Sie haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema befasst. Wie ist die Stadt Ihrer Einschätzung nach im Falle eines Blackouts aufgestellt?
Kalenberg: Aus meiner Sicht sind wir gut aufgestellt. Unsere primäre Aufgabe als Stadtverwaltung ist es, die Trinkwasserversorgung, die Abwasserentsorgung, die Arbeitsfähigkeit des Rathauses – zumindest in Teilen – und natürlich des Bauhofes sicherzustellen. Hier sind wir mit unserer Arbeitsgruppe, in der Kollegen aus den Bereichen Bauamt und Bauhof, Wasserwerk, Abwasser, Ordnungsamt und IT arbeiten, sehr gut vorangekommen, so dass ich sagen kann, dass wir gut vorbereitet sind. Trotz aller Vorbereitung können Störungen natürlich nie gänzlich ausgeschlossen werden.
Wie sieht es in puncto Kommunikation und Information der Bevölkerung aus?
Kalenberg: Im Falle eines Black-outs werden wir Anlaufstellen einrichten, an denen Kolleginnen und Kollegen unseren Bürgerinnen und Bürgern mit Informationen weiterhelfen können oder Informationen aufnehmen, um diese an das Rathaus oder gegebenenfalls die Feuerwehr weiterzugeben. Die Weitergabe der Informationen erfolgt entweder über Boten oder über einige unserer Bauhoffahrzeuge, in denen wir glücklicherweise teilweise noch eine analoge Funkmöglichkeit haben.
Welche Schwachstellen gibt es noch, die beseitigt werden sollten?
Kalenberg: Es gibt durchaus Punkte, die schwierig für uns sind. Wir werden beispielsweise nicht für Hunderte von Menschen eine Wärmestube anbieten können. Hier arbeiten wir noch daran, dass es im Falle eines Stromausfalles in einer Halle Licht und Wärme für eine gewisse Anzahl von Menschen gibt. Wir werden diese Halle aber beispielsweise nicht mit Matratzen oder ähnlichem ausstatten können.
Gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis sowie anderen Kommunen? Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit?
Kalenberg: Ja, eine interkommunale Zusammenarbeit bezogen auf einen möglichen Blackout gab es, konkret beispielsweise im Rahmen der SUR, hier im Wesentlichen auf der Informationsebene. Kreisbrandrat Schrank, Stadtbrandrat Meyrl und der Polizeidirektor Klarne haben uns über Vorträge wertvollen Input gegeben. Wir haben uns in diesem Kreis austauschen und auch abstimmen können. So haben beispielsweise viele Kommunen der SUR eine Bürgerinformation in ähnlicher Form zeitlich aufeinander abgestimmt veröffentlicht. Der Austausch in der SUR ist aus meiner Sicht – auch in Bezug auf andere kommunale Themen – sehr wichtig und sehr wertvoll. Die konkret zu treffenden Maßnahmen allerdings muss aber letztlich jede Kommune für sich selbst treffen. So können uns beispielsweise unsere Nachbarkommunen bei der Sicherstellung unserer Trinkwasserversorgung nicht weiterhelfen. Hier sind wir selbst gefordert.
Was würde ein länger anhaltender Stromausfall für die Bürger der Stadt konkret bedeuten? Ab welchem Zeitraum würde es kritisch?
Kalenberg: Ich bin sicher, dass mittlerweile all unsere Bürgerinnen und Bürger wissen, was ein anhaltender Stromausfall bedeutet: Kein Licht, keine Heizung und keine Kommunikation sind nur drei Schlagworte von vielen mit all den Problemen, die damit verbunden sind. Auch Hebeanlagen in den Untergeschossen oder Aufzüge werden ohne Strom nicht funktionieren. Wir können unsere kommunale Infrastruktur – also die Trinkwasserversorgung, die Abwasserentsorgung und auch die Versorgung des Rathauses und des Bauhofes – einige Tage aufrechterhalten. Ab welchem Zeitpunkt es kritisch wird, kann ich nicht sagen. Denn letztlich ist das davon abhängig, wie lange unsere Treibstoffvorräte für unsere Notstromaggregate reichen. Und dieses wiederum ist abhängig beispielsweise von der Außentemperatur, aber auch vom Nutzerverhalten. Deshalb ist es hilfreich, wenn die Bürgerinnen und Bürger mit dem Trinkwasser und auch mit der Abwasserentsorgung im Ernstfall sparsam umgehen. Denn durch einen sparsamen Umgang werden die Notstromaggregate weniger beansprucht und dadurch können wir die Versorgung länger sicherstellen.
Was können die Bürger selbst in puncto Vorsorge tun?
Kalenberg: Unsere Bürgerinnen und Bürger müssen eigenverantwortlich handeln und Eigenvorsorge treffen. Es ist wichtig, sich für diesen Fall vorher ein paar Gedanken zu machen, die Informationen und Empfehlungen aufzunehmen, die veröffentlicht werden, und vielleicht das ein oder andere an Vorratshaltung zu Hause zu haben. Wichtig ist aus meiner Sicht aber vor allem, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf ihre Nachbarn schauen und sich gegenseitig unterstützen und helfen.
Die Regierung schaltet TV-Anzeigen, die Stadt Rosenheim verteilt Flyer: Übertriebene Panikmache oder sinnvolle Bürgerinformation?
Kalenberg: Das ist eindeutig eine sinnvolle Bürgerinformation. Es geht darum, den Bürgerinnen und Bürgern eine Information an die Hand zu geben, wie sie sich auf einen möglichen Krisenfall vorbereiten können. Das ist letztlich nichts Neues. Deshalb haben auch wir in der Ausgabe der Stadtnachrichten vom 30. November eine Bürgerinformation veröffentlicht. Diese Information liegt als Flyer im Rathaus aus und ist auch auf unserer Homepage unter www.kolbermoor.de unter Service/ Brand- und Katastrophenschutz mit noch einigen anderen Informationen veröffentlicht. Ich bin überzeugt davon, dass wir einen Stromausfall, auch wenn er länger andauernd ist, alle miteinander gut bewältigen werden, wenn wir uns alle etwas vorbereiten und vorsorgen, auf unsere Nachbarschaft blicken und ruhig und besonnen agieren.