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Steinacher Künstler zieht alle Blicke auf sich

Kettensäge im Schlosspark Pullach im Einsatz: Wie eine 150 Jahre alte Esche trotzdem überlebt

Der Schlosspark Pullach wurde in den vergangenen Monaten gepflegt und eingezäunt. Franz, der Schnitzer, setzt dem Ensemble jetzt das i-Tüpfelchen auf, das für ziemliches Aufsehen sorgt.
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Der Schlosspark Pullach wurde in den vergangenen Monaten gepflegt und eingezäunt. Franz Rossmeisl setzt dem Ensemble jetzt das i-Tüpfelchen auf, das für ziemliches Aufsehen sorgt.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Ein 150-jährige Esche im Schlosspark Pullach musste gefällt werden, weil sie vom Pilz befallen war. Ihr Stamm durfte bleiben und sorgt jetzt für Aufsehen.

Kolbermoor – Dass es in den vergangenen Tagen an der Staatsstraße 2089 in Pullach keine Auffahrunfälle gegeben hat, ist eigentlich ein Wunder. Denn egal, in welche Richtung die Autofahrer unterwegs waren: Ihre Köpfe haben sie alle verdreht. Nun ist das Schloss Pullach ja an sich schon ein Hingucker. Seitdem die etwa 150-jährige Esche im Park gefällt werden musste, ist es nun auch in seiner vollen Pracht zu sehen.

Der Steinacher Kettensägenkünstler Franz Rossmeisl hat den Stamm der alten Esche im Schlosspark Pullach gestaltet. Die Augen der Eule wurden mit Buntstiften eingefärbt und mit Lack versiegelt.

In den letzten Tagen aber war es ein Niederbayer, der neugierige Blicke auf sich zog: Franz Rossmeisl beschnitzte den Stamm des betagten Baumes. Am Samstag, 19. November, sollen die Gerüste fallen, wird sein Kunstwerk in voller Pracht zu sehen sein.

Aus kranker Esche wird ein Kunstwerk

Zwischen 100 bis 150 Jahre soll sie alt gewesen sein, die Esche im vorderen Bereich des Schlossparkes. „Leider mussten wir sie fällen lassen, da sie vom Eschentriebsterben betroffen war und zu einer Gefahr für die Staatsstraße und die Nachbarn wurde“, bedauert Schlossbesitzerin Renate Lindinger. Wenigstens der bemooste Stamm konnte erhalten werden. Seit Montag haucht ihm der Kettensägenkünstler aus Steinach nun neues Leben ein.

Leidenschaft für Holzkunst

„So einen großen Auftrag hatte ich noch nie: So weit weg von dahaom und sechs Tage Arbeit am Stück“, würdigt der 68-Jährige die Leidenschaft der Schlossbesitzerin für Holzskulpturen.

Vor 20 Jahren ist der gelernte Forstwirt von der Arbeit im Holz auf die künstlerische Arbeit mit Holz, Kettensäge und Bildhauereisen umgestiegen. „Als die Harvester kamen, bin ich gegangen, und das hätte ich noch viel eher tun sollen, denn als mein eigener Chef geht es mir viel besser“, sagt er.

Die Motive werden mit der Kettensäge vorgearbeitet. Für Details greift Franz Rossmeisl zum Woodcarver, ehe er die Feinheiten mit dem Bildhauereisen ausarbeitet. Kern- und Splintholz der Esche geben den Skulpturen unterschiedliche Maserungen.

Seitdem stellt er sein Handwerk im Rahmen von „Timberart-Shows“ auf den verschiedensten Events vor und hat in den einstigen Stallungen und der Wagenremise des neuen Schlosses Steinach Werkstatt, Ausstellungsraum und Wohnatelier eingerichtet. Hier ist er nicht nur selbst künstlerisch tätig, sondern gibt auch Kettensägenkurse.

Inzwischen stehen schon 300 zu Buche. „Besonders groß war die Nachfrage während der Corona-Zeit, als viele Leute Zeit hatten“, erzählt er: „Unter den Teilnehmern waren Piloten und auch Hausfrauen. Und das kannst Du glauben, da war so manche Frau dabei, die sich als echter Profi erwiesen hat.“

Auf Schloss Steinach sind sie Nachbarn

Während er im Gartenhaus des neuen Steinacher Schlosses lebt, hat Renate Lindinger das alte Schloss in Steinach wiederbelebt. „Ich liebe historische Gebäude, und die Gemeinde ist dankbar dafür, dass ich sie erhalte“, berichtet sie.

Seit November 2020 gehört ihr auch das Schloss Pullach. Seitdem investiert sie viel Zeit und Geld in die Gestaltung der Anlage. „Es war alles verwuchert, der Schlosspark brauchte viel Pflege, einige Eschen waren von der Baumkrankheit befallen“, erzählt Lindinger. Inzwischen ist der Park von einem Zaun umgrenzt, um die Biber vom Schlossteich fernzuhalten, denn sie haben dem Baumbestand arg zugesetzt. Eingezogen sind dafür Enten und Schwarzhalsschwäne.

Renate Lindinger ist eine passionierte Sammlerin. Ihre Weihnachtskrippen hat sie schon einmal im Hotel „Schmelmer Hof“ in Bad Aibling ausgestellt. Und auch für Holzskulpturen begeistert sie sich. Kein Wunder also, dass sie ihren „Nachbarn“ aus Steinach nach Pullach holte, um den alten Stamm in ein Kunstwerk zu verwandeln.

„Sie hat sich Tiere des Waldes als Motive gewünscht“, berichtet Franz, der Schnitzer. Und so haben Bär, Eule, Wolf, Adler, Katz und Hase in friedlicher Eintracht auf dem Stamm schon Platz genommen. Ein Motiv wird noch hinzukommen. Welches, wollte der Künstler noch nicht verraten.

Ein toller Blickfang: Die 150-jährige Esche im Schlosspark Pullach musste weichen, doch ihr Stamm durfte bleiben und wurde nun in ein Kunstwerk verwandelt.

Eigentlich sollten auch die beiden stärken Äste, die noch erhalten geblieben sind, mit Schnitzereien verziert werden. „Aber die müssen leider auch noch abgeschnitten werden, damit die Gefahr fürs Nachbargrundstück gebannt ist“, erklärt Lindinger.

Sechs Tage Arbeit bei Wind und Wetter

Damit der Kettensägenkünstler den Stamm der Esche erklimmen und frei arbeiten konnte, hat ihr Team ein Gerüst aufgebaut. Direkt daneben schlug Rossmeisl sein Zelt auf, um die Geräte zu lagern und sich einen heißen Tee brühen zu können, denn einladend war das Wetter in der vergangenen Woche nicht gerade. Das kalte, feuchte Klima mit ungemütlichem Wind machte ihm doch ein wenig zu schaffen, gibt er zu. Dabei ginge es aber nicht um ihn, sondern um seine Werkzeuge, denn: „Wichtig ist vor allem, dass es trocken ist, damit meine Bildhauereisen nicht rosten.“ Er hingegen konnte sich am Abend im „Schmelmer Hof“ aufwärmen, denn hier hatte ihm seine Auftraggeberin ein gemütliches Quartier gegeben.

Sechs Motive hat Kettensägenkünstler Franz Rossmeisl in den Stamm der alten Esche im Pullacher Schlosspark geschnitzt. Dazu gehören auch Bär und Katze.

Eine besondere Herausforderung war auch, dass der Stamm der kranken Esche natürlich vom Pilzbefall nicht verschont geblieben ist. „Der ist so hohl wie ein Didgeridoo“, sagt Rossmeisl. Für seine Schnitzereien blieben ihm so noch etwa 20 bis 25 Zentimeter Platz. „Da muss man ganz schön aufpassen, dass man kein Loch sägt.“

Die Gerüste sollen am 19. November fallen

Am Samstag, 19. November, will Rossmeisl sein Kunstwerk bürsten und mit Wasser abwaschen. Ab Sonntag, 20. November, wird es in vollendeter Schönheit erstrahlen. Damit es lange erhalten bleibt, soll der Baum perspektivisch wieder eine „Krone“ in Form eines Blechdaches erhalten.

„Das ist wirklich eine gute Idee und ein toller Blickfang für Pullach“, sagt der Steinacher Künstler und ist dankbar dafür, dass seine Kunst von Renate Lindinger und allen Passanten, die ihren Kopf nach den Tieren des Waldes verdrehen, so gewürdigt wird.

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