Inklusionsbeauftragte schlägt Alarm

Kolbermoor: 36 Behinderte suchen dringend eine Wohnung

Zwölf Rollstuhlfahrer suchen in Kolbermoor dringend eine bedarfsgerechte Wohnung: „Auf dem freien Markt haben sie fast keine Chance“, sagt Inklusionsbeauftragte Veronika Gmeiner.
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Zwölf Rollstuhlfahrer suchen in Kolbermoor dringend eine bedarfsgerechte Wohnung: „Auf dem freien Markt haben sie fast keine Chance“, sagt Inklusionsbeauftragte Veronika Gmeiner.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Rollstuhlgerechte Wohnungen sind in Kolbermoor Mangelware. Was die Inklusionsbeauftragte Veronika Gmeiner künftig anpacken will, um den Menschen zu helfen, lesen Sie hier.

Von Ines Weinzierl

Kolbermoor – Wohnraum ist knapp. Obwohl in Kolbermoor an vielen Orten gebaut wird. Entweder entsteht Wohnraum zum freien Verkauf und zur Miete. Aber es wird auch Wohnraum im sozial-geförderten Wohnungsbau gebaut. So wie beispielsweise rund 70 Wohnungen auf dem Conradtygelände und 17 Wohnungen im Wohn- und Geschäftshaus.

Dennoch: Es reicht nicht aus. „Mit großer Sorge erfüllt mich die Tatsache, dass immer mehr Alleinerziehende und Senioren kaum eine Chance haben, am freien Wohnungsmarkt bezahlbare und bedarfsgerechte Wohnungen zu finden“, sagt Veronika Gmeiner.

Veronika Gmeiner, Inklusionsbeauftragte

Keine Chance auf dem freien Markt

Als Inklusionsbeauftragte werde sie fast täglich damit konfrontiert, dass bezahlbarer, bedarfsgerechter Wohnraum – vor allem auch für behinderte Menschen – nicht verfügbar ist, erklärt sie. Das sei wirklich deren dringendstes Problem. Aber was heißt bedarfsgerecht? „Barriere-arme oder gar barriere-freie, rollstuhlgerechte Wohnungen.“

Behinderte- und rollstuhlgerecht ist nicht das gleiche

Ist denn behindertengerecht und rollstuhlgerecht nicht das gleiche? „Nein“, erklärt Gmeiner. In Wohnungen für Rollstuhlfahrer müssen die Türen breiter sein, Fenster- und Türgriffe niedriger angebracht werden. Darüber hinaus muss ein Bad einen Radius von 1,50 Metern haben und die Dusche muss frei zugänglich sein – ohne jegliche Hürden. Und die Menschen haben noch ein weiteres Problem: „Menschen mit Behinderungen haben so gut wie keine Chancen auf dem freien Wohnungsmarkt eine Wohnung zu finden“, sagt Gmeiner, die selbst im Rollstuhl sitzt.

Sie seien darauf angewiesen, dass durch den geförderten Wohnungsbau auch für Menschen mit Behinderungen Wohnungen geschaffen werden. „Hier ist Kolbermoor sicherlich auf einem guten Weg, wenn sowohl die Stadt, als auch private Investoren in den sozial geförderten Wohnungsbau investieren“, so Gmeiner.

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Auch im Wohn- und Geschäftshaus der Stadt neben dem Rathaus entsteht bezahlbarer, barrierefreier Wohnraum. „Rollstuhlgerecht sind die Wohnungen aber nicht“, erklärt Gmeiner. Rathauschef Peter Kloo erklärt auf Anfrage, dass die Wohnungen „rollstuhlgerecht sind, aber nicht der Din-Norm entsprechen“. Das heißt: Rollstühle haben Platz, aber für Bürger, die einen großen elektrischen Rollstuhl haben, reicht der Platz in den Wohnungen nicht. Diese Entscheidung habe die Stadt damals bewusst getroffen, andernfalls hätte man weniger Wohnungen realisieren können. Schließlich sei der Druck auf dem Wohnungsmarkt von bezahlbarem Wohnraum groß: Rund 480 Anträge auf eine Wohnung liegen der Stadt Kolbermoor vor, erklärt Kloo.

36 Menschen mit Behinderung suchen eine Bleibe

Auch Veronika Gmeiner erklärt, dass derzeit 24 behinderte Menschen in Kolbermoor auf eine Wohnung warten. Dazu kommen zwölf Rollstuhlfahrer. Ob Gmeiner ihnen allen helfen kann? „Sicherlich nicht allen.“ Aber sie bleibt dran, sie gibt nicht auf. Das liegt ihr nicht. Und so hat sie sich dafür eingesetzt, dass im städtischen Wohnhaus am Glasberg ein Fahrstuhl eingebaut wird und drei Wohnungen rollstuhlgerecht sind.

Um das auch andernorts umzusetzen, will sie künftig auch mit den Bauträgern sprechen. „Auch sie sollen behinderten- und rollstuhlgerecht bauen.“ Obendrein appelliert Gmeiner an die privaten Investoren, nicht nur den barrierefreien Wohnraum im Rahmen der Förderprogramme herzustellen. „Sondern bei der Mieterauswahl darauf zu achten, auch die Wohnungsbewerber zu berücksichtigen, die aufgrund ihrer Behinderung am freien Wohnungsmarkt sonst kaum eine Chance haben.“

Und weiter: „Andernfalls wird Inklusion nur ein Lippenbekenntnis oder eine leere Floskel in den Richtlinien zum geförderten Wohnungsbau sein.“

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