Goldene Hochzeit in Kolbermoor: Und das Paar ist bis heute über beide Ohren verliebt

Glückliche Familie:Das Jubelpaar Marija und Tomislav Aleksovski (Mitte) mit Schwiegertochter Klaudia, Enkel Marko und Sohn Simon. Thomae

Zunächst trennten Marija und Tomislav Aleksovsk 1000 Kilometer, über drei Jahre schrieben sie sich Briefe, um dann endlich zu heiraten. Ihr Erfolgsrezept für eine glückliche Ehe verraten sie hier.

Von Johannes Thomae

Kolbermoor –Ungemütlich war das Wetter im Februar 1970, als Marija und Tomislav Aleksovski in Kolbermoor heirateten. Marija Aleksovki erinnert sich, dass sie in ihrem Brautkleid und den Sandaletten fror.

1000 Kilometer trennten sie

Anfangs hatten Tomislav und Marija Aleksovski eine Fernbeziehung. Das hieß für sie: 1000 Kilometer Distanz und eine Trennung von drei Jahren, in denen der einzige Kontakt aus Briefen bestand, die oft eine Woche lang unertwegs waren. Denn Marija lebte in Palovice im heutigen Slowenien an der Grenze zu Österreich. Tomislav hingegen, der aus Mazedonien stammte und den Marija als jungen Grenzsoldaten kennengelernt hatte, war 1965 nach seinem Militärdienst als „Gastarbeiter“ nach Remscheid gegangen.

Drei Jahre haben sie sich nicht gesehen

Ein Besuch wäre nur mit der Bahn möglich gewesen, eine Odyssee, vor allem aber: es hätte zu viel Geld gekostet. Denn Tomislav unterstützte von seinem Verdienst nicht nur seine Eltern, er sparte vor allem auf ein Auto. Seine Marija verlor er dabei nie aus dem Sinn. Wer wollte, konnte in der damaligen Zeit des Wirtschaftsboomes Überstunden ohne Ende machen, und das tat Tomislav auch. „Ich war doch über beide Ohren verliebt“, sagt er. Und dabei leuchten seine Augen so, dass man spürt, dass er es noch heute ist.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Marija war, als ihr Tomislav nach Remscheid ging, gerade 16 Jahre alt, und nicht weniger zielstrebig als ihr Tomislav. Schule fertig machen, Ausbildung zur Köchin abschließen, das vorgeschriebene Mindestjahr im Land arbeiten, um dann zu Tomislav nach Deutschland zu gehen, so der feste Plan, der Punkt für Punkt abgearbeitet wurde. Eine Zielstrebigkeit, die sie auch später auszeichnete, als sie sich von der Küchenkraft über die Kopierhilfe zur technischen Zeichnerin bei Max Kettner emporarbeitete.

Lesen Sie auch: Kolbermoor freut sich über geringere Kosten für zwei bei zwei Baumaßnahmen

Trotzdem wären die drei Wartejahre für sie nicht leicht gewesen. Für sie scheint die Erinnerung an den Moment, als Tomislav sie nach drei Jahren zum ersten Mal wieder besuchte, noch deutlicher zu sein, als an den Tag der Hochzeit. „Ich weiß es noch genau“, sagte Marija, „es war ein schöner Sommertag im August, ich arbeitete in der Kantine einer großen Autowerkstatt, da ist er dann unten im Hof vorgefahren mit seinem Auto mit den roten Sitzen und war mit einem Mal wieder da.“ Doch nur für zwei Tage, denn er musste weiter zu seinen Eltern nach Mazedonien. Aber es war klar, dass Marija bald nach Kolbermoor, kommen könne, wo Tomislav mittlerweile bei einer Strumpffabrik arbeitete.

Lesen Sie auch: Beim Rosenmontagsball hat‘s gefunkt

Wenn sie heute, mit 70 und 81 Jahren, auf die letzten 50 Jahre zurückblicken, sind sie der Meinung, es gut getroffen zu haben. Zwar war ihr Leben immer von Arbeit und Sparen bestimmt. „Aber“, so meinen sie, „anders als heute blieb für den, der viel arbeitete, auch gutes Geld übrig.“ Und anders als manch andere, die ihr Leben lang in erster Linie arbeiteten, haben sie nicht den Punkt versäumt, an dem man anfangen sollte, das Erarbeitete zu genießen. Heute pendeln sie zwischen Slowenien, Mazedonien und Kolbermoor, wo Sohn, Schwiegertochter und Enkel wohnen, hin und her, er immer noch am Steuer des Autos. Alles in allem zudem ein Beispiel für eine gelungene Integration, meinte Bürgermeister Peter Kloo, als er den beiden zur Goldhochzeit gratulierte.

Kommentare