Forschungsprojekt mit Fragezeichen: Kolbermoor gibt TU München kein grünes Licht – vorerst

Auf dem Areal dieses Maisfeldes an der Kolberstraße soll das 4500 Quadratmeter große Versuchsgelände entstehen – zu nahe an der Wohnbebauung wie der Bauausschuss des Stadtrates meinte.
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Auf dem Areal dieses Maisfeldes an der Kolberstraße soll das 4500 Quadratmeter große Versuchsgelände entstehen – zu nahe an der Wohnbebauung wie der Bauausschuss des Stadtrates meinte.
  • vonJohannes Thomae
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Die Technische Universität (TU) München will auf einem Areal in der Moorkultur untersuchen, wie sich Fundamente, die auswändige Bauwerke tief im Seeton verankern sollen, auf Dauer verhalten. Auslöser für das Projekt sind Erfahrungen beim Bau der Westtangente. Doch der Kolbermoorer Bauauschuss will mehr Infos.

Kolbermoor – Als „nicht beurteilungsfähig“ stellte das Gremium des Bauausschusses einen Antrag der Technischen Universität München in seiner jüngsten Sitzung zurück. Inhalt war die Errichtung einer Versuchsfläche von 4800 Quadratmetern Größe für Tiefgründungen im Bereich der Kolberstraße in der Moorkultur Tiefgründungen sollen Bauwerkslasten sicher in den Baugrund ableiten. Bei schlecht tragfähigem Untergrund sind Tiefgründungen nötig, um die Lasten in tiefere Bodenschichten zu leiten. Das passiert über Pfähle aus Stahlbeton.

Unterschied: Theorie und Praxis

Auf dem Areal will die Technische Universität München untersuchen, wie sich Pfahl- und Säulengründungen im Seeton auf Dauer verhalten. Ausgangspunkt hierfür sind Erfahrungen beim Bau der „B 15 neu“, bei dem sich herausstellte, dass sich solche Gründungen in der Praxis anders verhalten, als nach dem bisherigen theoretischen Wissen zu vermuten gewesen wäre.

Erheblicher Lärm befürchtet

Für den Bauausschuss des Stadtrates blieben bei dem Antrag jedoch zu viele Fragen offen. Sie vermissten unter anderem eine Beschreibung der Testverfahren. Schon die Setzung der Pfähle sei, so die Befürchtung, wahrscheinlich mit erheblichem Lärm und vor allem auch Körperschall verbunden, der erfahrungsgemäß viel weiter trage, als der reine Luftschall.

Es sei weiter zu vermuten, so Tobias Wudy (SPD) dass es hier nicht nur um statische Tests gehe, sondern auch darum, das Verhalten der Gründungen unter dynamischer Belastung zu ermitteln. Damit sei von Rüttelversuchen auszugehen, die zu einer ähnlich hohen Körperschallbelastung führen könnten, wie die Setzung der Pfähle.

Ganz grundsätzlich wurde auch die Nähe des Testgebietes zur umgebenden Wohnbebauung bemängelt. Dagmar Levin (SPD) sagte, man könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Areal ohne weitere Überlegung einfach so in die Landschaft gesetzt worden wäre, obwohl genügend Platz für eine wohnbebaungsfernere Ausweisung vorhanden wäre. Caroline Schwägerl (Grüne Liste) bemängelte dabei vor allem, dass die Anlieger bisher weder vom Landratsamt noch von staatlicher Seite irgend eine Information über das geplante Vorhaben erhalten hätten. Für Sebastian Daxeder (CSU) war das Vorhaben deshalb „in jeder Beziehung zu kurz überlegt“. Der Bauausschuss beschloss einstimmig, den Antrag zurückzustellen und erst erneut zu behandeln, wenn von Seiten der Antragsteller nähere Informationen vorliegen.

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