Warum die Kolbermoorer Grünen Bedenken zum Entwurf eines naturnahen Kindergartens haben 

Der naturnahe Kindergarten soll ab Frühling 2021 gebaut werden. Die gläsernen Fronten sollen die Nähe zur Natur verstärken. Grafik: Petzenhammer
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Der naturnahe Kindergarten soll ab Frühling 2021 gebaut werden. Die gläsernen Fronten sollen die Nähe zur Natur verstärken. Grafik: Petzenhammer
  • vonJohannes Thomae
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Der Stadtrat Kolbermoor bringt den „Naturnahen Kindergarten“ in der Hölderlinstraße auf den Weg. 

Kolbermoor – „Mich erinnert das Konzept an ‚Wir Kinder aus Bullerbü‘, es gefällt mir sehr“: Das war das Fazit von Stadträtin Dagmar Levin-Feltz (SPD), nachdem auf der Stadtratssitzung der Planungsentwurf für den naturnahen Kindergarten an der Hölderlinstraße vorgestellt worden war. Ein Vergleich, den auch viele andere Stadträte passend fanden.

Räume vollwertig nutzbar

Für Architektin Claudia Petzenhammer eine willkommene Assoziation. Sie wollte für die Kinder ein kleines „Wald-Dorf“ schaffen – mit Vollholzelementen. Bei dem naturnahen Kindergarten ist das Draußensein die Regel. Dennoch sind die Häuser mehr als nur „Unterstände“ für einen Notaufenthalt. Wie die Architektin erläuterte, sind sie durchaus als vollwertige Gruppenräume nutzbar, verlieren aber dank großer Glasflächen zum „Dorfplatz“ hin nicht den Kontakt zur Natur.

Anwohner befürchten Verkehrsbelastung

Die Häuser werden nicht durch eine Pfahlgründung verankert, sondern sitzen gewissermaßen schwimmend auf dem Waldboden auf. Ein Konzept, das man, wie Bauamtschef Andreas Meixner erläuterte, schon seit zehn Jahren mit großem Erfolg beim Straßenbau im Bereich der neuen Siedlung angewandt habe. Das sei dauerhaft haltbar, kostengünstig und mache schon die Errichtung „nachbarschaftsverträglich“, weil auf den Einsatz von Rammen und Rüttlern verzichtet werden könne.

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Nachbarn fürchten Verkehr durch Kindergarten

Die Nachbarschaftsverträglichkeit war auch das Stichwort bei der Diskussion über die Änderungen von Flächennutzungs- und Bebauungsplan gewesen, die der Vorstellung des Planungsentwurf vorangegangen war. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung hatten Anwohner ihre Bedenken gegen die Verkehrsbelastung geltend gemacht. 

Eine Sichtweise, die im Stadtrat von den drei anwesenden Vertretern der Grünen Liste Kolbermoor geteilt wurde. Der Kindergarten biete Platz für maximal 80 Kinder. 80 Kinder bedeuteten im Extremfall zweimal am Tag 80 zusätzliche Autofahrten. So wichtig ein zusätzlicher Kindergarten sei. „Das vorgesehene Areal sei dafür kein optimaler Ort, nicht zuletzt auch wegen der Nähe zu einem Naturschutzgebiet“, so Andrea Rosner

„Befürchtungen sind unbegründet“

Nach Ansicht der Verwaltung sind die Befürchtungen unbegründet: Der Zeitraum, indem die Kinder gebracht würden, erstrecke sich von 7.30 bis 9 Uhr. Schon von daher sei die Verkehrssituation entzerrt. Zudem trachte man auch danach, durch eine Beschilderung auf dem Grundstück eine Art „Einbahnstraßenverkehr“ zu etablieren. 

Das Kindergartenareal soll von den Eltern nur im Uhrzeigerinn durchfahren werden: die Zufahrt demnach über die Hölderlinstraße im Norden, die Abfahrt über den südlichen Ast der Hölderlinstraße. Daneben könne man davon ausgehen, dass durch die günstige Lage des Kindergartens viele Eltern ihre Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad brächten. Eine Argumentation, die die Mehrzahl der Stadträte überzeugte. Am Ende beschloss das Gremium gegen die Stimmen der grünen Fraktion, bei der Abwägung dieses Einwandes aus der Bürgerbeteiligung der Verwaltung zu folgen und der Änderung des Flächennutzungsplanes wie auch dem Bebauungsplan zuzustimmen.

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Grüne stimmen gegen Emtwurf

Auch das Entwurfskonzept wurde mit den Gegenstimmen der Grünen Liste angenommen. Die Planungen für den Kindergarten können damit weitergeführt werden. Baubeginn soll im Frühjahr sein , womit eine Eröffnung zum Kindergartenjahr im Herbst 2021 realistisch erscheint. Kolbermoor, so die Mehrzahl der Räte habe damit eine echte Bereicherung in seiner Kindergartenlandschaft. Die zudem, wie Markus Schiffmann (CSU) hervorhob, zu einem „hervorragenden Preisleistungsverhältnis“ erstellt werden konnte.

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Das sieht auch Bürgermeister Peter Kloo (SPD) so. Die Kosten liegen bei rund 1,65 Millionen Euro. „Bei einem konventionellen Bau, so der Rathauschef, „hätten wir mit fünf bis sechs Millionen Euro rechnen müssen, hätten dann aber nicht dieses besondere naturnahe Betreuungskonzept gehabt“.

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