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„Wir haben noch viel vor“

Ideen auf den Weg gebracht: Kolbermoor auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt

Schön dass Ihr mitmacht – das könnte man in gewissem Sinn als das Motto des Steuerungskreises sehen, der Kolbermoor zur Fairtrade-Town machen will. Die Sprecherin des Steuerkreises, Sabine Balletshofer-Wimmer, kann sich aber schon jetzt über rege Teilnahme freuen – mehr „Mitmacher“ nicht zuletzt auch in Vereinen und Organisationen sind aber dennoch hochwillkommen. Foto: Thomae
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Schön dass Ihr mitmacht – das könnte man in gewissem Sinn als das Motto des Steuerungskreises sehen, der Kolbermoor zur Fairtrade-Town machen will. Die Sprecherin des Steuerkreises, Sabine Balletshofer-Wimmer, kann sich aber schon jetzt über rege Teilnahme freuen – mehr „Mitmacher“ nicht zuletzt auch in Vereinen und Organisationen sind aber dennoch hochwillkommen.
  • VonJohannes Thomae
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„Wir haben noch viel vor“: Vereine, Schulen, Vhs und Kirchen sind schon engagiert. Denn wichtig ist, dass der „faire Handel“ in den Köpfen der Bevölkerung verankert wird. Welche Ideen die Gruppe jetzt auf den Weg gebracht hat.

Kolbermoor – „Wir haben noch viel vor uns. Unser Vorhaben, das ist wie wenn wir zu Fuß von hier auf den Wendelstein wandern wollten, aber noch daheim sitzen und uns die Wanderstiefel anziehen.“ Stadtrat Max Schlarb (Parteifreie) hat damit recht und auch wieder nicht.

Er ist mit dabei beim Steuerungskreis, der Kolbermoor zur Fairtrade-Town machen will. Richtig ist, dass man sich nach der Gründung im Mai gerade erst zum zweiten Mal getroffen hat. Richtig ist aber auch, dass die zwölf Teilnehmer vor Engagement und Ideen nur so sprühten.

Sportverein, Schulen und Kirchen mit dabei

Die rein formalen Kriterien, um Fairtrade-Town zu werden, seien sowieso nicht schwer zu erfüllen, berichtete Steuerungskreismitglied und Stadtrat Leonhard Sedlbauer (CSU). Geschäfte, die Fairtrade-Waren anbieten gäbe es reichlich, da mittlerweile solche Artikel in den meisten Supermärkten vorrätig seien.

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Statt einer geforderten Schule wollten sich zwei zumindest mit einzelnen Aktionen einbringen, die Adolf-Rasp-Grundschule und die Pauline-Thoma-Mittelschule, auch die Kirchen seien dabei und an Vereinen bislang schon der Sportverein Kolbermoor. Um was es jetzt vor allem gehe, sei die Idee, die dahinterstecke, noch weiter zu verbreiten und dabei mit Leben zu erfüllen.

Ideal eines fairen Handels

Das Ziel ist, so sagte Sabine Balletshofer-Wimmer, drittte Bürgermeisterin und Leiterin des Steuerkreises, das Ideal eines fairen Handels: Fair für Verbraucher, fair für die Produzenten, egal ob diese in der Region angesiedelt sind oder in Übersee. Und dabei müsse man, so ergänzt Max Schlarb, immer auch weiterdenken. Schokolade zu kaufen, deren Rohstoffe in Afrika unter vernünftigen Bedingungen produziert werde, sei schon mal nicht schlecht.

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Besser wäre es aber, wenn die Schokolade direkt in Afrika produziert werden würde, was derzeit nur zu einem Prozent passiert. Dann nämlich bliebe im Erzeugerland wirklich etwas hängen. Derartiges Nachdenken wachzurufen, sei nicht einfach meinte er, und brachte ein weiteres Beispiel.

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Auf seinem Biohof habe man den Verkauf von Avocados wieder eingestellt, weil selbst Bio-Avocados in für die Natur ungünstigen Monokulturen aufgezogen würden. Der ideale Einkäufer, der dann nicht einfach in den nächsten Supermarkt gehe und die Avocados dort erwerbe, sondern nachfrage, was es mit dem Fehlen der Avocados im Sortiment auf sich habe und sich dann entscheide – dieser ideale Einkäufer müsse erst noch wachsen und auch das sei ein Ziel des Fair-Trade-Gedankens.

Mit dabei auch Biobauer und Gemeinderat Max Schlarb. Für ihn darf das Bemühen um fairen Handel nicht beim Erwerb von Produkten mit dem entsprechenden Siegel enden. Man müsse versuchen, immer noch einen Schritt weiter zu denken.

Experten vor Ort

Wie man diese Pflanze zum Wachsen bringen kann, darüber berichteten Susanne Sedlbauer und Gerhard Ehrl. Sie sind in Bad Endorf für fairen Handel engagiert, die Marktgemeinde ist bereits seit 2018 als Fairtrade-Town zertifiziert. Wichtig seien, so Gerhard Ehrl, Sprecher des dortigen Steuerungskreises, bei möglichst vielen Festen und öffentlichen Veranstaltungen mit einem Stand und fairen Produkten vertreten zu sein.

Vhs bietet schon konkrete Projekte an

„Die Idee muss unter die Leute.“ Und das, so ergänzte Susanne Sedlbauer, die maßgeblich daran beteiligt war, dass die Schule in Bad Endorf schon 2016 zur Fair-Trade-Schule ernannt wurde, geht am einfachsten, wenn sich die Schulen mitbeteiligen.

„Die Kinder sind von der Idee eines fairen Handels für eine faire Welt leicht zu überzeugen und sie ziehen dann ihre Eltern mit.“ Ganz viel brächte auch, da waren sich beide einig, wenn die Stadt klarmache, dass sie hinter dieser Idee stehe.

Film zum Thema bei der Vhs

In Kolbermoor ist das gegeben, denn Ulrike Sinzinger, Leiterin derVolkshochschule, konnte schon mit ganz konkreten Projekten aufwarten: Bereits am 5. Oktober wird es zum Beispiel den Film „Welcome to Sodom – dein Smartphone ist schon hier“ zu sehen geben. In ihm wird das Problem einer ungleich vernetzten Welt am Beispiel des Elektroschrotts thematisiert. Im Januar schließt sich eine Ausstellung an, in der ein Fotografenpaar fair gehandelte Produkte mit Porträts derer verknüpft, die sie herstellen. Fairer Handel nicht länger abstrakt, sondern mit Gesichtern verbunden.

Kindergarten will sich auch bewerben

Tolle Ideen aber nicht nur hier: Auch die evangelische Kindertagesstätte „Haus für Kinder“ ist voll mit dabei, möchte sich sogar als Fairtrade-Kindergarten bewerben und auch Andrea Hanke, Lehrerin an der Pauline-Thoma-Schule, hatte Vorschläge für Aktionen: Ob es ein Fußball-Turnier an der Schule mit fair produzierten Fußbällen, ein Verkauf fairer Getränke im Pausenverkauf, oder fair produzierte t-Shirts waren: es sind auch die kleinen Schritte die, um im Bild von Max Schlarb zu bleiben, den Wanderer am Ende auf den Wendelstein bringen.

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