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Klaus Dehler zur Energiekrise und dringenden Maßnahmen

Reizwort Klimakleber: So steht Kolbermoors Bund-Naturschutz-Chef zu den Protestaktionen

Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen spricht Klaus Dehler, Vorsitzender der Ortsgruppe Kolbermoor des Bundes Naturschutz, unter anderem über die sogenannten Klimakleber und die Versiegelung von Flächen durch Bauvorhaben.
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Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen spricht Klaus Dehler, Vorsitzender der Ortsgruppe Kolbermoor des Bundes Naturschutz, unter anderem über die sogenannten Klimakleber und die Versiegelung von Flächen durch Bauvorhaben.
  • Mathias Weinzierl
    VonMathias Weinzierl
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Mit vielen guten Vorsätzen sind die Bürger jetzt ins Jahr 2023 gestartet. Was sich Klaus Dehler vom Bund Naturschutz in Kolbermoor in puncto Nachhaltigkeit vorgenommen hat, was die Stadt gegen den Klimawandel tun muss und was er von Klimaklebern hält.

Kolbermoor – Klimaaktivisten, die sich an Straßen und Kunstwerken festkleben, der Streit um die längere Laufzeit von Atomkraftwerken durch die Energiekrise und eine Klimakonferenz in Ägypten, deren Ergebnisse Experten als „Minimalkompromiss“ bewerten: Statt, wie von vielen Wissenschaftlern gefordert, weltweit an einem Strang zu ziehen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, war das Jahr 2022 in puncto Umweltschutz in erster Linie von Streit und Kontroversen geprägt.

Welche Schritte seine Heimatstadt Kolbermoor für mehr Nachhaltigkeit dringend einleiten sollte, was er von den sogenannten Klimaklebern hält und welche kleinen Maßnahmen einzelne Bürger umsetzen könnten, darüber haben die OVB-Heimatzeitungen mit Klaus Dehler (67), seit drei Jahren Vorsitzender der Ortsgruppe Kolbermoor des Bundes Naturschutz (BN), gesprochen.

Zum Jahreswechsel haben auch in Kolbermoor unzählige Silvesterraketen den Nachthimmel beleuchtet. Was haben Sie in diesem Moment in Hinblick auf das Thema Naturschutz gedacht?

Klaus Dehler: Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Geld die Menschen für dieses doch recht kurze Vergnügen ausgeben. Eine riesige Vergeudung von Rohstoffen und Energie. Das Silvesterfeuerwerk gehört zur Kultur auf der ganzen Welt, das will ich auch niemandem streitig machen. Aber mittlerweile nimmt es Größenordnungen an, die nicht mehr mit einem schonenden Umgang von Ressourcen zu vereinbaren sind.

Richten wir den Blick auf Ihre Heimatstadt Kolbermoor: An welchen Stellschrauben muss die Stadt in diesem Jahr Ihrer Meinung nach unbedingt drehen, um einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und zur Energiewende zu leisten?

Dehler: Zunächst sollte der Bauboom gestoppt werden. Es muss nicht jedes noch so kleine Stückchen Wiese unter Beton verschwinden. Gewerbe- und Wohngebiete auf den letzten unbebauten Flecken entlang der Mangfall sorgen beim nächsten Hochwasserereignis wieder für eine dramatische Verschärfung der Situation. Außerdem braucht Kolbermoor ein vernünftig ausgebautes Radwegenetz. Ein Konzept dafür gibt es bereits, es muss nur noch umgesetzt werden.

Gibt es Punkte, bei denen sich die Stadt Kolbermoor in Hinblick auf den Umweltschutz vorbildlich benimmt oder gar eine Vorreiterrolle für die Region einnimmt?

Dehler: In puncto Umweltschutz ist Kolbermoor leider kein großes Vorbild. Ich habe immer den Eindruck, dass Bauen um jeden Preis Vorrang vor Umweltschutz hat. Umweltschutzbelange werden dabei meist nur soweit berücksichtigt, wie sie vom Gesetzgeber unbedingt gefordert werden.

Wie dramatisch ist der Ukraine-Krieg und die damit einhergehende Energiekrise, die unter anderem zu einer längeren Laufzeit einiger Atomkraftwerke geführt hat, für den Kampf gegen den Klimawandel?

Dehler: Ich hoffe, dass die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Energiekriese nun endlich unsere Politiker wachgerüttelt hat und der Ausbau der erneuerbaren Energien nun Fahrt aufnimmt. Vor allem hoffe ich, dass Bayern nun endlich seine Blockadehaltung aufgibt. Daher sehe ich die Energiekrise durchaus als Chance für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien, der sonst wohl noch Jahrzehnte vor sich hindümpeln würde.

Die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg wurde oftmals verspottet und belächelt, hat es aber geschafft, dass das Thema Umweltschutz vor allem bei jungen Menschen viel mehr in den Fokus gerückt ist. Wie wichtige ist Ihre Rolle und die Rolle von „Fridays for future“?

Dehler: Ich habe großen Respekt vor dem, was Greta Thunberg erreicht hat. Als Einzelperson eine solche Bewegung auszulösen, ist schon eine Leistung. Alle „Fridays for Future“-Bewegungen sind ja auf sie zurückzuführen. Ohne sie und die „Fridays for Future“-Bewegung wäre der Klimaschutz nie so in den Fokus der Öffentlichkeit und somit auch der Politik gerückt. Jetzt ist es wichtig, dass unsere Jugend hier weiter am Ball bleibt.

Einige davon sind vielleicht auch bei den sogenannten Klimaklebern zu finden, die, um aufs Thema Klimawandel aufmerksam zu machen, Straßen blockieren oder sich an Kunstwerke kleben. Haben Sie dafür Verständnis?

Dehler: Das sind spektakuläre Aktionen, die aber meiner Meinung nach nicht recht viel bringen. Politiker lassen sich auf diese Weise nicht beeinflussen.

Sie leben sicherlich selbst sehr nachhaltig. Gibt es dennoch etwas, was auch Sie sich in puncto Umweltschutz vorgenommen haben?

Dehler: Noch mehr als bisher mein Auto stehen zu lassen und mit Rad oder öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren. Besonders bei den öffentlichen Verkehrsmitteln wird einem das allerdings nicht immer leicht gemacht.

Nächstes Ortsgruppentreffen am Dienstag, 10. Januar 2023

Zum nächsten Ortsgruppentreffen lädt die Ortsgruppe Kolbermoor des Bundes Naturschutz (BN) Mitglieder und Freunde am Dienstag, 10. Januar 2023, ein. Das Ortsgruppentreffen findet ab 20 Uhr in der Cafeteria im Bürgerhaus Mangfalltreff an der Von-Bippen-Straße 21 in Kolbermoor statt.

Können Sie kleine Dinge nennen, die jeder Bürger sofort für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz tun kann, ohne groß auf etwas verzichten zu müssen?

Dehler: Hier wurden ja von unseren Politikergrößen schon einige sehr konstruktive Vorschläge gemacht, von der Verwendung von Waschlappen über kalt duschen bis zum Verzicht auf die Benutzung elektrischer Zahnbürsten. Ich finde, das muss jeder für sich selbst entscheiden, auch in Anbetracht seiner persönlichen Lebensumstände. Was ich mir allerdings schon sehr wünschen würde, wäre ein höherer Anteil an biologisch erzeugten Lebensmitteln bei der täglichen Versorgung. Ich weiß, dass sich das nicht jeder leisten kann, aber vielleicht so hin und wieder. Neben einer gesunden, pestizidfreien Ernährung würde das auch den Erhalt der Artenvielfalt fördern.

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