Pamela Oberrauch ist Patin in einem Kolbermoorer Projekt und hilft bei Prüfungsangst

Arbeit als Pate, das kann auch heißen, einfach einmal gemeinsam mit seinem „Schützling“ zu kochen. Pamela Oberrauch findet gerade die Vielfältigkeit dieses Ehrenamtes besonders interessant.
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Arbeit als Pate, das kann auch heißen, einfach einmal gemeinsam mit seinem „Schützling“ zu kochen. Pamela Oberrauch findet gerade die Vielfältigkeit dieses Ehrenamtes besonders interessant.
  • vonJohannes Thomae
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Pamela Oberrauch (37) ist Patin von „Jugend in Arbeit“. Wie sie die Schüler unterstützt und was ihr an dieser ehrenamtlichen Tätigkeit so gut gefällt, hat sie den OVB-Heimatzeitungen erzählt.

Kolbermoor – „Es gibt so viele junge Leute, die nur eine feste Plattform brauchen, um durchstarten zu können“, sagt Pamela Oberrauch. Und arbeitet deshalb beim Patenprojekt „Jugend in Arbeit“ mit, gehört mit vier anderen zur Kolbermoorer Patengruppe, die vorwiegend Schüler aus der Pauline-Thoma-Mittelschule betreut. Ziel ist es, jungen Leuten den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern, sprich ihnen zunächst einmal dabei zu helfen, einen vernünftigen Abschluss zu machen und dann eine Ausbildungsstelle zu finden.

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Hilfe bei Prüfungsangst

Wie diese Hilfe genau ausschaut, kann man an einem Beispiel fest machen. Da war ein Mädchen, das im Fach Mathematik kein Bein auf den Boden brachte. Im ersten Anschein wäre das ein Fall für Nachhilfe, doch bei der 15-Jährigen war der Grund enorme Prüfungsangst. Deshalb wandte sich die Schule an die „Rosenheimer Aktion für das Leben“ die Träger des Patenprojektes ist.

Mit Tricks zum Erfolg

Patin des Mädchens wurde Oberrauch und ihr gelang es, den Bann zu brechen. „Ich habe einfach einen Trick angewandt“, erzählt sie. „Habe mich dumm gestellt und mir von ihr jede Aufgabe genau erklären lassen. Dann habe ich ihr klargemacht, dass sie, wenn sie es mir schon so gut erklären kann, überhaupt keinen Grund hat, den Stoff bei den Prüfungen nicht mehr zu können. Sie müsste sich nur vorstellen, sie erklärte es dem Lehrer. Das hat in der Tat funktioniert“.

Hilfe bei Berufswahl

Doch nicht nur um solche konkrete Hilfe geht es beim Patenprojekt, sondern hinter der Idee, für die jungen Leute eine Plattform zu sein, steckt mehr. Die Jugendlichen stehen vor der Entscheidung, für welche Ausbildungsstelle sie sich bewerben sollen. Die Mittelschulen tun viel dafür, den jungen Menschen die Situation zu erleichtern, durch Praktika und praxisbezogenen Unterricht, aber für manche ist die Entscheidung schwierig. Das schafft Ängste, über die man in dem Alter aber mit niemand reden kann – am wenigsten mit den Eltern. „Eltern“, so Oberrauch, „haben nicht selten eine feste Vorstellung, was für ihr Kind gut wäre und versuchen es in diese Richtung zu lenken, die Kinder fühlen sich in eine Form gepresst und eine Schublade gesteckt“.

Was sagt das Bauchgefühl?

Oberrauch versucht, den Jugendlichen aus diesen Schubladen herauszuhelfen, sie bei dem Weg zu unterstützen, selbst herauszufinden, was sie wollen. „Training des Bauchgefühls“, nennt sie das.

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Gefragt ist ein guter Draht zu Jugendlichen

Das geht nur über viele Gespräche und klar ist, dass man dafür einen guten Draht zu den Jugendlichen braucht. Viele, die sich vorstellen könnten, solche Hilfe zu geben und sich als Pate zu engagieren, sehen darin ein großes Problem, halten sich für zu alt oder zu jung, meinen, ohne eigene Kinder zu haben sei man nicht geeignet.

Paten in Kolbermoor gesucht

Was schade ist, denn gerade in der Kolbermoorer Gruppe wäre Zuwachs gefragt, wie Oberrauch erklärt, und die Argumente leicht entkräften kann. Die 37-Jährige glaubt, dass die eine Stunde, die sie pro Woche für das Projekt aufwendet, in jedem Zeitbudget drin sein könnte. Und wer – wie sie – der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte, ist ihrer Meinung nach oft hilfreicher, Zeit anstatt Geld zu spenden.

Keine starren Richtlinien

Das Schöne an diesem Ehrenamt ist für Oberrauch, dass es keine starren Richtlinien gibt. Gerade zu Anfang, wenn man noch unsicher sei, könne man sich Rat holen bei den anderen Paten beispielsweise. Daneben gäbe es immer wieder Fortbildungen und Workshops. „Aber in der eigentlichen Arbeit ist man völlig frei“, sagt Oberrauch, „nicht nur in der Zeiteinteilung, sondern auch wie man die Zeit nützt.“ Und erzählt von einem Mädchen, mit dem sie, weil dieses gerne kochte, auch mal in der Küche stand. Ein Umstand, der offenbar half, die 15-Jährige auf den für sie richtigen Weg zu bringen, denn heute ist sie Küchenchefin in einem Aiblinger Restaurant.

Patin ist stolz auf Schützling

Solche Erfolge, sagt Oberrauch, machen einen stolz, fast so, als wär es die eigene Tochter. Auch weil die Schützlinge oft Kontakt halten. „Wenn man nach Monaten, teilweise Jahren noch angerufen wird, weil sie vor einer Entscheidung stehen, bei der sie einen Rat bräuchten, dann zeigt einem das, dass man zu denen gehört, auf die in solchen Situationen wirklich gebaut wird. Und das ist einfach wunderschön.“

Weitere Informationen zum Projekt

Das Patenprojekt „Jugend in Arbeit“ für Schüler ab der siebten Klasse der Pauline-Thoma-Schule Kolbermoor sucht dringend neue Paten als Verstärkung. Das Ehrenamtsprojekt gibt es seit 2007 im Landkreis Rosenheim. Träger ist die Aktion für das Leben, unterstützt durch das Landratsamt Rosenheim, das Jobcenter des Landkreises und die Sparkassenstiftung für den Landkreis. Mit der Umsetzung des Projektes ist die Junge Arbeit Rosenheim beauftragt. Infos unter Telefon 0 80 31/ 40 92 91 80. Die Paten unterstützen die Jugendlichen beim Lernen, helfen bei der Praktikums- und Ausbildungsstellensuche und sind Ansprechpartner für die Jugendlichen. Sie reden mit ihnen über ihre Chancen und Möglichkeiten. Meist treffen sich die Paten mit ihrem Patenkind einmal wöchentlich.

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