LESERBRIEF AN DIE REDAKTION

Den Herrgott vergessen?

Zur Berichterstattung über die Eröffnung der Mangfallbrücke im Lokalen:

Am 19. Dezember berichtete das OVB über die Brückeneinweihung in Oberaudorf. Ein großformatiges Foto zeigte, wie der evangelische und katholische Pfarrer gemeinsam über die Brücke schreiten und diese segnen. Im Text heißt es dazu: „Pfarrer Günther Nun forderte die Anwesenden auf, genau wie Gott selber Brückenbauer zu sein und innerhalb der Gemeinde und auch im Weltgeschehen Brücken zu bauen.“

Wie anders doch das Bild am gleichen Tag in Kolbermoor: Dort wurde nach Grußworten ein „weiß-blaues Band feierlich durchtrennt“. Worin sich diese Feierlichkeit ausdrückte, bleibt ein Geheimnis. Fast elf Monate lang hatten die Bürger Kolbermoors unter dem Fehlen der zweiten Mangfallbrücke zu leiden, mussten Stunden und Kilometer im Stau verbringen und viele Nerven lassen.

Dass die Brücke nun endlich wieder freigegeben ist, ist im wahrsten Sinn des Wortes ein Segen! Um so beschämender, dass es offensichtlich weder im Landratsamt noch im Rathaus jemand für nötig befunden hat, bei der evangelischen Gemeinde oder der Stadtkirche Kolbermoor überhaupt nachzufragen, ob ein Geistlicher zur Einweihung kommen könnte.

Brücken verbinden nicht nur Ufer mit Ufer und Menschen mit Menschen, sondern es schwingt auch ein tiefer Symbolgehalt mit: Man kann zu jemandem eine Brücke bauen und Gegensätze überbrücken. Durch das Verhalten der Verantwortlichen wurde allerdings eher ausgegrenzt und missachtet. Wenigstens hätte es der Anstand gefordert, Vertreter der Kirchen einzuladen, wenn schon der „Segen Gottes“ nicht gewünscht oder für überflüssig gehalten wird. Dies allerdings scheint in Kolbermoor immer mehr offizielle Gepflogenheit zu werden: den Herrgott einfach vergessen und weglassen!

Hildegard Muschik Kolbermoor

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