„Gnadenlos ungerecht“

Kolbermoor – Bärbl Mertin versteht wie viele Kollegen aus Gartencentern und Gärtnereien die Welt nicht mehr.

Wie berichtet, hatte ihr Gartencenter in Pullach bis vor Kurzem auf dem Freigelände an der Staatsstraße neben Kräutern und Gemüsepflanzen kontaktfrei auch Blumen und Erde verkauft. Doch das ist jetzt auch vorbei: „Jeden Tag kommt die Polizei vorbei und kontrolliert. Dabei wurde uns gesagt, dass Blumen und Erde nicht verkauft werden dürfen, sondern nur Lebensmittel. Ansonsten drohe ein Bußgeld“, so Mertin.

„Letzte Woche wusste ja immer noch keiner, was man darf und was nicht. Da konnten wir wenigstens noch ein paar Blumen verkaufen. Jetzt müssen wir sie wegwerfen.“ Auf ihre Fragen, die sie schriftlich an die bayerische Staatsregierung (wir berichteten) und zuletzt auch an die Bundesregierung gerichtet hatte, bekommt sie keine Antworten.

Für sie unerklärlich: „Die Supermärkte und Discounter dürfen aber Blumen verkaufen – weil mehr als 50 Prozent ihres SortimentsLebensmittel oder andere Dinge des täglichen Bedarfs sind. Die Ketten werden überleben, aber wir werden alleingelassen. Dabei ist bei uns alles viel weitläufiger, es kann viel mehr Abstand eingehalten werden. Das ist gnadenlos ungerecht. Entweder dürfen alle Blumen verkaufen oder keiner. In anderen Bundesländern geht es doch auch.“

Über die Feiertage war keine Antwort vom Bayerischen Wirtschaftsministerium zu erhalten, an das unsere Zeitung eine Anfrage gestellt hatte. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hatte allerdings zuletzt in diversen Interviews bereits erklärt, wer mehrheitlich Lebensmittel verkaufe, dürfe nebenbei auch andere Produkte anbieten. Würde man den Verkauf von Saisonartikeln bei Gärtnereien erlauben, müsste man das auch bei Mode-, Schuh- und anderen Geschäften tun. Dies alles sei ein Spannungsfeld, räumte er ein. Priorität habe aber ganz klar die Verringerung des Infektionsrisikos. Als Bau- und Gartenmärkte noch geöffnet sein durften, sei es dort jedoch geradezu zu Volksfeststimmung gekommen. Hohe Ansteckungsgefahr, so der Minister.

Indes wurde bekannt, dass etwa eine Floristin in Unterhaching wegen eines Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz angezeigt wurde. Sie hatte offenbar aus ihrem Laden heraus einen Straßenverkauf von Blumenwaren betrieben. Der Bußgeldkatalog des bayerischen Innenministeriums sieht für die Öffnung von Ladengeschäften des Einzelhandels, ausgenommen solchen mit Waren für den täglichen Bedarf, ein Bußgeld von 5000 Euro vor. el

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