Eine Zeitreise zum Jahreswechsel

Kolbermoor: Die Stadt der Brückenbauer

Die Mangfallbrücke aus Beton samt heutigem Bürgerhaus – um 1924. In dem Gebäude wohnten damals Mitarbeiter der Spinnerei. Weinzierl
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Die Mangfallbrücke aus Beton samt heutigem Bürgerhaus – um 1924. In dem Gebäude wohnten damals Mitarbeiter der Spinnerei. Weinzierl
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Eine Zeitreise: Heutiges Bürgerhaus vor 100 Jahren fertig gestellt – Mangfall-Übergang ein Jahr zuvor. Wie es damals abgelaufen ist, verrät der Kolbermoorer Anton Hamberger.

Kolbermoor –  Das heutige Bürgerhaus an der Mangfall in Kolbermoor entstand 1920. Vor genau 100 Jahren. Gedacht war es als Wohnhaus für die Mitarbeiter der Kolbermoorer Spinnerei. Sogar Spinnerei-Kenner Anton Hamberger (85) hat mit seiner Familie mal in einer dieser Wohnungen gewohnt an der Von-Bippen-Straße gewohnt. Lange bevor es 2011 zum heutigen Bürgerhaus wurde. Seither finden dort Kaffee-, Koch- und Backnachmittage sowie verschiedenste Beratungen und Sprachkurse für die Kolbermoorer statt.

Historische Fotos und Dokumente

Anton Hamberger hat jede Menge Ordner, in denen sich historische Fotos und etliche Kopien befinden: „Ich habe so viel“, sagt Hamberger, der alles auf Anhieb findet. Und weil er so ein Spinnerei-Kenner ist, hat er übrigens auch damals die Spinnerei-Zimmer im Heimatmuseum eingerichtet.

Anton Hamberger ist ein Spinnerei-Kenner

1919 entschied man sich die „Arbeiterkolonie“ zu erweitern wie Chronist Albert Loher es formulierte, erzählt Hamberger. Auch seitens des Chronisten Otto kalhlhammer habe er viel, sagt er. Drei weitere Wohnhäuser sollten realisiert werden – darunter eben auch das heutige Bürgerhaus, das 1920 fertig gestellt wurde.

Die Brücke über den Mangfallkanal neben dem Friedhof – um 1950.

Kolbermoor in Baulaune

Aber es wurden nicht nur Wohnhäuser in dieser Zeit realisiert: Hamberger spricht von einer „Sensation“, wenn er an den Bau der Beton-Brücke über die Mangfall auf Höhe des heutigen Bürgerhauses denkt. Dieser Übergang aus Beton entstand 1919. Vorher gab es dort einen kleinen Holzsteg – ausschließlich für Fußgänger. Dieser Übergang wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Weg gebracht. Der Grund: „Die Arbeiter, die im Tonwerk in Mitterhart tätig waren, mussten, einen rund 15 minütigen Umweg in Kauf nehmen, um über die Mangfall zu gelangen.“ Denn über den Fluss gelangten sie nur über die Brücke beim Brückenwirt, erklärt Hamberger. Somit wurde ein Holzsteg für Fußgänger über die Mangfall realisiert.

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In dieser Zeit war Kolbermoor in Baulaune, denn kurze Zeit später wurde auch eine Brücke über den Kanal errichtet: „Der Gemeinderat findet einen Steg über den Werkkanal beim Friedhof als dringend notwendig. Der weite Umweg über die Kanalbrücke bei Beerdigungen ist lästig und umständlich“, heißt es in die Aufzeichnungen vom 3. Oktober 1900.

Magd kümmert sich um Stegtür

Im Dezember ist der neue Kanalsteg am Friedhof fertig. „Für das Öffnen und Schließen der Stegtür morgens und abends erhält die Krankenhausmagd monatlich eine Entschädigung von zwei Mark“ heißt es in den Unterlagen, die Hamberg in seinen Ordnern hat.

Der Mangfallsteg zu Beginn des 20.Jahrhunderts – dieser Übergang war nur für Fußgänger.

Holzsteg erneuern

Um 1912 werden Stimmen laut, den Holzsteg über die Mangfall zu erneuern – da er morsch sei. Daraus wurde so schnell allerdings nichts, weil auch das Geld fehlte. Und so musste es eben anders gehen: „Auf jeder Seite des Steges wurden Tafeln angebracht. Mit der Aufschrift: Es dürfen nicht mehr als zehn Personen zur gleichen Zeit den Steg benutzen“, erzählt Hamberger.

Nach dem ersten Weltkrieg bedarf es allerdings wirklich eines neuen Überganges und so wird der angepackt: Zunächst ist der Kolbermoorer Gemeinderat überzeugt eine neue Holzkonstruktion als Mangfall-Übergang auf den Weg zu bringen. Davon nimmt das Gremium allerdings Abstand und entschließt sich, eine Betonbrücke zu realisieren.

Arbeitslosigkeit entgegenwirken

Das geht schnell: Denn die Kolbermoorer Politiker wollen der „großen Arbeitslosigkeit entgegenwirken, um wenigstens einen Teil der Arbeitslosen Beschäftigung auf längere Zeit zu beschaffen“, heißt es in den Unterlagen. In etwa zu selben Zeit entsteht die Idee, den Holzweg am Friedhof über den Werkskanal zu erneuern. Auch hier entsteht eine Betonbrücke – mit der gleichen Fahrbahnbreite wie die der Mangfallbrücke.

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