Pandemie trifft Jugend hart

Jugendtreff Kolbermoor bietet digitale Alternative, um für Teenager trotz Corona da zu sein

Per Internet und Telefon: Trotz der drastischen Corona bedingten Regelungen pflegen die beiden Sozialpädagogen Christian Spatzier und Max Mank (von links, im Tonstudio des Kolbermoorer Jugendtreffs) den Kontakt mit den Jugendlichen.
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Per Internet und Telefon: Trotz der drastischen Corona bedingten Regelungen pflegen die beiden Sozialpädagogen Christian Spatzier und Max Mank (von links, im Tonstudio des Kolbermoorer Jugendtreffs) den Kontakt mit den Jugendlichen.
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Der Jugendtreff Kolbermoor ist auch im Lockdown für die Jugend erreichbar. Treff-Leiter Christian Spatzier und Max Mank berichten im Interview über die Jugendarbeit während der Corona-Pandemie.

Kolbermoor – Erneut bleiben die Türen des Kolbermoorer Jugendtreffs in der Dr. Max-Hofmann-Straße geschlossen: Der erneute Corona bedingte Lockdown will es so. Aber: „Wir bieten Euch jederzeit ein ‚offenes Ohr‘ an wenn ihr Probleme oder Sorgen habt. Ebenso könnt ihr unkompliziert Hilfestellung für Jobsuche, Bewerbungen oder schulische Nachhilfe bekommen. Oder ihr meldet Euch einfach nur zum Reden und Quatschen“, heißt es auf der Website der Einrichtung, die vom Diakonischen Werk des Evangelisch Lutherischen Dekanatsbezirks Rosenheim betrieben wird.

Wie das bewerkstelligt werden soll, erklären die beiden Sozialpädagogen des Treffs, Treff-Leiter Christian Spatzier und Max Mank, im Gespräch mit dem Mangfall-Boten.

Jugendarbeit während des Lockdown – wie ist das möglich?

Max Mank: Wir haben einen virtuellen Jugendtreff auf der Internetplattform „Discord“ eingerichtet. Darüber können wir mit den Jugendlichen in Kontakt bleiben und uns zu verabreden. Das machen wir natürlich auch telefonisch, wenn sie uns ihre Telefonnummer dazu hinterlassen haben. Über diesen Weg bieten wir Beratungsgespräche an, oder über Videokonferenzen zum Beispiel Bewerbungstrainings.

Es gibt Angebote des Jugendtreffs, für deren Umsetzung von den Jugendlichen Kontinuität gefordert ist, wie zum Beispiel Bandarbeit. Wie funktioniert das unter den derzeitigen Bedingungen?

Christian Spatzier: Wir hatten für die letzte Phase ein Hygienekonzept für Bandproben mit der Stadt und dem Träger festgelegt. Damit wären die Probearbeiten unter gewissen Umständen wieder möglich gewesen. Aber seit Dezember liegt das alles auf Eis.

Wie viele Jugendliche nehmen derzeit die Angebote in Anspruch?

Spatzier: Über unsere Internetplattformen erreichen wir derzeit etwa 20 bis 30 Jugendliche. Der Schwerpunkt unserer Arbeit ist normalerweise der offene Betrieb, dann besuchen uns zwischen 15 und 50 Personen pro Tag. Während der Öffnungszeiten unter Corona-Bedingungen im vergangenen Jahr, zwischen den Pfingstferien und Ende November, hatten wir täglich im Schnitt sieben Besucher. Aber das ist logisch, weil wir den gleichzeitigen Aufenthalt auf maximal 15 Personen und zwei Stunden begrenzen mussten. In dem genannten Zeitraum haben etwa 180 Jugendliche betreut, die unsere Angebote angenommen hatte.

Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Zeit mit den Jugendlichen gemacht?

Spatzier: Sehr gute. Aufgrund der geringen Besucherzahl konnten wir mit den Jugendlichen mehr in die Tiefe arbeiten; das heißt, wir hatten mehr Zeit für Arbeiten oder Projekte, die wir im Regelbetrieb nicht haben. Wir konnten mit den Jugendlichen mehr reden oder anspruchsvollere Bastelarbeiten durchführen.

Wie sind die Jugendlichen mit den Corona bedingten Regeln umgegangen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

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Spatzier: Es gibt zwei Kategorien. Wir haben natürlich Jugendliche verloren, weil verschiedene Gruppen unter diesen Umständen keine Lust mehr hatten, den Jugendtreff zu besuchen. Nachdem sie einen halben Tag mit Maske im Schulunterricht saßen, wollten einige dies im Jugendtreff nicht wiederholen müssen. Andere hatten Schwierigkeiten mit der Tatsache, dass sie nicht mehr spontan den Treff besuchen konnten; viele wollten für die erforderliche Anmeldung auch nicht ihre persönlichen Daten preisgeben.

Mank: Wir haben hier gemerkt, dass die Jugendlichen, die schon in der Schule mit den sehr ähnlichen Regeln konfrontiert waren wie Abstand halten, Händewaschen und Maske tragen, sich auch hier ohne Probleme daran gehalten haben. Um auch so den Jugendtreff nutzen zu können.

Welche Einstellung haben Sie selbst zu der Situation?

Spatzier: Dieser Lockdown trifft unseren Betrieb sehr hart, weil wir nicht wie gewohnt mit den Menschen arbeiten können. Aber das ganze Problem ist kein Wunschkonzert, auch wir müssen uns entsprechend den äußeren Bedingungen arrangieren.

Was ist heuer noch geplant, wenn der Corona-Spuk vorbei sein sollte?

Spatzier: Wir werden so, wie beschrieben, unsere Arbeit fortsetzen. Für uns lautet die Devise, soviel Kontakt zu den Jugendlichen zu halten wie es geht, mit den Mitteln, die wir nutzen dürfen. Das hat für uns oberste Priorität. Ansonsten nutzen wir die Zeit jetzt für Dinge, die wir im Regelbetrieb immer vernachlässigt haben. Wir aktualisieren die Homepage, bereiten einen Instagram-Auftritt vor als neues Modul für die Öffentlichkeitsarbeit. Wir überlegen auch derzeit, wie wir langfristig ein „Jugendnetzwerk Kolbermoor“ etablieren könnten. Das würden wir angehen, wenn der Lockdown über die Maßen verlängert werden sollte. Wir wollen heuer auch die Abwicklung des Kolbermoorer Ferienprogramms von Papier und Stift auf die digitale Verarbeitung schieben. Zudem wartet hier im Haus viel Arbeit in Sachen Instandhaltung und Renovierung, die wir während des ersten Lockdown nicht abschließen konnten.

Jugendtreff bietet differenziertes Programm und offenen Betrieb

Der Jugendtreff Kolbermoor besteht seit 2001 und ist eine Einrichtung der Offenen Jugendarbeit. 2014 wurde das neue Haus neben der Pauline-Thoma-Schule eröffnet. Der Jugendtreff bietet nach eigenen Angaben „ein differenziertes Programm und einen offenen Betrieb unter den Grundsätzen von Mitbestimmung und Mitverantwortung“. Ebenso stellt er für Bildungs- und Freizeitangebote entsprechende Räumlichkeiten und Infrastrukturen für junge Menschen zur Verfügung. Träger des Jugendtreffs Kolbermoor ist das Diakonische Werk des Evangelisch Lutherischen Dekanatsbezirks Rosenheim e.V..

Mit seinem Angebot steht der Jugendtreff Kolbermoor jedem und jeder Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Stadt Kolbermoor und ihrem Einzugsgebiet, unabhängig von Religion, Geschlecht und Nationalität, im Alter zwischen zwölf und 27 Jahren zur Verfügung.

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