ER SORGT FÜR FRISCHWASSER

Heilfroh um Ali Shan

Wassermeister Dominik Oswald und Ali Shan zeigen auf die Brunnen in Pullach. 2019 will der Pakistani den Gesellenbrief in der Hand halten – „Brotzeit garantiert“, verspricht er seinen Arbeitskollegen lachend. Gruber

Er ist keine Notlösung, er ist ein Glücksgriff für die Stadt Kolbermoor: Pakistani Ali Shan sorgt zusammen mit seinen Kollegen für stets frisches Wasser in der Stadt. Hauptamtsleiterin Elisabeth Kalenberg: „Wir sind heilfroh um ihn!“

Kolbermoor – Zwei Jahre lang meldete sich niemand auf die freie Lehrstelle zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik – gerade in diesem hochsensiblen Bereich eine Vakanz? „Das empfand ich als höchst besorgniserregend“, so Elisabeth Kalenberg im Gespräch mit unserer Zeitung.

Aus dem städtischen Asylkreis heraus erwuchs die Idee, die Stelle mit einem Flüchtling zu besetzen. Es schlug die Stunde von Ali Shan, dem die Flucht vor den Taliban von seinem Heimatort Gujranwala in Pakistan zu Fuß, mit dem Zug und über das Meer nach Kolbermoor gelang.

Auch die Mitarbeiter des Wasserwerks, allen voran Klaus Vockensperger, stellten sich der Herausforderung, den jungen Mann auf die Lehre vorzubereiten. Ein Jahr lang lief sozusagen der Test, ob der inzwischen 29-Jährige den hohen Anforderungen gewachsen sei. Wie hält er es mit der Pünktlichkeit? Wie groß ist sein Wille, nicht nur die schwierigen technischen Abläufe, sondern dazu auch die deutschen Fachbegriffe zu erlernen? Kann man sich auf ihn verlassen, handelt es sich doch mit um das wertvollste Gut einer Stadt: das Trinkwasser? Auf alle Fragen gibt es laut Auskunft seiner Kollegen nur eine Antwort: „Ali ist top!“

Büffeln in der Fachschule

Bescheiden nimmt Ali Shan dieses Lob entgegen. Ja, er bemühe sich sehr, die deutsche Sprache, die Fachbegriffe zu lernen. Intensiv vertieft er mittels Sprachkurse seine Kenntnisse. Und auch die Arbeitskollegen stehen dem jungen Pakistani bei, wo sie nur können. Eine Deutsch- oder Mathestunde nach Dienstschluss? „Kein Problem“, sagt Wassermeister Dominik Oswald, der zusammen mit Klaus Vockensperger die Ausbildung von Ali Shan fördernd begleitet. Er weiß, wie schwierig es schon für Deutsche ist, sich in dem komplexen Regelwerk zurechtzufinden. Inzwischen hat „Ali“, wie ihn alle hier nennen, schon die Zwischenprüfung bestanden, im Herbst nächsten Jahres steht die Abschlussprüfung an.

Während der Praxisteil in Kolbermoor absolviert wird, geht es zur Theorie in die Fachschule nach Lauingen. Dort wie auch hier heißt es: büffeln, büffeln, büffeln. Schließlich warten alle schon auf das große gemeinsame Fest. „Eine Brotzeit musst du uns dann schon spendieren, wenn du bestanden hast“, meint Oswald lächelnd. „Freilich“, sagt Ali Shan. Und dann berichtet er durchaus stolz von seinem Tagesablauf, etwa von der wöchentlichen Abnahme der Wasserproben, die höchste Sorgfalt erfordere. Oder von den umfangreichen Montagearbeiten im Leitungsbereich: So erstreckt sich das Wassernetz auf 98 Kilometer Hauptleitungen und auf 65 Kilometer Hausanschlussleitungen, die umfassend gewartet werden müssen. Nicht zu vergessen die Brunnen in Pullach – sie zählen zu Alis Lieblingsorten, wie er gesteht. Wer ihn so erfüllt von seiner Arbeit erzählen hört, der versteht, dass nicht nur die Verantwortlichen der Stadt Kolbermoor heilfroh um Ali sind, auch er selbst weiß, was er hier erreicht hat. Nicht nur eine Ausbildung und bei erfolgreichem Abschluss die Aussicht, bleiben zu können. Nein, Ali Shan hat Größeres gewonnen: Freunde.

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