Podiumsdiskussion in Kolbermoor: Drei Bürgermeisterkandidaten in der Statistenrolle

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Über 100 Kolbermoorer Bürger waren gekommen, um die Podiumsdiskussion der AfA mit den Bürgermeisterkandidaten zu verfolgen: (von links) Herbert Schmid (AfD), Stefan Reischl (Parteifreie), Agatha Lehle von der AfA, Peter Kloo (SPD), Leonhard Sedlbauer (CSU), Werner von Hagen von der AfA und Michael Hörl (Bündnis90/Grüne).
  • Mathias Weinzierl
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Die Kolbermoorer Bürgermeisterkandidaten Peter Kloo (SPD), Leonhard Sedlbauer (CSU), Stefan Reischl (Parteifreie), Michael Hörl (Grüne) und Herbert Schmid (AfD) haben sich bei einer Podiumsdiskussion Fragen der Bürger gestellt. Drei der Kandidaten mussten sich allerdings mit einer Statistenrolle begnügen.

Kolbermoor – Die Stadt behutsam weiterentwickeln und bezahlbaren Wohnraum schaffen – das ist nach Ansicht der Bürgermeisterkandidaten sowie vieler Bürger eine der dringendsten Aufgaben in Kolbermoor für die kommenden Jahre. Wie sie diese Herkulesaufgaben bewerkstelligen wollen, dazu konnten die fünf Bewerber um den Posten des Rathauschefs am Freitag bei einer Podiumsdiskussion der Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in der evangelischen Kirchengemeinde Kolbermoor Stellung nehmen. 

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Über 100 Zuhörer hatten sich ins evangelische Gemeindehaus gedrängt, um sich über die Ideen der fünf Kandidaten – Amtsinhaber Peter Kloo (57) von der SPD, Leonhard Sedlbauer (22) von der CSU, Stefan Reischl (47) von den Parteifreien, Michael Hörl (53) von Bündnis90/Grüne und Herbert Schmid (58) von der AfD – zu informieren und Fragen an die Kandidaten zu richten. 

Individuelle Einstiegsfrage

Wobei drei der fünf Kandidaten über eine Statistenrolle letztlich nicht hinauskamen. Der Grund: das Konzept der AfA-Verantwortlichen für diesen Abend. Denn bis auf eine individuell auf die einzelnen Kandidaten zugeschnittene Einstiegsfrage von AfA-Moderatorin Agathe Lehle hatten die Bürger nur die Möglichkeit, ihre Fragen an jeweils einen der Kandidaten zu stellen. Und da lautete der Adressat zumeist Peter Kloo, hin und wieder auch Leonhard Sedlbauer. 

Für viele Bürger die drängendste Frage an diesem Abend: Wie kann der Preisspirale auf dem Mietmarkt ein Ende gesetzt werden, so dass sich auch junge Familien und Senioren mit bescheidener Rente Wohnen in Kolbermoor leisten können?

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So berichtete eine Bürgerin über ihre Odyssee, eine geeignete Bleibe für ihre Familie zu finden. „Wir, mein Mann und ich, sind Akademiker und verdienen bestimmt nicht schlecht. Dennoch war es für uns schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden“, sagte die junge Frau, die von Amtsinhaber Kloo daher wissen wollte, wie bezahlbarer Wohnraum in der Kommune gewährleistet werden könne. 

Mangel an Grundstücken

Eine Frage, auf die Kloo zunächst mit einem Überblick über den Ist-Zustand antwortete: So seien im Besitz der Kommune 360 Wohnungen, die mit einem Mietpreis zwischen sechs und neun Euro pro Quaratmeter „durchaus bezahlbar“ seien. Weitere Wohnungen würden aktuell gebaut. Zudem hofft Kloo, dass auch die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises Rosenheim, die derzeit beispielsweise 21 günstige Wohnungen in Kiefersfelden errichtet, irgendwann in Kolbermoor aktiv werden wird. 

Das Problem: der Mangel an Grundstücken. Daher sieht Kloo den Ankauf von Grund als eine wichtige Stellschraube im Kampf gegen wuchernde Mietpreise. Kloo: „Wir müssen Grundstücksspekulationen durch eine Bevorratungspolitik vorbeugen.“

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Grünen-Kandidat Hörl warf ein, sich nicht nur auf den Bau von Wohnungen zu konzentrieren, sondern auch den Leerstand im Blick zu haben. „Es gibt in der Stadt nämlich nicht nur Leerstand bei Gewerbeimmobilien, sondern auch bei Häusern und Wohnungen“, sagte Hörl. Er wisse beispielsweise von einer Wohnung in seiner Nachbarschaft, die seit drei Jahren leerstehe. 

AfD-Kandidat Schmid, der sich durch seinen Beruf nach eigenen Angaben gut in der Baubranche auskennt, setzt hingegen auf Neubauprojekte. Diese könnten allerdings nur umgesetzt werden, wenn Bauwerbern nicht so viele bürokratische Hürden in den Weg gelegt würden. 

Vorteile für Einheimische gefordert

Um bei der Vergabe von günstigem Wohnraum vor allem die Kolbermoorer Bevölkerung – wie von einer Bürgerin gefordert – im Blick zu haben, könne sich CSU-Kandidat Sedlbauer durchaus ein Einheimischenmodell vorstellen, das einheimische Bürger, wie in anderen Kommunen bereits praktiziert, beispielsweise durch ein Punktevergabesystem bevorzuge. 

Doch auch hier sei die Kommune durch gesetzliche Vorgaben eingeschränkt. Sedlbauer: „Es gibt ein geltendes EU-Recht, das uns letztlich verbietet, Wohnungen nur für Kolbermoorer bereit zu halten.“

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