Stadtrat macht Praxistest

Raus aus der Kreidezeit: Kolbermoor investiert 600.000 Euro in digitale Schultafeln

Die Schulleiter der Kolbermoorer Schulen, die Projektausschuss-Mitglieder und interessierte Stadträten wurden von der Herstellerfirma von Whiteboards über die Möglichkeiten von digitalen Tafeln informiert.
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Die Schulleiter der Kolbermoorer Schulen, die Projektausschuss-Mitglieder und interessierte Stadträten wurden von der Herstellerfirma von Whiteboards über die Möglichkeiten von digitalen Tafeln informiert.
  • vonJohannes Thomae
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Innerhalb der nächsten drei Jahre – von 2021 bis 2023 – investiert die Stadt Kolbermoor mehr als 600.000 Euro in digitale Schultafeln. Zumindest dann, wenn der Stadtrat der einstimmigen Empfehlung des Projektauschusses folgt. Jetzt machten Stadträte und Rektoren einen Praxistest am Whiteboard.

Kolbermoor – Jeder der 946 Grund- und Mittelschüler, die in Kolbermoor derzeit zur Schule gehen, soll in seinem Klassenzimmer künftig ein Whiteboard haben.

Präsentation für den Projektausschuss

Doch wie funktionieren diese digitalen Tafeln? Das wurde den Räten und Rektoren vor der Sitzung präsentiert. Unter ihnen waren auch Christa Wagner und Carola Vodermaier, die Rektorinnen der Mangfall- und Adolf-Rasp-Schule sowie Markus Rinner, der Rektor der Pauline-Thoma-Mittelschule.

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Die Tafeln sehen aus wie überdimensionale Tablets. Geschrieben wird auf ihnen mit Stiften oder den Fingern. Das Tafelreinigen ist viel einfacher als bisher – es genügt eine Wischgeste mit der Hand. Die Whitboards geben ihre Beschriftungen gestochen scharf wieder. Sie sind noch in der letzten Reihe bestens sichtbar. Auch Bilder und Lernvideos übertreffen in ihrer Wiedergabequalität das, was die traditionellen Beamer bisher leisten konnten.

Interaktion wird intensiver

Noch viel wichtiger aber: Selbst komplexe Illustrationen müssen jetzt nicht mehr als fertiges Ergebnis gezeigt werden, sondern können in Echtzeit und zum Nachverfolgen erstellt werden: Die einzelnen Bausteine werden vom Tafelrand einfach mit dem Finger in die Mitte gezogen und dort integriert.

Das Tafelbild wird auf die Tablets der Schüler übertragen – die Interaktion zwischen Lehrer und Schülern bekommt damit ein ganz neues Niveau. Und das nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch beim Homeschooling. Selbst coronabedingte Klassenteilungen würden damit in Zukunft viel von ihrem Schrecken verlieren, denn über ihre Laptops bleiben Schüler und Lehrer ja doch irgendwie zusammen.

Robust und intelligent

Umgekehrt können auch die Arbeiten der Schüler von den Tablets auf die Tafel geholt und gemeinsam betrachtet werden, wie eine Aufgabe gelöst wurde. Die Tafeln sind robust und durchaus für einen „harten“ Schulalltag konzipiert: Selbst einen Faustschlag quittieren sie nicht etwa mit einem Betriebsausfall, sondern begreifen ihn als „Eingabebefehl“.

Bürgermeister Peter Kloo beim Praxistest: Auch er war von der digitalen Tafel begeistert. Klaus Krappmann (rechts) vom Hersteller erklärt ihm, wie es geht.

Die Rektoren waren von der Tafel begeistert und auch von der Absicht, sie möglichst schnell und für alle Klassen einzuführen. Carola Vodermaier von der Adolf-Rasp-Schule: „Wir haben damit in Zukunft wirklich ungeahnte Möglichkeiten. Es ist toll, von der Stadt so unterstützt zu werden.“

Verwaltungsleistungen online

Für die Verwaltung ist die Digitalisierung der Schulen aber nur ein Element der städtischen Digitalisierungsbemühungen. Hauptamtsleiterin Elisabeth Kalenberg gab dem Projektausschuss auch einen Überblick über die Fortschritte in der digitalen Verwaltung. Wenn es nach den Zielen von Bund und Freistaat geht, sollen die Kolbermoorer bis 2022 zu so gut wie allen Verwaltungsleistungen elektronischen Zugang haben.

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Wie bei den Schulen sei die Stadt hier in allen Belangen, die allein von der Stadt in Angriff genommen werden könnten, bereits sehr gut aufgestellt. Allein in den Feldern, in denen es um übergeordnete Maßnahmen gehe, an denen auch das Land oder der Bund beteiligt wären, gäbe es zum Teil noch Verzögerungen.

Kloo fordert Hilfe bei Digitalisierung

Für Bürgermeister Peter Kloo der Anlass, noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Digitalisierung keine rein kommunale Aufgabe sein könne. Hier müsse der Staat mehr Verantwortung zeigen und sei es nur dadurch, dass er konkretere und nachvollziehbare Ausführungsbestimmungen erlasse. Das beträfe gerade die Schulen.

Es könne nicht sein, dass es den einzelnen Schulen überlassen werde, für sich selbst die optimalen digitalen Endgeräte aussuchen zu müssen. Genauso könne die Prüfung der Software von „Elternportalen“ auf Sicherheit und EU-Datenschutz nicht Sache der Kommunen sein. Kloo: „Hier muss mehr Hilfestellung kommen.“

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