Dieser Kolbermoorer jagt Fischwilderer

Jürgen Halder ist in seinem Ehrenamt als Fischereiaufseher nicht nur tagsüber und bei Sonnenschein an Kolbermoors Gewässern anzutreffen. Sondern auch ganz früh am Morgen, spät am Abend und auch bei schlechtem Wetter.
+
Jürgen Halder ist in seinem Ehrenamt als Fischereiaufseher nicht nur tagsüber und bei Sonnenschein an Kolbermoors Gewässern anzutreffen. Sondern auch ganz früh am Morgen, spät am Abend und auch bei schlechtem Wetter.
  • vonJohannes Thomae
    schließen

Jürgen Halder (49) ist rund um die Uhr im Einsatz: Mal in der Früh, mittags, mal um Mitternacht. Der Kolbermoorer ist Fischereiaufseher und somit für die Gewässer zuständig. Kurz: Er kontrolliert die Angler, ob alles mit rechten Dinge zugeht.

Kolbermoor – Er überprüft unter anderem deren Papiere, wie den staatlichen Fischerei- und der Fischereierlaubnisschein für das betreffende Gewässer. Auch der Fang muss festgehalten werden.

Maßnahmengegen Überfischung

Alles Maßnahmen, mit denen die Überfischung der Gewässer – Mangfall, Mangfallkanal, die Kalten, der Triftbach – verhindert werden soll. Schon deshalb, weil alle der rund 150 aktiven Angler des Rosenheimer Anglerbundes, die die Kolbermoorer Gewässer befischen, auch etwas fangen wollen. Und weil sich die Fischereivereine als Naturschutzorganisationen verstehen. Sie wollen die Gewässer in einem möglichst ausgeglichenen und naturnahen Zustand halten.

Das alles hat Halder im Blick: Und so wurde er für dieses Amt 2014 vom Rosenheimer Anglerbund auserkoren – das Landratsamt hat ihn in diesem Ehrenamt offiziell bestätigt. Er selbst hat die Fischerprüfung als 15-Jähriger abgelegt. Obendrein hat er den Jagdschein und ist dabei ein Mann mit einer tiefverwurzelten Liebe zur Natur.

Fischwilderern auf der Spur

Und noch eins kommt hinzu: Halder ist bei der Stadt Kolbermoor im Bauamt tätig und für den Unterhalt aller städtischen Liegenschaften zuständig. Dazu gehören auch Grünflächen und Gewässer. Er kennt also den Zustand der Bäche, Flüsse und Kanäle und weiß, wo der Schuh drückt.

Deshalb sind für ihn die Vereinsangler, die sich vereinzelt nicht immer streng an alle Auflagen halten, weniger das Problem. „Gefährlicher für den Fisch sind die, die sich an gar nichts halten und Fischwilderei betreiben. Denn sie fischen ohne Rücksicht auf Verluste.“

Bandbreite der Fischwilderer ist groß

Und das habe sich laut Halder zu einem ernsten Problem entwickelt. Die Bandbreite der Fischwilderer ist groß: Es gibt die, die das regelmäßig und ernsthaft betreiben, quasi als festes „Hobby“. Dabei sparen sie sich die Jahresgebühr eines Fischereivereins, samt der Auflagen.

Und reicht bis zu denen, die, weil im Sommer bei niedrigem Wasserstand die Fische greifbar erscheinen, dazu verführt werden, sich auch einmal als Fischer zu versuchen.

Gerade letzteres klingt zwar harmlos, ist es laut Halder aber nicht. Denn im Sommer sind die Tiere im Hitzestress. Ihnen setze jede zusätzliche Belastung zu: Etwa durch herumhüpfende Möchtegernfischer, aber auch durch Badende. Bei niedrigem Wasserstand sind die Gumpen – „Löcher“ im Bachbett – für Mensch und Fisch interessant. Für den Mensch, weil man auch bei Niedrigwasser im Nass steht. Für den Fisch, weil das Wasser am Boden dieser Löcher vergleichsweise kühl ist. Wird er daraus vertrieben, flüchtet er ins flachere und wärmere Wasser. Das tue ihm nicht gut, vor allem dann, wenn Spaziergänger ihre Hunde dort plantschen lassen und den Fisch erneut stören. Bei Badenden – Mensch und Hund – versucht es Halder mit freundlicher Aufklärung. Auch wenn er nicht immer auf Verständnis stößt. Er tut es trotzdem – der Fisch habe ja sonst keine Lobby.

Schluss ist für Halder aber bei der Fischwilderei. Einige sind mit der Angel am Start, andere hängen Schnüre samt Köder ins Wasser. Sie kommen Stunden später wieder, um den Fisch am Haken vorzufinden. Halder hatte einmal eine Stelle aufgetan, wo er immer wieder Schnüre fand. Immer wieder fuhr er hin, um den Fischwilderer auf frischer Tat zu ertappen – vergeblich. „Mit solchen Misserfolgen muss man leben.“ Erwischt er jemanden auf frischer Tat, ruft er die Polizei – das kommt etwa fünfmal im Jahr vor. Schließlich „geht hier nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern um einen Straftatbestand“.

+++

Tipp der Redaktion:Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Auch für Angler des Anglervereins haben Verstöße Folgen: Der Fischerei-Erlaubnisschein wird eingezogen und entschieden, wie der Verstoß geahndet wird.

Halder ist es jedoch am liebsten, wenn es dazu gar nicht kommt. Und deshalb ist er oft auf Kontrolle – zu jeder Tages- und Nachtzeit. „Die Angler, vor allem aber die Fischwilderer müssen das Bewusstsein haben, der kann zu jeder Tagesstunde und bei jedem Wetter auftauchen.“ Dadurch, so seine Hoffnung, lässt sich mancher abschrecken.

Für Halder sind diese Kontrollfahrten nicht lästig. Er ist gerne draußen und hat nicht nur bezüglich der Angler immer Augen und Ohren offen: Naturbeobachtung gehe eben am besten zu jenen Stunden, an denen der Normalbürger noch lange, oder längst schon wieder schläft.

Kommentare