NORDZULAUF ZUM BRENNER-BASIS-TUNNEL

„Grundlagen werden jetzt gelegt“

Die Planungen zum Nordzulauf des Brenner-Basis-Tunnels: Die Deutsche Bahn hat verschiedene Korridore festgelegt, die nun untersucht werden, um auf dieser Basis die bestmögliche Trasse auszuwählen. Kolbermoor wäre von den blauen Flächen (links) betroffen, unten die Ausfahrten aus dem Inntal, in der Mitte Rosenheim.
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Die Planungen zum Nordzulauf des Brenner-Basis-Tunnels: Die Deutsche Bahn hat verschiedene Korridore festgelegt, die nun untersucht werden, um auf dieser Basis die bestmögliche Trasse auszuwählen. Kolbermoor wäre von den blauen Flächen (links) betroffen, unten die Ausfahrten aus dem Inntal, in der Mitte Rosenheim.

Er scheint in weiter Ferne zu liegen: der Brenner-Basis-Tunnel und seine Zulaufstrecken. Doch erste Untersuchungen der Deutschen Bahn hinsichtlich möglicher Zulauftrassen ließ so manchen jetzt aufschrecken, erster Protest wurde laut. Bürgermeister Peter Kloo gab in der Bürgerversammlung Einblick in die aktuellen Planungen und ging dabei auch auf mögliche Auswirkungen für Kolbermoor ein.

Kolbermoor – In Österreich und Südtirol wird bereits auf Hochtouren am Brenner-Basis-Tunnel gebaut, der künftig noch mehr Züge noch schneller über die Alpen bringen soll. Im Inntal auf Tiroler Seite ist man dafür bereits gerüstet, bis Kundl ist das Eisenbahnnetz vierspurig ausgebaut. „Jetzt wird der Nordzulauf Thema und auch für Kolbermoor ist es Wert, es sich genauer anzuschauen“, zeigt sich Bürgermeister Peter Kloo überzeugt.

Denn: Es handle sich um ein gesamteuropäisches Projekt, eingebunden in einen Korridor Stockholm-Palermo, wie der Rathaus-Chef auf der Bürgerversammlung im Mareissaal verdeutlichte.

Die Zulaufstrecken zum Brenner-Basis-Tunnel habe die Deutsche Bahn nun in „Planungsräume“ aufgeteilt – „wobei sich auch Kolbermoor im erweiterten Planungsraum befindet“, so Kloo. Darin inbegriffen seien die Bahnstrecken Rosenheim-München, Rosenheim-Salzburg und Rosenheim-Mühldorf.

Kloo gab zudem Einblick in die weiteren Planungsschritte: Nach einer Grundlagenuntersuchung (2016) erfolgt nun die Korridorentwicklung (Ende 2016 bis Mitte 2017) und schließlich die Trassenauswahl (2017 bis 2019). „Aktuell hat die Deutsche Bahn eine ganze Reihe Korridore aufgezeigt, die alle gleich gut oder gleich schwierig sind“, führte Kloo aus. Darunter befänden sich Tunnellösungen unter dem Samerberg hindurch oder bei Stephanskirchen/Baierbach, aber auch Strecken zwischen Kolbermoor und Bad Aibling in Richtung Großkarolinenfeld und im Bereich Bad Feilnbach.

Innerhalb dieser Korridore soll nun die am besten geeignetste Trasse ausgewählt werden – bis 2019 soll diese nach Möglichkeit gefunden sein. Von da an erfolgt die vertiefte Planung dieser Trasse. Die rechtlichen Verfahren visiert die Deutsche Bahn für die 2020er-Jahre an („202x“) die Bauausführung in den Jahren ab 2030 („203x“).

„Die Realisierung scheint zwar weit entfernt, aber die Grundlagen werden in den nächsten Jahren geschaffen“, mahnte Kloo zu Wachsamkeit. „Wir stehen jetzt ganz am Anfang der Planungen, deshalb müssen wir uns auch jetzt positionieren.“ Gleichzeitig warnte er, bei der Trassendiskussion gerade landkreisweit nicht nach dem „Floriansprinzip“ vorzugehen („nur bei mir nicht“), sondern gemeinsam die beste Lösung zu finden. „Diese Herausforderung werden wir stemmen müssen“, meint Kloo.

Zum grundsätzlichen Thema Nordzulauf ergänzte der Bürgermeister: „Ich weiß nicht, wie sinnhaft es wäre, keine neuen Bahntrassen zuzulassen, auch vor dem Hintergrund, den Personenverkehr stärker auf die Schiene zu bringen.“ Zudem nähmen Güter- und Personenverkehr stetig zu. „Ich glaube, dass es gefährlich wäre, nur die Bestandsstrecke zu optimieren“, warnte Kloo – auch in Hinblick auf die Mangfallbahn, die schon jetzt bei Betriebsstörungen auf der Hauptstrecke als Ausweichroute genutzt wird. „Dann ist die Strecke nämlich für unsere Schüler und Pendler wieder blockiert und wir müssen auf Busse umsteigen“, gab der Bürgermeister zu bedenken.

„Es muss die beste Lösung gefunden werden.“ Bürgermeister Peter Kloo

Die „totale Blockade“ gegen eine neue Zulauftrasse könne deshalb nicht das Ziel sein – „vielmehr muss die beste Lösung gefunden werden“, unterstrich Kloo.

Die Kolbermoorer Bürgerin Else Huber, Vorsitzende der Grünen Liste Kolbermoor, hatte im Vorfeld um diesbezügliche Informationen in der Bürgerversammlung gebeten und forderte Bürgermeister Kloo im Anschluss daran auf, darauf zu achten, „dass Kolbermoor nicht zwischen zwei Fernverbindungen eingekesselt wird“ – im Osten die Westtangente und im Westen möglicherweise die Zulaufstrecke Brenner-Basis-Tunnel. „Ich bitte Sie, Herr Bürgermeister, darauf zu drängen, dass Kolbermoor nicht in diesen sauren Apfel beißen muss.“

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