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Projekt auf bayerischen Staatsgütern

Ist Ackerbau auf alten Mooren in Kolbermoor möglich?

Projektmitarbeiter Bastian Zwack (rechts) berichtet von der Entstehung des Torfs.
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Projektmitarbeiter Bastian Zwack (rechts) berichtet von der Entstehung des Torfs.
  • VonKatharina Heinz
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Das Projekt „Moorverträgliche Bewirtschaftungsformen“ untersucht auf der Fläche der Bayerischen Staatsgüter in Kolbermoor, wie mittelintensive Landwirtschaft und Klimaschutz auf wiedervernässten Mooren funktionieren können.

Kolbermoor – 10 000 Jahre alt ist das Pflanzenmaterial, das in Torfböden zu finden ist. Auf einem solchen Boden am Rande von Kolbermoor hat sich jetzt eine Gruppe aus Behördenmitarbeitern und Landwirten sowie Kreisbäuerin Katharina Kern versammelt. Einige haben Stangen dabei, andere tragen komplizierte Messgeräte mit sich. Fast alle haben Gummistiefel an. Doch dieser Boden ist trocken. Nicht nur oberflächlich, auch im Untergrund. Das soll sich ändern.

„Wir sehen heute, was wir gelernt haben und was wir noch lernen müssen“, sagt Anna Bruckmeier vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Auf der Fläche der Bayerischen Staatsgüter wird ein groß angelegter Versuch vorgestellt. Beim Projekt „Moorverträgliche Bewirtschaftungsformen“ geht es darum, trockengelegte Moorflächen wieder zu vernässen – mit Nutzen für die Landwirtschaft und das Klima.

Entstanden nach der letzten Eiszeit

Vereinfacht gesagt, entstanden Moore nach der letzten Eiszeit, als es wärmer wurde, Eispanzer schmolzen und vermehrte Niederschläge auftraten. Der Grundwasserspiegel stieg, Senken wurden überflutet. An Stellen, an denen Pflanzenreste nicht abgebaut werden konnten, entstanden Moore. Ein solches befindet sich am Rand von Kolbermoor.

Einst ein Birkenwald, erkannten die Menschen Ende des 18. Jahrhunderts, auf welche Weise sich der Boden noch nutzen lässt. Denn der Torf galt als Brennstoff. Die Geschichte des Torfstechens begann. Bis das Vorkommen etwa 1900 erschöpft war, wurde Torf im großen Stil abgebaut, erklärt Projektmitarbeiter Bastian Zwack.

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Inzwischen steht die Gruppe an einem ausgebaggerten Hang, der den Bodenaufbau sichtbar macht. Die Erde ist dunkelbraun und fest. In mehreren Stationen stellen Zwack und sein Team um Dr. Michael Diepolder von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) den Versuch vor. Der Hang an Station 1 zeigt außerdem: Der Boden hat sich in den vergangenen Jahren um etwa zwei Meter gesetzt.

Denn nach dem Torfstich begann man, die Flächen für die Landwirtschaft zu nutzen. Der Boden ist fruchtbar – doch um ihn auch nutzen zu können, musste die Fläche trockengelegt werden. Drainagen leiteten das Wasser der Kolbermoorer Filze zum Beispiel in den Erlbach.

Ist Klimaschutz durch landwirtschaftliche Nutzung möglich?

Damit wurde eine Art Kettenreaktion ausgelöst, mit Folgen für die Natur und den Menschen. Denn heute weiß man, dass trockengelegte Moorböden durch den Abbau von organischer Substanz Kohlendioxid freisetzen. Das Projekt „Moorverträgliche Bewirtschaftungsformen“ läuft seit Januar und will untersuchen, wie man Klimaschutz und landwirtschaftliche Nutzung unter einen Hut bekommen kann.

Im Beispiel der Fläche der Staatsgüter bei Kolbermoor in Form einer mittelintensiven Grünlandbewirtschaftung. Anton Deutinger, der Betriebsleiter der Staatsgüter-Anlage, nennt sich seitdem „Moorbauer“. Der Ansatz: Durch ein Anheben des Grundwasserstands verringert sich die CO2-Emission. Doch die Umsetzung ist nicht ganz einfach.

Emissionen wissenschaftlich messen: das ist die Aufgabe von Projektmitarbeiterin Martina Schlaipfer (vorne).

An Station 2 kommen die langen Metallstäbe zum Einsatz. Zwack rammt sie in den Boden und zieht damit eine dünne Linie Erde heraus. Ganz unten bei etwa zwei Metern zeigt sich Seeton. Sollte sich der Boden bis dahin weiter setzen, ist es vorbei mit der Landwirtschaft. Auf Seeton wächst nichts mehr. Oben ist die Erde fein wie Asche. Das zersetzte Pflanzenmaterial des einstigen Moorbodens ist vererdet, staubig, wasserabweisend.

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Pflanzen bekommen daher leicht Trockenstress, da das Wasser quasi durch den Boden durchsickert. Bei Starkregen dagegen kommt es schnell zu einem Überstau – die Pflanzen verfaulen. „Das Problem wird häufig mit einem hohen Grundwasserstand verwechselt und es wird vermehrt drainiert“, erklärt Zwack.

Das aber habe den genau gegensätzlichen Effekt: Der Boden baue sich weiter ab. Durch den Abbau des Bodenkohlenstoffs durch Mikroorganismen wird CO2 freigesetzt. Tief entwässerte Moorböden emittieren jährlich über 30 Tonnen CO2-Äquivalente pro Hektar – so viel wie eine durchschnittliche bayerische Familie. Zur Zeit sind zirka vier Prozent der bayerischen Landwirtschaftsfläche für rund ein Viertel der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen im Freistaat verantwortlich.

„Damit ist es aber auch möglich, auf einer relativ kleinen Fläche hohe Einsparungen zu erzielen“, sagt Projektmitarbeiterin Martina Schlaipfer. Sie ist für die Emissionsmessungen zuständig, um den Versuch mit den nötigen wissenschaftlichen Zahlen zu füttern.

Beitrag für Klimaschutz ist groß

Wie das funktioniert, zeigt sie an Station 3. Mittels einer lichtdichten Haube über einer Grünland-Parzelle erfasst sie die Methan- und Lachgasausgasung. Denn diese Parameter sind relevant. „Wird der Wasserstand zu hoch gesetzt, wird Methan zum Problem.“ Ideal wären Null bis 30 Zentimeter unter Geländekante.

So weit ist man auf der Versuchsfläche noch nicht, wie ein Blick auf Station 4 zeigt. Ein Gulli im Boden ist das einzig Sichtbare des Drainagesystems, dass die einstigen Landwirte angelegt hatten. Es wird heute von den „Moorbauern“ rückwärts genutzt: Zur Anhebung des Grundwasserstandes.

Das Fazit: Die Wiedervernässung trockengelegter Moorflächen ist mit hohem Aufwand und vergleichsweise geringerem Ertrag verbunden. Im weiteren Verlauf des Projekts soll an der praxistauglichen Umsetzung gearbeitet werden. Eines ist aber jetzt relativ schon sicher: Der Beitrag für den Klimaschutz wäre groß.

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