Kolbermoor: Die Faszination am „Machen“ - Roter Faden im Leben von Paul Grimm hilft der „Pizzicato“-Reihe

Paul Grimm bestimmt seit Anfang des Jahres als Zweiter Vorsitzender die Geschicke des Kulturvereins „Pizzicato“ mit und bemüht sich um so viel künstlerisches Leben wie nur möglich.
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Paul Grimm bestimmt seit Anfang des Jahres als Zweiter Vorsitzender die Geschicke des Kulturvereins „Pizzicato“ mit und bemüht sich um so viel künstlerisches Leben wie nur möglich.
  • vonJohannes Thomae
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Im Grunde wartet jeder von uns darauf, dass irgendwann die normale, die Vor-Corona-Zeit zurückkommt. Doch das wird nicht passieren. Wir werden lernen müssen, mit den Veränderungen mittelfristig oder gar dauerhaft zu leben.“

Kolbermoor – „Paul Grimms Einschätzung bezieht sich nicht nur auf unser aller Alltagsleben, sie bezieht sich vor allem auch auf die Lage der Kunst- und Kulturschaffenden. Der 52-Jährige ist seit Anfang dieses Jahres zweiter Vorsitzender des Kolbermoorer Kulturvereins Pizzicato.

Diplom-Informatiker der richtige Mann

Zu diesem Amt gekommen ist er, weil Gerhard Franke, der erste Vorsitzende, eine Unterstützung im IT-Bereich suchte und Grimm, den er von der Kirchengemeinde von Heilige Dreifaltigkeit kennt, als Diplom-Informatiker die ideale Person dafür war.

Anfang des Jahres war von Corona in Deutschland noch nichts zu spüren, Pizzicato aber längst, nämlich seit über zehn Jahren, eine feste Größe im Kolbermoorer Kulturleben: Jeden Monat eine Veranstaltung mit zwischen 100 und 300 Besuchern, da muss das computergestützte Ticketing-System gepflegt und immer wieder optimiert werden, dazu benötigt der Druck von Plakaten, Prospekten, Flyern einen Mann vom Fach.

Herausforderungen für den Vereinsvorsitzenden

Dann aber kam Corona und damit ganz andere Herausforderungen für den Vereinsvorstand: Was tun, um die Veranstaltungen nicht ganz wegbrechen zu lassen? Und vor allem: wie fürs nächste Jahr planen? Hoffte man im beginnenden Sommer noch, auf dem Weg zurück in die Normalität zu sein, haben die jüngst gestiegenen Fallzahlen und die damit wieder verschärften Veranstaltungsbeschränkungen klar gemacht: Zumindest bis weit ins nächste Jahr hinein werden Veranstaltungen, die zur Kostendeckung ein größeres Publikum erfordern, schwierig.

In solchen Zeiten sind Menschen gefragt, die Wünsche, Hoffnungen, aber auch Befürchtungen von tatsächlichen Fakten und sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu unterscheiden wissen. Grimm hat das gelernt, nicht nur als Informatiker, sondern vielleicht mehr noch in seinem zweiten Studium der Betriebswirtschaft und durch seine jahrzehntelange Berufserfahrung als Wirtschaftsprüfer. Hilfreich ist vielleicht auch, dass er selbst kein Musiker ist. „Ich liebe Musik und Kultur, habe aber doch das bisschen Abstand, der einen unverstellten Blick erst möglich macht.“

Und glücklicherweise auch die Zeit. Bis vor fünf Jahren wäre sein Engagement für Pizzicato schwieriger zu bewerkstelligen gewesen, da hatte er noch eine eigene Kanzlei mit Mandantschaft in ganz Deutschland und der Schweiz und einer Wochenarbeitszeit von 70, 80 Stunden. Mit der Zeit wurde ihm aber immer klarer: „Um meinen Wunsch nach einer Familie erfüllen zu können, würde ich hier etwas grundlegend ändern müssen, sonst hätte ich mein Kind, wenn überhaupt, nur schlafend gesehen.“ Dass seine Ehefrau und seine nunmehr vierjährige Tochter von der gewonnenen Zeit seit Jahresbeginn wieder etwas an den Verein abtreten müssen, erklärt er so: „Ich bin niemand, der von vornherein abwinkt, wenn man mich mit einer Bitte um Unterstützung konfrontiert. Ich schau‘ immer, ob man da nicht doch was machen kann.“

Begeisterung am Handeln und Ausrichten

Diese Faszination am „Machen“, gerade dann, wenn die Umstände schwierig sind, zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Grimm, der auf sein Informatikstudium deshalb noch ein Betriebswirtschaftsstudium oben draufsetzte, weil er „zum Hobby Informatik noch was Ernsthaftes studieren“ wollte. Vor allem aber, weil er mitbekommen hatte, dass man als Informatiker wesentlich besser ist, wenn man von der Materie, für die die Software entwickelt wird, auch tatsächlich eine Ahnung hat.

Kulturlandschaft von Grund auf verändert

Seine breite Weltsicht und die damit verbundene gesammelte Erfahrung bringt er nun ein, um mit den anderen Funktionsträgern und auch allen Unterstützern Pizzicato in eine Zeit zu führen, in der durch Corona auch die Kulturlandschaft grundlegend verändert wird. Dazu bedarf es für ihn zweierlei: die Unternehmenslust, für die Zukunft unvoreingenommen über alle Möglichkeiten nachzudenken und für den Moment die Bescheidenheit, die kleinen Brötchen des Möglichen zu backen – etwa wie im Juli und August den „Kleinen Kultursommer Kolbermoor“, den Pizzicato veranstaltete.

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