Aus Grau soll Grün werden - Streitfall Mauer in Kolbermoor

Die knapp acht Meter hohe Mauer am Glasberg wird begrünt. Die Lücke zwischen der kleinen geplanten vorderen Mauer und der großen dahinter soll mit Erde befüllt werden und daraus dann „immergrüne Pflanzen“ wachsen. Georg Kirner/Re

Man sieht sie schon von Weitem: Bereits vom Kolbermoorer Bahnhof aus kann man die knapp acht Meter hohe Mauer am Glasberg sehen. Als „Klagemauer“ wurde sie im Bauausschuss bezeichnet.

Kolbermoor – Jetzt will Walter Mues, auf dessen Grundstück sich die Mauer befindet, das Bauwerk begrünen. „Ich will ja, dass es schön aussieht“, erklärt er den OVB-Heimatzeitungen. Denn auch Mues wurde schon auf die Mauer angesprochen. Man habe ihn gefragt „Was hast du da denn gebaut?“

Vor die jetzige Mauer soll allerdings eine weitere gebaut werden. Sie wird auch am östlichen Grundstück weitergeführt werden. Laut Mues soll sie eine Höhe von etwa 2,5 Metern haben. Somit stehen quasi zwei Mauern hintereinander. Die kleine vordere im rechten Winklel nach oben, die hintere fällt laut Mues in einem 80 Grad-Winkel nach hinten ab.

Humustasche zwischen Mauern

Zwischen der neuen und der alten Mauer ist dann quasi ein Hohlraum. Der soll mit Erde gefüllt werden. Dabei handelt es sich um eine „Humustasche“, erklärt Mues, „aus der dann Pflanzen wachsen.“ Los gehen soll es Ende des Jahres.

„Um des lieben Friedens willen“, erklärt Mues. Denn die sogenannte Gabionenwand war auch im Januar nach der Bauausssitzung Thema (wir berichteten). Damals hieß es, dass der Eigentümer nachbessern könne. Das betrifft unter anderem die Begrünung, genau wie eine Art Terrassierung. Das heißt: Nach drei Metern Höhe hätte die Mauer etwas nach hinten versetzt gebaut werden sollen.

Widersprüchliche Angaben

Die Planungen zur Begrünung laufen schon jetzt. Mues sagt aber auch, dass die Stadt „gar keine Begrünung gefordert“ hat. Er beruft sich auf einen Tekturantrag zur Änderung der Außenanlagen von April 2018. „Von der Festsetzung Grünordnung kann jedoch befreit werden, da die Grundzüge der Planung nicht berührt werden, die Abweichung städtebaulich vertretbar ist und die Abweichung auch unter Würdigung der nachbarlichen Interessen mit den öffentlichen Belangen vereinbar ist“, heißt es dort.

Hangabsicherung ein wichtiger Faktor

Das bezieht sich laut Stadt aber auf die Mauer als bauliche Anlage. Es sei immer die Rede von Hangabsicherung durch bewährte Erde gewesen. Und bewährte Erde heiße Bepflanzung. Das sei der derzeitige Planungsinhalt. Derzeit werde ein Antrag zwischen Bauherr/Planer sowie dem Landratsamt Rosenheim abgestimmt. Die Stadt hat dazu noch nichts vorliegen.

Ina Krug, Sprecherin desLandratsamtes Rosenheim, sagt auf Anfrage: „Der Bauherr hat einen Plan mit Nachbesserungen erarbeitet. Bei der Entstehung dieses Planes wurden die zuständigen Mitarbeiter in der Baubehörde um Anmerkungen gebeten. Der Plan entspricht aber weiterhin nicht gänzlich dem dort geltenden Bebauungsplan.“

Und weiter: Dieser Tekturantrag soll demnächst bei der Stadt Kolbermoor eingereicht werden. Der Bauausschuss muss dann darüber entscheiden, ob er das Einvernehmen zu den Befreiungen von Festsetzungen des Bebauungsplanes erteilt. Danach geht der Vorgang ins Landratsamt und wird neu auf seine Genehmigungsfähigkeit geprüft. „Die Entscheidung des Bauausschusses ist dabei für uns von großer Bedeutung“, sagt Ina Krug gegenüber unserer Zeitung.

Immergrüne Pflanzen an einem Gitter

Die immergrünen Pflanzen, die Mues plant, sollen sich an einem Gitter an der schrägen Mauer oberhalb der neuen Mauer nach oben ranken. So wird aus Grau Grün. Er erklärt, dass diese Form beispielsweise in Südtirol oft angewendet wird. Denn dort gebe es Hänge, die abrutschen können. Um den Hang zu sichern, hat auch Mues diese hohe Mauer bauen lassen. Sie fungiert als Schutzschild, erklärt er. Kostenpunkt: rund 300 000 Euro.

Kommentare