermoors sichere und die schon deshalb Priorität hätten. Auch den Wohnungsbau wird man selbst bei sich verschlechternder Wirtschaftssituation soweit wie möglich vorantreiben.

Sorgfältige Abwägung treffen

In welchem Umfang in den nächsten zwei, drei Jahren auch Aufgaben umgesetzt werden können, die sich nicht direkt auf der unbedingten To-Do-Liste, aber auf dem Wunschzettel befinden, wie etwa eine möglichst flächendeckende und möglichst optimale Internetversorgung, lässt sich jetzt noch nicht abschätzen. Bürgermeister Kloo hierzu: „Nach allen Prognosen ist davon auszugehen, dass der Stadtrat in Zukunft eine sehr sorgfältige Abwägung von Notwendigem und Wünschenswertem wird vornehmen müssen. Nicht alles Wünschenswerte wird auch finanzierbar sein.“

Möglicherweise also muss in den nächsten Jahren das eine oder andere Vorhaben einfach etwas zurückgestellt oder in Etappen abgewickelt werden.„Konkreter“, so sagt Christian Poitsch, „kann man hier derzeit einfach noch nicht werden, da muss man wirklich abwarten, bis die entsprechenden Zahlen vorliegen.“

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