Ein Leben für die Farben – Malermeister Zach aus Kolbermoor sagt Servus

Das Führungstrio im Jahr 2000 (von links): Peter Zach junior, Johanna Strasser und Peter Zach senior.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Peter Zach hat die Segel gestrichen: Der 75-jährige Kolbermoorer hat seinen Traditionsbetrieb Maler Zach zugesperrt – für immer. Jetzt widmet er sich seinen Hobbies. Angefangen hat alles 1935, als sein Vater die Firma gründete.

Kolbermoor – An Farben kam der Kolbermoorer Peter Zach (75) nie vorbei – bis jetzt. Denn der Malermeister hat vor Kurzem seinen Betrieb zugesperrt. Für immer. „Ich habe mit großer Freude gearbeitet“, sagt er. „Aber zum Schluss habe ich mich über Kleinigkeiten geärgert, die mir früher nichts ausgemacht haben.“ Deshalb hat Zach sich überlegt, seinen Laden zuzusperren – auch des Alters wegen. Denn sein Sohn, der zunächst in seine Fußstapfen getreten ist, hat sich um die Jahrtausendwende umorientiert. „Er ist jetzt in der IT-Branche“, sagt Zach. Und nun hat er eben zugesperrt. Genießt jetzt das Leben, „den wohlverdienten Ruhestand“.

Dokumente und Bilder sortiert

Seit Anfang des Jahres hat er Dokumente durchforstet, alte Bilder sortiert – und ist vielfach fündig geworden. Denn er hat den Betrieb Ende der 60er-Jahre von seinem Vater, Peter Zach senior, übernommen. So ist ihm beispielsweise ein altes Dokument in die Hände gefallen. Die Anmeldung des Kolbermoorer Malerbetriebes bei der Handwerkskammer Oberbayern im Juli 1935. Darauf abgebildet ist Zachs Vater, der damals 23 Jahre alt war.

Peter Zach (75) hat den Betrieb jetzt aufgegeben.

Was für ein Mix: Bei ihm gab`s Limonaden und Farben

Angefangen hat alles in dem Gebäude an der Försterstraße 10, das Zachs Großvater Lorenz Zach gehörte. Er hatte dort eine Likörfabrik samt Verkaufsladen. Peter Zach senior führte das Limonadengeschäft seines Vaters neben dem Malereibetrieb zunächst fort, bis es Ende der 50er-Jahre aufgelöst wurde. „Teile der Produktionsgegenstände zur Limonadenherstellung befinden sich heute im Heimatmuseum“, erzählt Zach.

Das alte Rathaus trägt die Handschrift des Seniors

Sein Vater habe mit viel Einsatz und Fleiß einen sehr umfangreichen Malerbetrieb in Kolbermoor auf die Beine gestellt. Und ein malerisches Erbe von Peter Zach senior kennt jeder Kolbermoorer: „Er hat das alte Rathaus gestaltet.“ Und bis heute ist es unverändert, es trägt Peter Zach seniors Handschrift.

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Peter Zach stand schon als kleiner Bub neben seiner Mutter im Laden und schnell war klar, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten sollte. Er absolvierte im Familienbetrieb eine Maler-Lehre – „das war beinhart“, erinnert er sich. „Mein Vater war streng“ und Extrawürste für den junior gab es keine. Vielmehr sollte der sich beeilen, dass er die Meisterprüfung absolviere, denn dann könne das Geschäft an den heute 75-Jährigen übergeben werden. Das geschah im Mai 1967 – zwei Monate vorher hatte Zach die Meisterprüfung in der Tasche. Damit war er als 23-Jähriger der jüngste Malermeister in Oberbayern. Und die Firmenphilosophie seines Vaters führte er weiter: „Der Kunde ist König.“

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Um allen Kundenwünschen gerecht zu werden, erweiterte Zach die Leistungspalette um Gerüstbau und Vollwärmeschutz. Ende der 70er-Jahre gründete er eine Bauträgergesellschaft.

1985 wurde gefeiert: 50 Jahre Malerei Zach – mit dabei auch Johanna Strasser, die seit 1980 „eine tragende Säule der Firma“ war und bis Ende 2019 blieb. Zach junior trat Ende der 80er-Jahre in die Firma ein, schied aber 2001 aus, er orientierte sich um. Peter Zach machte weiter, erhielt 2007 bei einer Feierstunde in München den „Goldenen Meisterbrief“.

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Neben seinem Beruf engagierte er sich auch ehrenamtlich in Kolbermoor: Im November 1961 trat er der Kolbermoorer Feuerwehr bei. Und die haben es ihm zu verdanken, dass sie eine Drehleiter bekamen. „Bei ,Jetzt red i‘ bin aufgestanden und habe gesagt, dass es ja nicht sein kann, dass die Kolbermoorer Wehr keine Drehleiter hat“, erinnert er sich. Daraufhin gab es eine. Darüber hinaus engagierte sich Zach auch im Sportbereich: Als „Meilenstein“ seines Engagements gilt sicher die Gründung des Tennisclubs Kolbermoor im April 1974, viele Jahre war er als Vorstand aktiv – heute ist er Ehrenmitglied. Und jetzt hat er Zeit, viel Zeit für seine Hobbies, wie Urlaub machen und Wasserski fahren. Pfiat di, Malermeister!

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