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„Ich kann das nur vollständig ablehnen“

Professor Claus Wagner fordert eine dreidimen sionale Darstellung der Pläne.

Professor Dr. Ing.

Claus Wagner ist Mitglied der vor kurzem gegründeten Kolbermoorer Bürgerinitiative „Nordzulauf Brenner“ (wir berichteten). Im Gespräch mit unserer Zeitung ist er aus wissenschaftlicher Sicht überzeugt: Bahntrassen dieser Art und Größenordnung um Kolbermoor herum sind vollständig abzulehnen.

Herr Professor Wagner, Sie fordern von der Bahn AG eine dreidimensionale Darstellung der Neubautrassen im Bereich Kolbermoor. Warum?

Zweidimensionale Pläne mit ein paar einfachen kurvigen Linien, wie von der DB Netze publiziert, stellen für die Bürger keine ausreichenden und befriedigenden Informationen dar. Wegen des Höhenunterschieds von Großkarolinenfeld bis zum Gebiet um Bad Feilnbach und einem für die Bahntrasse vorgegebener Steigung von maximal 1,25 Prozent wird es notwendig werden, die Bahntrasse über Brückenbauwerke zu führen. Wie diese, die Landschaft zerstörenden Brückenbauwerke aussehen, wurde bisher von der Bahn AG nicht publiziert. Es wäre wünschenswert, wenn die Bahn AG auf ihren Plänen dreidimensional darstellen würde, wie dieses in die Landschaft gestellte Brückenbauwerk letztlich aussieht. Die betroffenen Bürger hätten dann einen deutlichen Eindruck davon, welch gewaltige, die Landschaft verunstaltende Betonkonstruktion zwischen Kolbermoor und Bad Aibling in dieses ebene Gebiet gestellt wird.

In Ihren Ausführungen betrachten Sie auch den Baugrund, was Sie zu den Schluss führt, die Kolbermoorer Grobtrasse abzulehnen.

Da sich in dieser Region ursächlich ein Moor befand und ein wohl wenig tragfähiger Baugrund vorhanden ist, ist es bei einer Streckenbelastung durch 740 Meter lange Güterzüge sehr aufwendig und extrem kostenintensiv, eine ausreichend tragende Baukonstruktion zu gründen. Die westliche Kolbermoorer Grobtrasse ist daher, sowohl aus Gründen der Landschaftszerstörung als auch der erheblichen Unwägbarkeiten bei der Bauwerkserstellung, abzulehnen.

Bleibt als weitere vorgestellte Planung eine Bahntrasse östlich von Kolbermoor. Diese soll nach den bisher vorgelegten Plänen der Bahn AG teilweise in einem Tunnel geführt werden?

Diese Lösung kann zwar aus landschaftsgestalterischen und lärmschutztechnischen Gründen eine anzustrebende Variante sein und wird daher von vielen als sinnvoll angesehen. Bei genauerer Betrachtung beinhaltet diese Lösung aufgrund der Grundwasserströme in der Gegend von Kolbermoor-Süd bis hin zur Autobahn erhebliche Probleme. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt befindet sich in diesem Bereich die Oberkante des Geländes auf einer Höhe von 461 Meter über NN. Der obere Grundwasserspiegel liegt 1,68 Meter bis 3,47 Meter unter dieser Geländeoberkante. Das heißt: Gräbt man für einen Tunnel zwischen drei Meter und fünf Meter in diesem Bereich in die Erde, befindet man sich voll im Grundwasser. Für bauliche Maßnahmen (zum Beispiel die Errichtung eines Tunnels) bedeutet dies, Grundwasserabsenkung und Grundwasserhaltung in größerem Ausmaß.

Es stellt sich die Frage: Welche Folgen hat dies für die bestehende Bebauung und die vorhandene Natur (zum Beispiel Waldflächen)?

Aus Kostengründen erscheint für die Errichtung eines solchen Tunnels eine sogenannte offene Bauweise sinnvoll. Man gräbt die Erde ab, errichtet den Tunnel und schüttet später die Baugrube um den Tunnel wieder zu (siehe zum Beispiel Tunnelbauwerke für U-Bahnen in den Städten).

Was sind die Folgen solcher Grundwasserabsenkungen?

Es können erhebliche Mängel an der Bausubstanz in Kolbermoor entstehen. Schadensaufnahmen und Rechtsstreitigkeiten mit allen negativen Begleiterscheinungen sind aufgrund dieser Mängel für die Bauwerksbesitzer vorprogrammiert. Außerdem verlieren Bäume im Bereich dieser Grundwasserabsenkung ihre Wasserversorgung und sterben ab.

Die Rede ist öfter auch von einer sogenannten Vereisung des Baugrundes. Was ist darunter zu verstehen?

Eine Vereisung des Baugrundes zur Vermeidung einer Grundwasserabsenkung wäre auch eine Möglichkeit zum Herstellen der Baugrube. Für diese Maßnahme bedarf es jedoch zwingend der Offenlegung einer realistischen Kostenschätzung.

Der mögliche Tunnel fertiggestellt – wie sähe er aus?

Der fertiggestellte Tunnel hätte eine Tiefe von etwa acht Metern. Das Bauwerk müsste wasserdicht sein. Im Prinzip hätte man dann über die Länge des Tunnels eine unterirdische Staumauer erstellt, welche den Durchfluss des Grundwassers behindert und das Grundwasser zurück- und aufstaut. Die Folge ist ein steigender Grundwasserspiegel in Kolbermoor-Süd und der dortigen Umgebung.

Welchen Schluss lassen diese Erscheinungen Ihrer Meinung nach zu?

Auch eine Trassenführung mit einer Tunnellösung östlich von Kolbermoor ist aus oben genannten Gründen nicht sinnvoll und ebenfalls abzulehnen. Was aufgrund des in dieser Gegend sehr kritischen Untergrundes mit Bauwerken geschehen kann, konnten die Nutzer der neu errichteten Westumfahrung von Rosenheim vor einiger Zeit zur Kenntnis nehmen: Die Straße hat sich abgesenkt. Interview:ge

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