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Stadt will alle Ehrenamtler gleich behandeln

Kolbermoorer „Flurfunk“: Darf die Feuerwehr etwa gratis ins Freibad?

Ein Sprung ins kühle Nass ist ein Genuss, nicht nur für Kinder. Besitzer einer Ehrenamtskarte kommen vergünstigt ins Kolbermoorer Freibad. Gratis-Eintritt gibt es auch für die Kameraden der Feuerwehr nicht.
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Ein Sprung ins kühle Nass ist ein Genuss, nicht nur für Kinder. Besitzer einer Ehrenamtskarte kommen vergünstigt ins Kolbermoorer Freibad. Gratis-Eintritt gibt es auch für die Kameraden der Feuerwehr nicht.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Auch wenn sich das Gerücht seit Jahren hält: Die Feuerwehr darf nicht gratis ins Freibad, denn Kolbermoor will alle Ehrenamtlichen gleich behandeln. Doch ist der aktive Dienst bei der Feuerwehr wirklich mit anderen Ehrenämtern vergleichbar? Immerhin spart die Stadt durch die Kameraden mehrere Millionen Euro pro Jahr.

Kolbermoor – Dürfen die Kameraden der Feuerwehr Kolbermoor als Dank für ihr Ehrenamt kostenlos ins Freibad? Im „Flurfunk“ der Stadt wird das behauptet. Und die Kameraden, so ist aus der Kolbermoorer Wehr zu hören, würden sich über solch ein Dankeschön auch freuen. Doch gibt es wirklich einen entsprechenden Stadtratsbeschluss? Das wollte Andrea Rosner (Grüne) in der jüngsten Ratssitzung wissen.

„Den gibt es nicht“, informierte Bürgermeister Peter Kloo, der schon seit 2002 das Stadtoberhaupt von Kolbermoor ist. Zwar hätte es eine entsprechende Anfrage gegeben, diese sei aber negativ beschieden worden. „Das ist nicht möglich, da wir nicht wissen, wer wie regelmäßig an Übungen und Einsätzen der Wehr teilnimmt“, begründete Kloo.

Zutritt für Übungen jederzeit möglich

Im Rahmen von Übungen sei es allerdings selbstverständlich, dass die Stadt der Feuerwehr das Freibad zur Verfügung stelle. Und auch für Ausflüge der Jugendfeuerwehr sei ein einmaliger kostenloser Eintritt kein Problem. Generell sei die Bevorzugung des Ehrenamtes bei der Feuerwehr gegenüber anderen Ehrenämtern aber nicht möglich.

Dabei verwies Kloo auch auf Beschwerden von alleinerziehenden Müttern, dass es nur eine Familien-Saisonkarte gebe, nicht aber eine Saisonkarte für Alleinerziehende. Die Preise sind seit fünf Jahren stabil. Für 100 Euro kann eine Familie das Freibad eine ganze Saison lang nutzen. Darin eingeschlossen sind zwei Erwachsene und so viele Kinder, wie zur Familie gehören. Wer alleinerziehend mit einem Kind ist, bezahlt ebenfalls 100 Euro und spart dadurch nichts ein, denn eine Saisonkarte für Erwachsene kostet 75 Euro und fürs Kind 25 Euro.

Der Bürgermeister verwies bezüglich einer Würdigung der Arbeit der Feuerwehr auf die Ehrenamtskarte, mit der bayernweit zahlreiche Vergünstigungen in Anspruch genommen werden könnten. Anspruch auf die Ehrenamtskarte als „Zeichen der Anerkennung und des Dankes“ haben Menschen, die 16 Jahre alt sind und sich mindestens fünf Stunden pro Woche oder bei Projektarbeiten mindestens 250 Stunden im Jahr unentgeltlich engagieren.

Im Kolbermoorer Schwimmbad bekommt man damit die Saisonkarte für Erwachsene beispielsweise statt für 75 Euro für 48 Euro. Eine Familienkarte kann man mit der Ehrenamtskarte nicht erwerben.

Kolbermoor, so der Tenor im Stadtrat, könne zwischen Ehrenamtlern keine Unterschiede machen. Doch ist der Dienst bei der Feuerwehr tatsächlich mit anderen Ehrenämtern – beispielsweise im Sport- oder Trachtenverein – zu vergleichen? Ein Blick in die 2021er-Einsatzstatistik der Kolbermoorer Wehr gibt auf diese Frage folgende Antwort: Unwetter, Katastrophenhilfe im Ahrtal, Brände, Gas- oder Chemiekalienaustritte, Rauchentwicklungen in Gebäuden, Personenrettung, Wasserrettung, technische Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen, sogar eine Amoklage – 275 Mal rückten die 94 aktiven Kolbermoorer Kameraden aus. 4350 Stunden waren sie im Einsatz. Und bei jedem Einsatz riskieren sie ihr Leben.

Hinzu kommen Ausbildung, Lehrgänge, Leistungsprüfungen und Übungen. „Insgesamt leisteten unsere Kameraden – darunter sind auch 18 Frauen und 17 Jugendliche – im vergangenen Jahr 12 453 ehrenamtliche Stunden, das sind 132 Stunden pro aktivem Feuerwehrler“, bilanziert Kommandant Franz Wudy auf Anfrage des Mangfall-Boten.

Rechnet man das in normale Arbeitswochen (38 Stunden) um, opfert jeder Kamerad 3,5 Wochen fürs Gemeinwohl – das ist ein Jahresurlaub. „Viele Leute denken, dass jeder Kamerad eine Entschädigung bekommt“, weiß Armin Hörl, stellvertretender Kommandant der Kolbermoorer Wehr. Doch dem ist nicht so: Für den Dienst bei der Feuerwehr gibt es nichts – auch keinen freien Eintritt ins Freibad. Denkt man an die Jugendfeuerwehr mit vier Mädchen und 13 Jungs, haben diese jungen Kameraden nicht einmal Anspruch auf eine Ehrenamtskarte, denn die gibt es erst ab dem 16. Lebensjahr.

Und noch einen Unterschied gibt es zu anderen Ehrenamtlern: „Abwehrender Brandschutz und ausreichende technische Hilfe bei sonstigen Unglücksfällen oder Notständen im öffentlichen Interesse“ sind laut Bayerischem Feuerwehrgesetz Pflichtaufgaben der Kommune. Heißt im Klartext: Auch wenn die Stadt Kolbermoor Millionen Euro in moderne Feuerwehrgerätehäuser in Kolbermoor und Pullach steckt. Ohne Freiwillige Feuerwehren müsste die Kommune eine Berufsfeuerwehr bezahlen.

Kommunen sparen Millionen Euro ein

Georg Weigl, der Bürgermeister von Tuntenhausen, hat die Arbeit seiner Gemeindewehren einmal mit der Information gewürdigt, dass die Gemeinde etwa vier Millionen Euro im Jahr für eine hauptamtliche Feuerwehr ausgeben müsste.

„Ich denke, wir bräuchten vielleicht drei Millionen Euro“, schätzt Kommandant Wudy auf Bitte des Mangfall-Boten den Kolbermoorer Bedarf ein und rechnet vor: „Für die Stadt bräuchte man einen Löschzug mit 22 Kameraden pro Schicht, also insgesamt etwa 70 Leute.“

Doch dieses Geld kann die Stadt sparen, da sich Kameraden seit Jahrzehnten ehrenamtlich dem Brand- und Katastrophenschutz verschrieben haben.

Gleichzeitig spart Kolbermoor weitere 14 400 Euro ein, denn so viel würden Familienkarten fürs Freibad für 94 aktive Kameraden der Kolbermoorer Wehr und weitere 50 aktive Einsatzkräfte der Pullacher Wehr kosten.

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