Kleine Kunstwerke im Stadtgebiet

Der neueste Blickfang: Frosch und Libelle am Eduard-Bergmann-Platz.
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Der neueste Blickfang: Frosch und Libelle am Eduard-Bergmann-Platz.

Sie stechen ins Auge: Die außergewöhnlichen Abfalleimer, die mittlerweile an vielen Ecken der Stadt Kolbermoor zu finden sind. Die Schmiedemeister Michael Ertlmeier und Johann Reif arbeiten nun bereits seit mehreren Jahren an dem Projekt: Sie gestalten Mülleimer zu verschiedenen Themen und Orten in der Stadt - und schmieden sie zusammen mit Jugendlichen oder, wie erstmals diesen Sommer, mit Asylbewerbern.

Jetzt hat die Idee das Interesse weiterer Schmiedestädte geweckt.

Kolbermoor - Ob kunstvolle Notenschlüssel, Bücher, ein Brotzeitteller oder Moorkolben und Frosch - die unterschiedlichsten Themen greifen die beiden Metallgestalter, die seit Jahren der Stadt Kolbermoor verbunden sind, in ihren Projekten auf. Zu finden sind die von Hand geschmiedeten Abfalleimer, alles Unikate, vor der Stadtbücherei, der Musikschule, am Rathauseingang, auf den Stadtplätzen, rund um die Mangfallschule - und an vielen Orten mehr.

"Johann Reif macht das Projekt bereits seit sieben Jahren und ich bin fünf Jahre mit dabei", blickt Schmiedemeister Michael Ertlmeier zurück. "Normalerweise kommen immer fünf Jungs aus der Mittelschule zu uns. Wir zeigen ihnen dann, was man alles selbst schaffen kann. Und wie weit einen ein bisschen handwerkliches Geschick bringen kann. Es ist jedes mal richtig klasse, wie die Jungen an die Sache rangehen", erzählt der Metallgestalter.

Diesen Sommer schmiedeten Ertlmeier und Reif, wie berichtet, zum ersten Mal gemeinsam mit Migranten. Aber auch eine Bürgerin wollte an der Aktion teilnehmen. "Da haben wir uns natürlich richtig gefreut, dass wir mit unserem Projekt noch mehr Leute erreichen, die mithelfen wollen." Auch die Erfahrungen mit den Asylbewerbern beschreibt Ertlmeier als sehr positiv: "Sie haben toll mitgearbeitet und greifen noch ein bisschen mehr zu als die Jugendlichen. Eine super Erfahrung."

Noch mehr freut es den Schmied, wenn die Mülleimer an präsenten Plätzen in der Stadt platziert und von Passanten bewundert werden können. Aber nicht nur ästhetische Zwecke erfüllen die Kunstwerke, die von Michael Ertlmeier und Hans Reif frei von Hand im Verhältnis 1:1 skizziert werden. "Seit die neuen Mülleimer aufgestellt sind, geht der Vandalismus in der Stadt deutlich zurück", erzählt der 48-Jährige, "besonders die Jugendlichen lernen etwas wertzuschätzen, wenn sie wissen, mit wie viel Zeit, Arbeit und Schweiß es verbunden war."

Über 50 Mülleimer wurden nach Angaben von Ertlmeier im Zuge des Projekts bereits geschmiedet, von denen viele die Innenstadt, aber auch Spazierwege wie im Tonwerksgelände und auf der Spinnereiinsel schmücken. Die zuletzt gefertigten Exemplare sind am Eduard-Bergmann-Platz und an der Mangfallschule Rainerstraße zu finden. Finanziert wurden die Projekte (teils verbunden mit Sitzbänken/Hochbeeten) über verschiedene Fördertöpfe, anfangs über EU-Mittel, später über die Städtebauförderung "Soziale Stadt".

Die Schmiede freuen sich im Übrigen sehr, dass das Projekt nun seit sieben Jahren stetig fortgesetzt wird - und jetzt sogar außerhalb von Kolbermoor Interessenten gefunden hat. Bei der jüngsten Generalversammlung des Rings der Europäischen Schmiedestädte in Norwegen (wir berichteten) fand Ertlmeiers Bericht über dieses soziale Projekt viel Zuspruch: Die Städte Stolberg, Bad Hall, Acireale in Italien und Øvre Eiker wollen nach Angaben von Ertlmeier das Projekt nun ebenfalls aufgreifen. Das österreichische Bad Hall habe bereits einen Prototypen angefragt. "Wir werden in der nächsten Zeit nach Österreich fahren und schauen, wie man das Projekt dort umsetzen kann und dann die dortigen Schmiede einweisen", so Ertlmeier zum weiteren Vorgehen. Wunsch in Bad Hall sei jedoch, das Projekt nicht mit Abfalleimern, sondern mit Straßenlaternen zu realisieren. "Mal schauen, was sich da so machen lässt. Es ist zumindest toll, dass sich das Projekt so weiterträgt", freut sich Ertlmeier.

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