Hans Schultz ist der 1000-Stunden-Mann

Jeden dritten Freitag im Monat verwandelt Hans Schultzdas Lieferauto der Kolbermoorer Tafel in das Müllmobil des Bürgerhauses. Thomae

Kolbermoor – „Das ist er, mein Tausend-Stunden-Mann.“ So stellt DagmarBadura, Leiterin des Kolbermoorer Bürgerhauses, Hans Schultz vor.

Der 60-Jährige ist im Vorruhestand, aber in keinem gewöhnlichen. Er hat ein Angebot seines ehemaligen Arbeitgebers, der Post, aufgegriffen, die im vergangenen Jahr für einige ihrer „pensionsnahen“ Verwaltungsbeamten folgende Möglichkeit anbot: Wer über drei Jahre hinweg 1000 Stunden ehrenamtlichen Dienst in einer gemeinnützigen Organisation verrichtet, kann ohne Abschläge vorzeitig in Rente gehen.

Fit in Rente undgut beschäftigt

Eine Win-Win-Situation sowohl für Schultz wie für Badura, wie sich herausstellte. Schultz: „Man weiß ja nie, wie es mit einem selbst körperlich weitergeht. In Rente gehen zu können, solange man noch fit ist, ist deshalb eine tolle Sache. Andererseits möchte man ja nicht dumm rumsitzen. Da ist ein Ehrenamt eine ideale Sache – man ist nicht bloß irgendwie beschäftigt, man weiß, dass man etwas wirklich Sinnvolles tut.“ Und Dagmar Badura lacht dazu und meint schlicht: „1000 Stunden schaffen 1000 Ideen.“ Eine von diesen war das Müllmobil (wir berichteten). Dagmar Badura war von einer Bewohnerin des Bürgerhauses angesprochen worden, ob sie, wenn sie das nächste Mal zum Wertstoffhof fahre, nicht freundlicherweise auch ihr Papier und ihr Plastik mitnehmen könne. Sie selbst habe ja mit dem Autofahren aufgehört, komme deshalb nur schwer hin, und auch nur mit viel Mühe die kleinen Treppen zu den Containern hinauf.

„Da erst ist mir aufgegangen“, sagt Badura, „dass die Fahrten zum Wertstoffhof wohl für viele Ältere ein wirkliches Problem sind.“ Und weil sie ihre Aufgabe darin sieht, solche Probleme zu lösen, kam sie auf die Idee mit dem Müllmobil.Jeweils am dritten Freitag des Monats, das nächste Mal also am 15. Mai, tourt Hans Schultz durch die Stadt und sammelt bei denjenigen, die sich vorher per Telefon im Bürgerhaus gemeldet haben, Papier, Gläser, Dosen und Plastikmüll ein. Drei „Kunden“ hatte man bei Beginn im März, mittlerweile sind es bereits zehn.

„Ohne Hans Schultz wäre die Verwirklichung der Idee nicht möglich gewesen“, sagt Dagmar Badura. Zwar hat sie für die vielfältigen Angebote des Bürgerhauses einen festen Stamm von rund 60 ehrenamtlichen Helfern, aber viele davon sind selbst schon älter und scheuen deshalb davor zurück, das Müllmobil, sprich den Kleinbus der Tafel, zu fahren: „Die sagen: Ich helfe Dir, wo ich kann, aber mit dem großen Vehikel rückwärts aus Einfahrten heraus zurangieren – das ist nichts für mich.“

Und noch eins kommt hinzu. Zwar könne sie sich auch auf ihre anderen ehrenamtlichen Helfer felsenfest verlassen, aber mit jemandem, der über drei Jahre hinweg für 1000 Stunden quasi „fest angestellt“ ist, ließen sich fixe Termine einfach noch ein bisschen leichter planen. Hans Schultz jedenfalls fährt seine Tour gern, auch wenn er dafür gut vier, fünf Stunden unterwegs ist. Nicht nur für das Einsammeln des Mülls, sondern auch für die Abgabe, denn derzeit kann es wegen der Corona-Beschränkungen passieren, dass man am Wertstoffhof eine dreiviertel Stunde steht und auf den Einlass wartet. Aber er weiß, dass er damit für die älteren Leute eine große Hilfe ist. Wie Badura ist er überzeugt, dass das Müllmobil indirekt die Mobilität der Senioren verbessert. Ohne Müllmobil müssten sie bei ihren Kindern oder Nachbarn um Hilfe bitten.

Wer das aber schon letzte Woche wegen des Mülls getan hat, fragt nicht gern in der nächsten Woche schon wieder, auch wenn es dann um eine wichtige Fahrt zum Arzt oder – wenn die Beschränkungen einmal vorbei sind – um eine Fahrt zu einer der Veranstaltungen des Bürgerhauses ginge.

Dankbarkeit macht zum Teil betroffen

Wie wichtig solche Hilfen sind, sagt Hans Schultz, sehe er immer wieder bei der Mittagsbetreuung in der Schule in Großkarolinenfeld, aber auch bei der Kolbermoorer Tafel, zwei weitere „Betätigungsfelder“ die er im Rahmen seines 1000-Stunden-Engagements hat. Gerade bei der Tafel spüre man Dankbarkeit in einer Art und Weise, die einen betroffen mache: „Weil man merkt, wie wichtig die Hilfe eigentlich ist, da die Leute ohne sie bisweilen nicht wüssten, wie sie weiterkommen sollten.“ Für ihn ist klar, dass er – so es die eigene Fitness zulässt – auch nach den drei Jahren und 1000 Stunden sein Ehrenamt bei der Diakonie fortsetzen wird: „Wer einmal gespürt hat, wie sehr die Hilfe gebraucht wird, kann nicht einfach aufhören.“

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