Bücherstüberl Kolbermoor: Hildegard Muschik ist die Hirtin von rund 1800 Büchern

Hildegard Muschik ist seit 2014 ehrenamtlich für die „Christliche Bücherei“, die auf der Galerie des Bücherstüberls ist, tätig.
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Hildegard Muschik ist seit 2014 ehrenamtlich für die „Christliche Bücherei“, die auf der Galerie des Bücherstüberls ist, tätig.

Unter den rund 1800 Werken im Kolbermoorer Bücherstüberl sind echte Renner – aber auch manch schwere Kost. Welche das sind und wo die Besonderheiten liegen, verrät Hildegard Muschik, Mitarbeiterin der ersten Stunde.

Von Ines Weinzierl

Kolbermoor – Hildegard Muschik (73) hat kürzlich das Buch „Das Franziskus-Komplott“ von Marco Politi gelesen. Es hat 304 Seiten und das hatte sie schnell durch – „manche Bücher lese ich an einem Tag durch“, erzählt sie und lacht. Das Politi-Buch hat sie „ganz neu bestellt“. Und wenn sie es durch hat, stellt sie es ins Regal der „Christlichen Bücherei“, die auf der Galerie des Bücherstüberls in Kolbermoor untergebracht ist.

Muschik ist seit 2014 ehrenamtlich für diese Einrichtung tätig. Sie bestellt Bücher, verkauft welche und aus dessen Erlös schafft sie neue an. Angefangen hat es schon vorher mit einem einzigen Bücherregal mit rund 50 Werken der christlichen Literatur, erinnert sich die pensionierte Lehrerin, die katholische Religion unterrichtet hat.

„Papst Johannes Paul II. war kein Schreiber“

Viele Kolbermoorer haben damals ihre Bücherregale entrümpelt –  darunter auch Pater Winfrid Maria von Essen. „Von ihm haben wir sehr viele Bücher bekommen.“ Aber auch von Pfarrer Karl Kwiatkowsky, Vorgänger von Maurus Scheurenbrand, und vielen Mitgliedern der Pfarrgemeinde.

Mittlerweile sind in der christlichen Bücherei etwa 1800 Bücher. Und die hat Muschik nach Sachgebieten sortiert: Bibel, Gottesmutter Maria, christliche Kunst und Päpste.

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Muschik zeigt auf eine Papst Johannes Paul II.-Reihe im Bücherregal. „Viele haben seine Bücher nicht ausgeliehen.“ Sie weiß auch den Grund: „Er war charismatisch, aber kein Schreiber.“ Unter Papst Johannes Paul II. ist eine ganze Reihe von Papst Benedikt XVI. – wurde auch nicht so oft ausgeliehen. Schwere Kost.

Beliebt hingegen sind beispielsweise die Werke des Münchner Pfarrers Rainer Maria Schießler, der auf der Wiesn kellnerte und Tiere segnete. „Die Nachfrage war riesig.“ Und weil das so war, müssen diese Bücher auch nach drei Wochen zurückgegeben werden. Bei anderen Büchern ist sie nicht streng, aber bei den gefragten.

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Sie geht auch auf die Wünsche der Bücherei-Kunden ein: „Wünscht sich jemand ein bestimmtes Buch, versuche ich, es zu besorgen. So hatte ich mal Kontakt mit einer kleinen Buchhandlung am Niederrhein.“ sich. Über diesen Kontakt konnte sie einen Buchwunsch erfüllen. Pfarrer Scheurenbrand hat sich mal das Buch „Klausur“ gewünscht. Dem ist Muschik nachgekommen und seither kann man es ausleihen.

Stüberl nur noch freitags geöffnet

Jetzt hat das Bücherstüberl samt der christlichen Bücherei ausschließlich freitags geöffnet. Das bedauert Muschik, aber es hilft nichts und so hat sie sich überlegt, besondere Werke hervorzuheben: Gerade in dieser Zeit ist von den „Helden der Nächstenliebe in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen“ zu hören und zu lesen war. Solche habe es auch zu anderen Zeiten gegeben. So verweist sie auf die Abteilung „Glaubenszeugen“ mit ihren etwa 225 Büchern. Dort stehen beispielsweise Werke über Mutter Teresa von Kalkutta bereit und Berichte des Ärztepaares John, das in den Anden ein Krankenhaus baute.

Den Autor noch persönlich kennengelernt

Was ist ihre Motivation? „Ich möchte mit der christlichen Bücherei einfach den Glauben zu den Menschen bringen.“ Und sie hat Erfahrung mit Büchereien: Als Studentin hat sie den Grundstock für eine Bücherei an einem Institut gelegt. „So habe ich mir damals etwas dazuverdient.“

Eines der letzten Bücher, die sie gespendet bekommen hat, war Josef Piepers „Über das christliche Menschenbild“. Darüber hat sie sich besonders gefreut – „Pieper hat in meinem Gymnasium mal eine Vorlesung gehalten und da war ich dabei.“ Das Buch hat nur 279 Seiten. Das hat Muschik schnell durch.

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