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Stahlkoloss eingepasst

Fußgängerbrücke in Kolbermoor: „Das war Millimeterarbeit“

Millimeterarbeit: Die rund 25 Tonnen schwere Brücke schwebt langsam ihrem Ziel entgegen. Foto: Thomae
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Millimeterarbeit: Die rund 25 Tonnen schwere Brücke schwebt langsam ihrem Ziel entgegen.
  • VonJohannes Thomae
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Es war eine Millimeterarbeit: Die Fußgängerbrücke wurde über die Tonwerkunterführung gelegt und sitzt jetzt an Ort und Stelle. So lief die Großaktion in der Mangfallstadt ab.

Kolbermoor – „Es gibt beim Brückenbau einen Spruch“, sagt Max Beer, „der Konstrukteur denkt in Millimetern, der Fertiger in Zentimetern und der Bauleiter ist am Ende froh, wenn er mit dem Bauwerk innerhalb der Grundstücksgrenzen bleibt.“ Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum Max Beer am Dienstag mehr als zufrieden sein konnte. Er ist beim Rosenheimer Ingenieurbüro Roplan beschäftigt und war maßgeblich an der Konstruktion der neuen Fußgängerbrücke über die Tonwerksunterführung mitbeteiligt. Deshalb ist es auch für ihn ein Erfolgserlebnis, dass die Brücke wie angegossen an ihren Platz passte.

Binnen einer Stunde sitzt das Bauwerk drin

Bei ihrem „Einhängen“ verging nur eine Stunde vom Anheben bis zum Absenken auf ihre Auflager. Und das war Millimeterarbeit: Denn mehr Platz war nicht zwischen der Brücke und den seitlichen Rändern ihrer Betonunterkonstruktion. Zentimeter für Zentimeter senkte der Kran sie ab. denn die Brücke durfte ja nicht nur nirgendwo entlang schrammen, am Ende mussten auch sechzehn „Stahlstifte“ exakt die dafür vorgesehenen Bohrungen im Beton treffen.

Erleichtert sind Montageleiter Franz Hafner (links) und der Juniorchef der Firma Prebeck Stahbau, Florian Prebeck nach dem problemlosen Einhängen. Für Max Beer (Mitte) war diese Brücke die letzte – er geht in Rente.

25 Tonnen schwerer Koloss

Die Vorbereitungen für diese Millimeterarbeit dauerten deshalb auch länger als das eigentliche Einheben selbst. Zunächst musste der 60 Tonnen schwere Kran auf der abschüssigen Unterführungsrampe in eine waagrechte Lage gebracht werden, dann wurden an seiner Rückseite Gegenwichte von 72 Tonnen angebracht. Die Brücke selbst wiegt zwar „nur“ 25 Tonnen, aber für die Menge der Gegengewichte spielt nicht nur das reine Brückengewicht eine Rolle, sondern auch die Hebelwirkung, die hinzukommt.

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Der nächste Schritt war dann das Abheben der Bücke vom Tieflader, wobei sie am Kran hängend um 180 Grad gedreht wurde, um in die richtige Position zu kommen und dann noch einmal abgesenkt wurde: Das war nötig, um die Stahlträger der Transporthalterungen abzumontieren und durch die Lagerelemente zu ersetzen, mit denen die Brücke jetzt auf ihren Betonfundamenten aufliegt.

Um 180 Grad gedreht

Dann aber folgte der eigentliche und entscheidende Akt, das Verschwenken der Brücke zu ihren Fundamenten. Dieser Moment ist ein Erlebnis, denn so freischwebend war die Brücke allein und völlig losgelöst von allem zu sehen und konnte dabei so richtig ihre filigrane Schönheit zeigen.

Brücke elegant

Max Beer ist stolz darauf, dass die Brückenkonstruktion, deren Entwurf von seinem Georg Schollerer, stammt, „alles andere als ein 08/15 Bauwerk ist“. Bei der Brücke gibt es nur geschwungene und gekurvte Linien, keine einzige Fläche ist schlicht Plan. Das ist nicht nur für die Statik gut, wie Max Beer sagt, es macht die Brücke auch elegant und lässt sie leicht wirken. Die Konstruktion war deshalb aber auch eine Herausforderung für die Firma, die sie baute, Prebeck Stahlbau aus Bogen.

Kein alltäglicher Auftrag

Es seien aber ja gerade die nicht alltäglichen Aufträge, die die Arbeit interessant machten, meint dazu der Juniorchef, Florian Prebeck. Und schon auf dem Firmengelände habe die Brücke Aufsehen und Bewunderung erregt.

„Man muss immer eine gesunde Art von Respekt vor der Aufgabe haben“, meint Kranführer Sebastian Wimmer. Sobald er aber in seinem Führerhaus sitzt, ist er „durchaus tiefenentspannt“.

Nicht gering schätzen darf man bei der erfolgreichen Aktion die Leistung der Spedition, die den Sondertransport übernahm und natürlich vor allem die Crew von BKL, dem Kranunternehmen. Sebastian Wimmer, dem die Millimeterarbeit des Einfädelns oblag, zeigte sich trotz der Verantwortung durchaus entspannt: Nach mehr als 20 Jahren Erfahrung schreckt ihn offenbar so leicht nichts mehr. Und das Einzige, was bei so einer Unternehmung auch ihn ins Schwitzen bringen könnte, Wind nämlich, kam nicht auf.

Aktion ist ein voller Erfolg

Die Aktion also ein voller Erfolg, die zudem nicht einmal eine Sperrung der Haßlerstraße nötig machte. Nur einer wird neben Freude und Erleichterung wohl auch ein klein bisschen Wehmut empfunden haben und das ist Max Beer: „Diese Brücke“, so sagt der 71-Jährige, der im nächsten Jahr in Ruhestand geht,“ ist die letzte, die ich von der Entwurfsidee bis zum fertigen Bauwerk mitbegleitet habe.“

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Eröffnung in Sichtweite –i m Vorfeld noch Umleitungen

Die Baumaßnahmen rund um den Neubau der Tonwerkunterführung gehen nun mit großen Schritten ihrem Ende entgegen, teilt Christian Poitsch vom Stadtmarketing mit. Die Termine für die abschließende Asphaltierung der Deckschicht sind nun definitiv für die 28. Kalenderwoche fixiert. Ab dem 12. Juli laufen die Vorbereitungsmaßnahmen und Ende der Woche wird, sofern das Wetter passt, asphaltiert. Sollte es regnen, werden die Arbeiten jeweils um einen Tag – außer auf Sonntag – verschoben. Danach geht es noch an die Aufräum-, Säuberungs- und Restarbeiten. Der Bereich der nördlichen Ausfahrt aus der Unterführung wird ebenfalls in dieser Woche asphaltiert. Straßensperrung und Umleitung: Während dieser Arbeiten sind von Montag, 12. Juli, bis einschließlich Freitag 23. Juli, die Hassler- und die Bahnhofstraße (westlicher Teil) zwischen Spinnerei-Kreisel und Försterstraße halbseitig gesperrt. Der Verkehr kann diesen Bereich nur stadtauswärts (Ost-West-Richtung) befahren. Die Umleitung erfolgt ab Spinnereikreisel über Brückenstraße – Staatsstraße – Carl-Jordan-Straße.

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