PARKPLATZ WIRD ZUM SHOWROOM

Illegale Treffen in Kolbermoor: Auto-Poser im Herto-Park

Der Parkplatz des Herto-Parks: Auf diesem Teil und vor dem Gebäude sollen die Auto-Poser mit ihren Fahrzeugen stehen.
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Der Parkplatz des Herto-Parks: Auf diesem Teil und vor dem Gebäude sollen die Auto-Poser mit ihren Fahrzeugen stehen.

Seit mehreren Wochen kommt es im Herto-Park in Kolbermoor wieder regelmäßig zu Treffen der Auto-Poser-Szene. Meist an den Wochenenden wird der Parkplatz von den Autoschraubern zum Showroom umfunktioniert. Zum Leidwesen der Anwohner.

Kolbermoor – Aufheulende Motoren und rasante Manöver können regelmäßig auf dem Herto-Park-Parkplatz an der Carl-Jordan-Straße visuell und akustisch wahrgenommen werden. Die Auto-Poser-Szene hat den Herto-Park als ihren Hotspot auserkoren. Meist geht es schon am Freitagnachmittag los. Die ersten Autoliebhaber versammeln sich dann in Kolbermoor und tauschen sich aus.

Kinder fast umgefahren: „Völlig irrsinnige Zustände“

Sowohl der Bad Aiblinger Polizei als auch der Redaktion liegt neues Videomaterial aus den Nächten des vergangenen Wochenendes vor. Zu sehen ist ein BMW, der einen sogenannten „Burnout“ hinlegt – also im Stand seine Räder durchdrehen lässt und so die Reifen zum Qualmen bringt. „Die Ermittlungen hierzu wurden bereits aufgenommen“, so die Polizei.

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Auch die Anwohner sind in Alarmbereitschaft: „Je später es wird, desto ungehaltener agieren die Teilnehmer“, erzählt ein Anwohner, der anonym bleiben will. „Völlig irrsinnige Zustände sind das. Ich konnte schon mehrmals beobachten, wie kleine Kinder beinahe umgefahren worden wären“, so der Augenzeuge.

Auch in Hinblick auf die Corona-Situation seien die Treffen ein „absoluter Witz“. Teilweise sollen es laut Anwohner bis zu 100 Autos sein, welche unachtsam über den Parkplatz rasen. „Viele bringen sogar ihre Campingstühle mit. Von Abstand oder Maske kann keine Rede sein.“

Anzeigen liegen vor

Bei der Stadt ist das Problem seit Jahren bekannt. Bürgermeister Peter Kloo sagt: Es sei ein leidiges Thema – das mit Dummheit und Rücksichtslosigkeit überschrieben werden könne. Man habe mehrfach bei Sicherheitsbesprechungen daraufhin gewiesen –  auch die Sicherheitswacht sei vor Ort.

„Aber man könne eben nicht omnipräsent vor Ort sein.“ Er fordert die Anwohner auf, sofort die Polizei zu informieren, wenn sich die Auto-Poser treffen – „darauf sind wir angewiesen und das hat nicht mit „Blockwarttum zu tun“.

Auch der Polizei Bad Aibling weiß um die Treffen: „Es geht wieder los. In den letzten beiden Jahren war es ruhiger“, sagt Bernd Heller auf Anfrage. Deshalb werde das Gebiet mehrmals in der Woche bestreift, erklärt er – auch mit zivilen Fahrzeugen. So merken die Auto-Poser nicht gleich, dass es sich um Polizisten handelt, die vor Ort sind.

Es gab auch schon Anzeigen in punkto Hausfriedensbruch. Wie viele? „Sie liegen im niedrigen zweistelligen Bereich.“ Und wie viele Auto-Poser sind im Schnitt vor Ort? Mal drei bis vier, mal bis zu 25, so Heller.

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Hier sind die Reifenspuren deutlich zu sehen: Hier sollen die Auto-Poser von McDonald’s aus losrasen.

Die meisten – um die 95 Prozent – von ihnen kommen aus dem Landkreis Rosenheim. Aber wie will man das Problem in den Griff bekommen? Dadurch, dass die Polizei vermehrt vor Ort sei und Platzverweise ausspreche – das sei eine Möglichkeit. Und das Gelände absperren?

Schäden an Gebäuden

Das sei schwierig und davon hält auch Tobias Tomczyk, Herto-Park-Geschäftsführer, nichts. „Der Parkplatz ist ja öffentlich, wir haben beispielsweise das Fitnessstudio, – wir können den Parkplatz nicht absperren, andernfalls käme ja niemand mehr auf das öffentliche Gelände“, sagt Tomczyk auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Dann ist da noch der Müll: Die Auto-Poser hinterlassen jede Menge Verpackungen und Reifenabrieb auf dem Parkplatz.

Auch am Wochenende versammelten sich wieder zahlreiche Poser auf dem Parkplatz des Herto-Parks.

Gespräche mit der Stadt

Man sei aber bereits mit der Stadt im Gespräch, ob man nicht eventuell Huckel auf dem Parkplatz installiert, die die Autofahrer zwingen, langsam zu fahren. Allerdings sei auch die Umsetzung nicht so einfach, denn auch Rollstuhlfahrer sollen natürlich zum Ziel kommen und ebenso der Winterdienst – „so etwas ist immer schwierig. Man will ja jedem gerecht werden“.

Tomczyk spricht auch die Sachbeschädigungen an: „Es gibt Schäden an Gebäuden, Straßenlaternen wurden um-, Betonpfeiler angefahren und einige Pkw landeten im Blumenbeet.“ Obendrein wäre es mal zu einem „Beinahe-Unfall“ gekommen, aber das habe er nur aus zweiter Hand.

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