Kein Kundenkontakt – und trotzdem Lockdown

Hundesalon-Besitzerin aus Kolbermoor: Warum darf ich meinen Laden nicht öffnen?

Coco wird von Stella Cimarelli frisiert. Das Bild entstand Mitte Dezember.
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Coco wird von Stella Cimarelli frisiert. Das Bild entstand Mitte Dezember.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Stella Cimarelli darf ihren Hundesalon in Kolbermoor nicht öffnen. Obwohl sie bei der Behandlung der Vierbeiner keinen Kontakt zum Zweibeiner hat – „ich arbeite ohne Kundenkontakt“, erklärt sie. Dennoch sind im Laden die Lichter aus. Was ein Schreiben an das Gesundheitsministerium ergeben hat und was der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe dazu sagt, lesen Sie hier.

Kolbermoor – Stella Cimarelli (56) hat seit 2016 einen Hundesalon an der Oberen Mangfallstraße in Kolbermoor. Dort hübscht sie die Vierbeiner auf. Dabei geht es nicht nur um die Schönheit der Vierbeiner – sondern auch um das Tierwohl: So trimmt sie beispielsweise deren Unterwolle, da ansonsten keine Luft an die Hundehaut kommt und sich so die Haut entzünden kann. Im zweiten Lockdown musste Cimarelli ihren Kolbermoorer Laden schließen. Seit Mitte Dezember ist das Licht aus. Wann sie wieder öffnen darf, steht in den Sternen. Cimarelli hofft, dass es Mitte Februar soweit sein wird. „Aber wer weiß das schon?“, fragt sich die Kolbermoorerin.

Ihre Fixkosten laufen weiter

Seit Mitte Dezember hat sie zu: Sieben Wochen sind eine lange Zeit. Sieben Wochen, in denen die Kosten weiterlaufen – Miete, Strom. Und nicht nur die für den Salon, sondern auch die privaten Kosten laufen weiter, erklärt sie.

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Einen Antrag bei der Regierung auf finanzielle Hilfen hat sie nicht gestellt – „ohne Steuerberater ist das gar nicht möglich“, sagt sie. Und deshalb hofft sie weiterhin darauf, dass die Behörden ihr und den vielen anderen Hundesalon-Besitzern grünes Licht geben, die Läden aufzusperren. Derzeit lebt sie von Ersparnissen, die Familie hilft.

Arbeit alleine am Tier

Sie ärgert sich: „In anderen Bundesländern dürfen die Hundesalons öffnen – in Bayern aber eben nicht“. Und dass, obwohl man „keinen Kundenkontakt hat“, erklärt sie. Deshalb hat sie auch eine E-Mail ans bayerische Gesundheitsministerium verfasst. Darin heißt es: „Ich habe keinen Kundenkontakt (Menschen): Ich arbeite alleine mit und an dem Tier. Die Hunde werden vor der Salontür unter Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Meter übergeben und nach der Behandlung wieder abgeholt. Kunden betreten somit den Arbeitsbereich/Salon nicht“, heißt es in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt.

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Und weiter: „Alle Hygieneauflagen werden eingehalten: Reinigung und Desinfektion von Arbeitsmaterial sind ohnehin selbstverständlich.“ Eine Antwort seitens der Behörde kam knapp zwei Stunden, nachdem Cimarelli sie verschickt hatte. Darin heißt es: „Hundesalons und Tierpflegeleistungen an sich sind jedoch nach unserer Auffassung nicht unverzichtbar für den täglichen Bedarf.“

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Aber es gibt Ausnahmen: Sie darf Hunde behandeln, deren Besitzer ein Attest eines Veterinärs vorlegen können. Sozusagen steht das Attest dann für einen Nachweis eines „unaufschiebbaren Bedarfs“. Das heißt: Ohne eine Behandlung in einem Hundesalon würde das Tier beispielsweise entzündliche Hauterkrankungen bekommen.

Beitrag zum Tierwohl

„Aber so ein Attest wird nicht von allen Hundehaltern eingeholt, deren Hunde einen unaufschiebbaren Bedarf hätten. Sie scheuen beispielsweise zusätzliche Kosten für die Ausstellung eines solchen Attests. Das Ergebnis sind dann Hunde, deren Fell nicht mehr artgerecht behandelt werden kann. „Wir leisten einen Beitrag zur Vermeidung von Tierwohlgefährdung.“

Vor dem Lockdown: Skippy sitzt brav bei Stella Cimarelli.

Tierarzt muss Attest ausstellen

Stella Cimarelli: „Ich verstehe es nicht. An oberster Stelle heißt es, man soll Zuhause bleiben. Muss man aber zum Hundesalon, muss man zunächst zum Tierarzt, damit der ein Attest ausstellen kann.“

Das sagt der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe:

Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe mit Sitz in Wiesbaden hat 102 Mitglieder – eine davon ist die Kolbermoorerin Stella Cimarelli. Mit dem Verband ist sie in Kontakt. Er setzt sich dafür ein, dass die Salons öffnen dürfen. „Denn ein Kontakt zum Halter findet ja nicht statt“, so Verbandssprecherin Antje Schreiber auf Anfrage des Mangfall-Boten. „Darüber hinaus waschen Heimtierpfleger direkt nach der Übergabe den gesamten Körper des Hundes. Tenside sind dazu geeignet, das Virus unschädlich zu machen.“

Der Verband ist im Kontakt mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium. Aber bisher erfolglos, was eine generelle Öffnung der Hundesalons betrifft. Wie schaut es in den anderen Bundesländern aus? „Nachdem Ende Januar einige Länderverordnungen geändert wurden, dürfen Heimtierpfleger in allen Bundesländern bei Einhaltung von Hygienevorgaben arbeiten“, so die Sprecherin.

In Bayern wurde auch schon geklagt, erklärt die Sprecherin Schreiber: „Eine Salon-Besitzerin hat die Klage vor dem Verwaltungsgericht Augsburg gewonnen. Es bestehen gute Chancen, dass die Landesregierung klar stellt, dass bei Einhaltung der Hygieneregeln wie der kontaktlosen Übergabe des Hundes nichts gegen die Ausübung des Berufes spricht.“

In vielen Schreiben an die Landesministerien hatte der Verband über die Tätigkeiten des Heimtierpflegers als wichtigen Beitrag zum Wohlergehen von Hunden aufgeklärt. Zudem hatte der Vorstand einen Prozesskosten-Fonds zur Unterstützung von Mitgliedern in der Fachgruppe Heimtierpflege im Salon bereitgestellt, die gegen die Corona-Rechtsverordnung ihres Landes klagen wollten.

Tierheim-Vorsitzende: So wichtig ist die Fellpflege

„Es ist wirklich wichtig, dass Hunde ohne Unterwolle und stärkeren Fellwechsel regelmäßig geschoren werden. Sonst würde nämlich ihr Fell immer weiter wachsen und verfilzen. Das betrifft beispielsweise Pudel mit ihrem lockigen Fell“, sagt Andrea Thomas, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rosenheim. Thomas weiß, wovon sie spricht: Im Tierheim wurde ein Pudel abgegeben, der sich aufgrund des Fell-Gewichtes gar nicht mehr bewegen konnte. „Das fällt schon in den Bereich der Tierquälerei. Das Fell musste vorsichtig abgeschabt werden.“ Auch Hunde mit längerem seidigen Fell ohne Unterwolle benötigen eine regelmäßige Fellpflege wie beispielsweise Malteser. Auch hierfür hat Thomas ein Beispiel: Malteser Paulchens langes Fell war so so sehr über die Augen gewachsen, dass sie sich entzündet haben.

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