Interessengemeinschaft „Kolbermoorer Maler“ stellt ab Samstag aus

Ein Zufall sorgte für den Einstieg in die Malerei: Hildegard Czizegg vor ihrer „Symphonie in Blau“.
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Ein Zufall sorgte für den Einstieg in die Malerei: Hildegard Czizegg vor ihrer „Symphonie in Blau“.

Zeichnen und Malen aus purem Spaß: Auch Werke von Hildegard Czizegg und Jens Lerner sind in der Ausstellung der Kolbermoorer Maler ab Samstag in der Pauline-Thoma-Schule zu sehen.

Von Ulrich Nathen-Berger

Kolbermoor – Lange Zeit ihres Lebens war Hildegard Czizegg davon überzeugt, dass sie weder zeichnen noch malen kann. 2007 gab’s für ihre Einstellung eine Kehrtwende, ein Zufall sorgte für ihren Einstieg in die Malerei, „die mittlerweile ein Bestandteil meines Lebens geworden ist, vor allem meines Wohlbefindens“, wie sie im Gespräch mit dem Mangfall-Boten bekennt.

„Bei einem Gespräch am Stammtisch der Frauenunion machte mir eine Frau deutlich, dass jeder malen könne; sie bot mir an, in ihren Kurs zu kommen“, erzählt die Kolbermoorerin. „Ich fand mich in einer Gruppe Aquarellmaler wieder, die Werke auf hohem Niveau schufen.“ Sie habe dann aber schnell aufgegeben, „ich stehle den Leuten höchsten die Zeit“ war ihre Begründung.

Stimmungen verarbeiten

Dennoch startete sie durch: Ab 2008 belegte sie Malkurse bei namhaften Künstlern und Dozenten, darunter unter anderem Martin Thomas, Bernd Klimmer, Nicole Menz, Isolde Folger, bei der Akademie Hohenaschau und in den letzten Jahren bei Alfred Hansl, Dozent der Akademie Kolbermoor.

„Das Malen bedeutet mir sehr viel, weil ich Stimmungen verarbeiten kann. Wenn ich nicht im Lot bin, verspüre ich keine Lust zum Malen. Wie am Anfang der Pandemie, da war ich blockiert“, bekennt die 76-Jährige.

Hildegard Czizegg malt Abstraktes, ihr Leitmotiv „Farbe ist Leben“ treibt sie an. Von Farben gehen auch die Impulse aus, die sie an die Staffelei bringen, „wie zum Beispiel ein Sonnenuntergang. Zuerst sieht das Bild vielleicht wüst aus, weil ich Chaos produziere, aber dann wird’s verfeinert“. Es kann Stunden dauern, bis ein Werk fertig ist, wie sie sagt. „Ich verwerfe oftmals wieder, überstreiche Passagen oder das ganze Bild. Das verfolgt mich dann schon mal bis in die Nacht, das ist manchmal Freud‘ und Leid in einem.“

Als Mitglied der Grafinger Maler ist Czizegg bei jährlichen Ausstellungen vertreten, in der Galerie Poing, im Kunsttreff Perlach oder im Rathaus Vaterstetten.

Seine Zeichnungen sind filigran, die Liebe zum Detail wird deutlich: Aber für Jens Lerner sind sie eher „Nebenbei-Zeichnungen aus purem Spaß“. „Ich male, weil ich mich ablenken kann von der Arbeit, der Familie - ähnlich wie beim Joggen“, sagt der 47-Jährige unserer Zeitung. „Ich war nie der Künstler, der sich selbstverwirklichen will.“

Mit dem Malen hat Lerner während seines Physikstudiums begonnen. „Ich brauchte ein Geschenk für eine Studienkollegin, hatte aber nicht genug Geld.“ Deshalb habe er sich entschieden, ein Portrait von ihr zu malen. „Anscheinend habe ich eine gewisse Begabung dafür.“ Wobei er jetzt „gezwungen“ werde, auch andere Bilder zu malen. Die Kolbermoorer Maler seien überzeugt von seinem Stil, „aber meine Frau meint, die Bilder sehen aus, als ob ich psychische Probleme hätte“, sagt er mit einem deutlichen Schmunzeln…

Ein eigener Stil? Lerner zögert. „Ich weiß nicht, ob ich das so bezeichnen kann.“, sagt er zögernd. Er sei mal begeistert gewesen vom Hyperrealismus, wenn ein Bild so ausschaut wie ein Foto. Angefangen habe er mit Pastellkreide, „ich weiß nicht wirklich, wie man einen Pinsel bedient“.

Einen besonderen Impuls braucht Lerner nicht, um ein Werk zu beginnen. „Ich fang an zu malen, wenn ich eine Idee habe. Es kann aber passieren, dass ich ein Jahr mal nichts mache.“

Jens Lerner pflegt besondere Riten

Jens Lerner pflegt besondere Riten: „Wenn es losgeht, baue ich abends, wenn Ruhe einkehrt, einen Platz für mich auf. Dann räume ich den Esszimmer- oder Schreibtisch ab, setze Kopfhörer auf und höre Musik. Zwischen Rammstein, Manowar und Pink Floyd kann alles dabei sein.“

Er sei zwar ein „analytischer Mensch“, aber „viel hinein interpretieren“ in ein Werk könne er nicht, sagt der Physiker, der als Manager im strategischen Vertrieb eines Konzerns seinen Lebensunterhalt verdient. „Wenn ich Bilder vom Hyperrealismus anschaue, kann ich mehr entdecken und Gefallen daran finden, als im Abstrakten.“

Ausstellung im Herbst vom 31. Oktober bis 8. November

Die Interessengemeinschaft „Kolbermoorer Maler“ zeigt von 31. Oktober bis 8. November ihre Werke in der Pauline-Thoma-Schule. Verzichtet werden muss heuer auf eine große Vernissage, zu der im vergangenen Jahr etwa 250 Besucher kamen. Die Öffnungszeiten sind werktags 14 bis 17 Uhr, am Wochenende 10 bis 18 Uhr. Rund 100 Werke sollen gezeigt werden. Gefertigt wurden sie von den rund 15 Malern der Kolbermoorer Gruppe, die seit 1978 besteht.

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Die Alte Spinnerei (Ausschnitt) in Kolbermoor – aus Sicht des Malers Jenz Lerner.

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