Ab Februar

Heimatmuseum in Kolbermoor hat bald neuen Platz für historische Dokumente und neue Schätze

Etwas ganz Besonderes: Dieses rund 120 Jahre alte Tonwerk-Werbeplakat, das Museumsleiter Stefan Reischl zeigt, wurde kürzlich im Museum abgegeben. 
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Etwas ganz Besonderes: Dieses rund 120 Jahre alte Tonwerk-Werbeplakat, das Museumsleiter Stefan Reischl zeigt, wurde kürzlich im Museum abgegeben. 
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Ab Mitte Februar sollen hergerichtete Kellerräume des Heimatmuseums als Archiv dienen. Obendrein verrät Leiter Stefan reischl, welche Schätze die Kolbermoorer ihm jüngst gebracht haben.

Kolbermoor – Das Kolbermoorer Heimat- und Industriemuseum ist bis unters Dach gefüllt: Werkzeuge zum Torfabbau, Holzschuhe für Pferde, eine Spinnerei-Stube und und und. Wie viele Schätze es im Museum gibt, kann Museumsleiter Stefan Reischl gar nicht beziffern. Nur so viel: Es sind Tausende.

Um die alle unterzubringen, braucht es Platz. Und so wird derzeit der Keller auf Vordermann gebracht. Ein etwa zwölf Quadratmeter großes Zimmer ist bereits geweißelt worden, ebenso sind neue Fliesen verlegt. Hier soll ein Archiv entstehen – „dann haben wir viel mehr Platz“, sagt Reischl abschließend.

In dem Raum stand bis vor etwa einem Jahr ein großer alter Öltank. Der wird nicht mehr benötigt, denn das Museum wird nun über die Heizzentrale des Bahnhofs beheizt – die steht in der Fahrzeughalle neben dem Bahnhof. Der Raum war auch bisher ausschließlich vom Flur aus begehbar. Jetzt gibt es eine weitere Tür: Sie führt direkt in ein weiteres Zimmer.

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Weitere Räume auf Vordermann bringen

Dort stehen noch Schränke und Regale, und eine Tür weiter zeigt sich ein zweiter Raum. Diese beiden Räume sollen jetzt auch auf Vordermann gebracht werden – neue Wandfarbe, neuer Fußboden. Mitte Februar sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Danach können unzählige Dokumente, Postkarten, Akten, Urkunden und Co. eingeräumt werden.

Chronologisch versteht sich, damit man auch schnell etwas findet. Und das Beste: Jeder Raum bekommt einen Schreibtisch, „dann kann man die Unterlagen auch mal einige Tage liegen lassen“, sagt Reischl. Er sei froh über den neu gewonnenen Platz, sagt er. Wäre es denn ansonsten eng geworden? „In den nächsten 50 Jahren werden wir sicherlich keine Platzprobleme bekommen“, sagt er gegenüber unserer Zeitung.

Und das, obwohl viele Kolbermoorer Bürger alte Schätze ins Museum bringen. Einer der letzten war ein Werbeplakat des Tonwerkes. „Das muss um 1900 entstanden sein“, sagt Reischl und rollt es aus. Darauf zu sehen sind Ziegel, Putten und Blumenbehältnisse. „Das ist schon toll“, sagt er und rollt das Plakat wieder zusammen. Einen Platz hat Reischl für das Plakat bereits: Es kommt ins Museumszimmer, in dem es sich um das Tonwerk dreht.

Im Heimatmuseum gibt es auch Hilfe für Ahnenforscher

Aber es wird nicht nur etwas vorbeigebracht. „Einige rufen auch an, wenn sie Ahnenforschung betreiben“, sagt er. Sie seien dann auf der Suche nach einem Verwandten. Auch da kann Reischl behilflich sein. Was ist für ihn das besonderste Objekt? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, und erst als er durch die Ausstellungsräume geht, sagt Museumsleiter Stefan Reischl: „Die Anzahl der Torf-Werkzeuge.“

Die habe sein Vorgänger Horst Rivier zusammengetragen. Sie nehmen einen großen Bereich im Erdgeschoss des Museums ein. Vor den Werkzeugen steht ein Leiterwagen, gegenüber an der Wand sind Holzschuhe für Pferde zu sehen. Über ihnen hängt das Foto eines Pferdeholzschuhmachers.

Pferden wurden diese Schuhe verpasst, damit sie beim Ziehen der Wagen nicht zu tief ins Moor einsanken. Ein Museum zum Anfassen. Reischl: Vieles ist greifbar aufgrund der kurzen Geschichte der Stadt, sagt er. Eigentlich war für 2021 eine Sonderausstellung geplant – das hatte Reischl im Januar 2020 erklärt. Ob die jetzt stattfindet, steht noch nicht fest.

2022 feiert Gebäude 100. Geburtstag

„Denn im Hinblick auf Corona sind wir vorsichtig geworden.“ Kein Wunder, das Museum war 2020 mehr geschlossen, als geöffnet. Aber findet man in 20 Jahren auch etwas, das an Corona erinnert? „Eine Maske mit Kolbermoor darauf“, sagt er. „Und die vielen Kolbermoorer Zeitungsseiten.“ Die sammelt Reischl seit Jahren – und die Bände verstaut er in einem Schrank, der in einem der neuen Räume seinen Platz finden wird.

Und übrigens: 2022 feiert das Gebäude 100-jähriges Bestehen. 1922 wurde es als Postgebäude gebaut. Das Museum feiert dann 24-jähriges Bestehen. 1998 wurde es in dem einstigen Postamt eröffnet.

Bilanz: 2020 kamen rund 200 Besucher

„2020 war das Museum mehr geschlossen als geöffnet“, sagt Museumsleiter Stefan Reischl. Rund 200 Besucher kamen im Corona-Jahr sowie vier Schulklassen im Herbst. Das Jahr davor „war ein sehr gutes Jahr“, so Reischl. Rund 700 Besucher kamen sowie sieben Schulklassen. Wann das Museum wieder öffnen kann, steht noch nicht fest.

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