Den Hügel hinab flugs im Garten

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Eine neue Kindertagesstätte soll an der Dr. -Max-Hoffmann-Straße östlich der Pauline-Thoma-Mittelschule entstehen - mit Platz genug für vier bis fünf Kindergarten und Krippengruppen, geräumig und lichtdurchflutet.

Und erneut will die Stadt einen architektonischen Akzent setzen: mit einem klaren, modern gehaltenen L-förmigen Bau, dessen Obergeschoss über einen grünen Hügel an den Garten angebunden wird. Von dem Erstentwurf aus der Feder von Jugendtreff-Architekt Christian Würfel zeigten sich die Stadträte unisono begeistert.

Kolbermoor - Die Stadt steht in punkto Kindergarten- und Krippenplätze unter Zeitdruck: Möglichst zügig sollte der Neubau aus dem Boden gestampft werden - denn spätestens 2017 wird die aktuelle Zwischenlösung Kindergarten "Harrer-Haus", in dem 50 Kinder in zwei Gruppen untergebracht sind, für die Ganztagsklasse der Mangfallschule gebraucht. Dafür war das Harrer-Haus ursprünglich auch umgebaut worden, blieb mangels Ganztagsschüler aber erst einmal ungenutzt - und wurde kurzerhand den Sommer über von der Stadt in einen Kindergarten umfunktioniert (Träger AWO), um ab Herbst für ausreichend Kindergartenplätze zur Verfügung stellen zu können (wir berichteten).

Entsprechend gespannt blickt die Stadt nun auf den zentralen Anmeldetag für die Kindertagesstätten in Kolbermoor am 24. Februar - dann ist eine erneute Weichenstellung zu erwarten, was an Betreuungsbedarf in der Stadt vorherrscht.

Im Stadtrat präsentierte Architekt Würfel nun zusammen mit seinem Planer Vitus Trinkl seinen Entwurf für die neue Kindertagesstätte, geplant auf den noch freien Flächen nördlich der Dr.-Max-Hoffmann-Straße auf Höhe des Jugendtreffs - und eben diese architektonische "Sprache" will Würfel, der auch die Kinderkrippe Karl-Rager-Straße mit dem darüber quer versetzten Jugendtreff entworfen hat, beim nahen Kita-Neubau wieder aufgreifen, wie er in der Sitzung erläuterte.

Und der Stadtrat war einmal mehr beeindruckt, was das Bruckmühler Büro an Einfällen auf den Tisch legte: eine viergruppige Kindertagesstätte, deren Räume flexibel für Krippe oder Kindergarten genutzt werden können, plus Option auf eine fünfte Gruppe, in L-Form angeordnet mit Ausrichtung nach Süden und Westen - zum einen, um Sonne und Licht einzufangen, zum anderen, um die Kita zur nahen Wohnbebauung Dr.-Hans-Jakob-Straße abzublocken. Die Besonderheit: Die Räume im Obergeschoss haben Zugang zu einer großzügigen Südterrasse - und von dieser geht es einen begrünten Hügel hinab auf direktem Weg in den Garten. "Wir werden einfach den Aushub zum Hügel aufschieben", ergänzte ein von der Idee begeisterter Bürgermeister Peter Kloo.

Anfahrt über Dr.-

Max-Hofmann-Straße

Einer ausgefeilten Planung unterliegt auch die Erschließung der neuen Kita: Eine Zufahrt für den Hol- und Bringverkehr soll über die Dr.-Max-Hoffmann-Straße eingerichtet werden, den Zuweg entlang einige Stellplätze und in einem Wendeplatz endend. Weiter kann die Kindertagesstätte von Osten über die Dr.-Hans-Jakob-Straße erreicht werden - allerdings nur zu Fuß, ebenso fußläufig von der Unteren Mangfallstraße (Norden) und vom Jugendtreff (Westen) her. "Durch die fußläufige Anbindung wollen wir verhindern, dass die Anfahrt über die Dr.-Hans-Jakob-Straße erfolgt", erläuterte dazu Planer Trinkl.

Die Kita an sich ist großzügig ausgestattet: je zwei Gruppenräume im Erd- und Obergeschoss samt Intensiv- und Schlafräumen, nach Süden ausgerichtet und mit viel Glas versehen, zwischen den Räumen jeweils die sanitären Anlagen; nach Norden hin angeordnet: die Nebenräume wie Technik, Besucher-WC, Büros, Elternraum etc. Hinzu kommt im Erdgeschoss ein Mehrzweck- und Geräteraum, im Obergeschoss ein Essensraum mit Spielküche - "vom Essensraum ist ein Zugang zur Terrasse geplant, damit bei schönem Wetter auch mal draußen gegessen werden kann", führte Trinkl aus. Erd- und Obergeschoss sollen zudem mit einer Aufzugplattform verbunden werden - um die Barrierefreiheit zu gewährleisten.

Für den optionalen fünften Gruppenraum hat das Büro Würfel eine elegante Lösung gefunden: ein l-förmiger Anbau mit dem Gruppenraum im Erdgeschoss, der bereits im Rohbau errichtet werden und erst bei Bedarf ausgebaut werden kann - auf dessen Dach ist dann die großzügige Terrasse für das Obergeschoss vorgesehen, an die wiederum der Hügel zum Garten als "grüne Rampe" anschließen soll.

Die Kosten für die neue Kita bezifferte Architekt Würfel in einer ersten Schätzung auf etwa 3,3 Millionen Euro - verbunden mit der Hoffnung, im Zuge der Detailplanung und Umsetzung noch ein wenig einsparen zu können. "Das ist uns bei Krippe und Jugendtreff auch gelungen, wir konnten den Kostenansatz um etwa zehn Prozent unterschreiten", erklärte der Planer.

Lob von allen

Ratsfraktionen

Begeisterung erntete das Büro von den Stadträten. Grünen-Fraktionssprecher Georg Kustermann lobte die Planung als "pfiffige Idee, gefällt mir sehr gut" und auch Dieter Kannengießer, Parteifreie, zeigte sich von der Kreativität beeindruckt. Kannengießer mutmaßte zudem, dass die fünfte Gruppe sicherlich gleich benötigt wird - mit welchen Mehrkosten dann für den Ausbau zu rechnen sei? Etwa 300000 Euro, überschlug Würfel.

Als "durchaus gelungen" bezeichnete auch CSU-Fraktionssprecher Sebastian Daxeder die Planung. "Die vom Architekten angesprochene Idee, hier mit Schule, Jugendtreff und Kindergarten eine Art zusammengehöriges Ensemble zu schaffen, finden wir gut", unterstrich Daxeder, ergänzt von seinem Fraktionskollegen Markus Schiffmann, der darin gar ein "saucooles Konzept" sah und sich in punkto Gestaltung noch Farbakzente wünschte: "Ein paar grüne Flecken als Gegensatz zu unserer schwarzen Schule."

"Ein rundherum gelungener Entwurf", war auch SPD-Fraktionssprecherin Dagmar Levin angetan, "gefällt uns sehr gut." Dem konnte sich Sonja Weczerek (REP) nur anschließen.

Hinsichtlich der Energieversorgung informierte Bürgermeister Kloo den Stadtrat, dass aktuell Gespräche mit dem kommunalen Energielieferanten "Innergie" liefen, um für das gesamte Gebiet Herto-Park, Schule etc. eine "Wärmeinsel" zu installieren. "Das Potential wäre vorhanden", meint Kloo, angesiedelt werden könnte die Kraft-Wärme-Kopplungsanlage im Bereich der Turnhalle.

Einstimmig gab das Gremium letztlich an das Büro Würfel "grünes Licht", um die Pläne weiter auszureifen. Nächster Schritt ist nun das Erstellen der Entwurfsplanung. Gleichzeitig genehmigte der Stadtrat die Bereitstellung der benötigten Gelder im Haushaltsplan 2015 sowie im Investitionsplan.

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