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Neuer Kamerad für Feuerwehren im Landkreis Rosenheim

Feuertaufe für „Walle“: Was der neue Löschroboter alles kann - und wie er aussieht

Die Nicklheimer Kameraden lenken den Löschroboter in die Tiefgarage, die stark vernebelt ist.
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Die Nicklheimer Kameraden lenken den Löschroboter in die Tiefgarage, die stark vernebelt ist.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Brände in Tiefgaragen sind besonders bedrohlich. Gehen E-Fahrzeuge in Flammen auf, sind die Kameraden stundenlang im Einsatz. Dabei sind nicht nur sie in Gefahr, sondern auch das Gebäude. Jetzt werden die Feuerwehren im Landkreis Rosenheim von einem Löschroboter unterstützt. Doch was kann „Walle“ besser als der Mensch?

Kolbermoor – Der Landkreis Rosenheim hat einen „Walle“. Allerdings wird der Roboter hier nicht eingesetzt, um wie im Disney-Film eine Müllhalde aufzuräumen. Auf der echten Erde wird er gebraucht, um die Feuerwehren bei den Löscharbeiten zu unterstützen – vor allem bei Bränden in Tiefgaragen, Industrie- oder Gewerbebetrieben. Überall dort also, wo starke Rauchentwicklung die Sicht einschränkt, wo giftige Gase zu befürchten sind und wo viel Löschwasser gebraucht wird.

In Kolbermoor hat Walle jetzt seine Feuertaufe bestanden. In der Tiefgarage eines Rohbaus in der Conradtystraße wurde der Brand eines Elektrofahrzeuges simuliert.

Sonderfahrzeug aus Spenden finanziert

Hier kam Walle erstmals zum Einsatz. An der Übung nahmen Feuerwehren aus Kolbermoor, Großholzhausen und Nicklheim teil.

Walle ist der erste und einzige Löschroboter im Landkreis Rosenheim. Finanziert wurde das Sonderlöschfahrzeug im Wert von 110.000 Euro aus Spenden von etwa 30 Firmen und dem Kreisfeuerwehrverband.

Einsatzleiter Michael Hagen (Zweiter von rechts) stimmt sich mit Kreisbrandrat Richard Schrank (Zweiter von links) ab.
Der Löschroboter „Walle“ kam bei einer Übung der Feuerwehren Kolbermoor, Großholzhausen und Nicklheim in einer Tiefgarage erstmals zum Einsatz.

Mit 20.000 Euro beteiligten sich auch die Kolbermoorer Unternehmen Quest Baukultur sowie Werndl & Partner. „Es ist ein Herzens- und Gewissensprojekt. Wir bauen Tiefgaragen und sehen uns in der Pflicht, auch im Brandfall zu deren Schutz beizutragen“, betonte Maximilian Werndl zu Beginn der Übung. Brände in Tiefgaragen können tragende Stahlbetonbauteile angreifen und die Statik von Gebäuden gefährden. Wegen starker Rauchentwicklung und Einsturzgefahr müssten im Ernstfall die Wohnungen geräumt werden.

Dabei bergen Elektrofahrzeuge eine ganz neue Gefahr. Zwar geraten sie nicht häufiger in Brand als fossil betriebene Autos. Wenn sie aber brennen, fangen die Batteriezellen wie bei einer Kettenreaktion nacheinander Feuer, und der Brand entfacht immer wieder neu.

Erkundungstrupps gehen als Erste in die Tiefe.

Die Temperaturen sind dabei extrem hoch, das Löschen und Abkühlen des Akkus dauert lange. Rund 22 000 Liter Wasser seien laut Brandexperten beispielsweise nötig, um die Batterie eines Tesla S herunterzukühlen. Für die Kameraden der Feuerwehren bedeutet das: stundenlange Einsätze unter Atemschutzgeräten. „Die Hitze und der schwarze Rauch erschweren den Einsatz. Man sieht gar nichts“, beschreibt Kreisbrandrat Richard Schrank.

Und genau hier kommt Walle zu Hilfe. Er ist seit einem Jahr in der Gemeinde Raubling stationiert und wird von den Feuerwehren Nicklheim und Großholzhausen betreut. An jedem zweiten Wochenende haben sie seitdem mit Walle trainiert – nun das erste Mal unter Einsatzbedingungen.

Gruppenführer Michael Hager koordiniert den Einsatz von sieben Fahrzeugen und 50 Kameraden. Kolbermoorer Erkundungs- und Sicherungstrupps gehen als Erste in Atemschutz mit Strahlrohr und Wärmebildkamera in die Tiefgarage, beginnen mit den Löscharbeiten. Im Gebäude suchen weitere Erkundungstrupps nach gefährdeten Menschen. Dann rollt Walle an – ferngesteuert vom Nicklheimer Kameraden Stephan Antretter und begleitet von Mathias Patsch, der das Schlauchmanagement und die Wärmebildkamera übernimmt.

Effektives Löschen und Abkühlen

In Atemschutz dringen die beiden mit dem Raupenfahrzeug in die Tiefgarage vor. Die Kolbermoorer haben zuvor die Wasserversorgung aufgebaut und an den Löschroboter angeschlossen. „Mit seinem Gebläse kann er bis zu 260 Liter Wassernebel pro Minute erzeugen, effektiv löschen und abkühlen“, erklärt Kreisbrandrat Schrank. „Der Frontwasserwerfer kann mit bis zu 2000 Litern pro Minute löschen.“ Ein weiterer Vorteil von Walle: Sein Ventilator hat einen Volumenstrom von 200.000 Kubikmetern pro Stunde.

Das Löschen mit Walles Wassernebel entzieht dem Feuer schnell die Hitze und senkt die Temperatur.
Der Brand ist gelöscht. Jetzt wird das Fahrzeug auf hydraulische Wagenheber gehievt.

„Kein anderer Ventilator unserer Feuerwehren hat so eine starke Leistung“, macht Schrank klar. Damit kann Walle stark verrauchte Räume schnell entlüften und eine klare Sicht für die Löscharbeiten zu schaffen. Ein weiterer Schutz für die Kameraden: Walle kann aus sicherer Entfernung bedient werden.

Innerhalb einer Stunde war das Kolbermoorer Objekt gelöscht und gesichert. „Das Übungsziel ist erreicht“, konstatierte der Kreisbrandrat: „Wichtig war es, mit der neuen Situation umzugehen, sich in einer verrauchten und verwinkelten Tiefgarage zu orientieren, eine Funkbrücke aufzubauen, um in der Tiefgarage miteinander kommunizieren zu können.“

Walle kann auch abschleppen. Er zieht, die Kameraden schieben und achten darauf, dass das Fahrzeug nicht von den „Go Jacks“ rutscht.

Auch erforderliche Nachbesserungen wurden während der Übung klar: Anders als herkömmliche Abschleppfahrzeuge passt Walle zwar in eine Tiefgarage und hat auch ausreichend Kraft, um abzuschleppen. Doch die Stabilisierung des Brandfahrzeuges auf den „Go Jacks“, den hydraulischen Wagenhebern, war schwierig. Und so wurde den Kameraden unter Atemschutzbedingungen auch noch enorme Muskelkraft abverlangt, um das Fahrzeug ins Freie zu manövrieren.

Beim Abschleppen des Brandfahrzeuges unterstützten die Kameraden den Roboter mit Muskelkraft.

An der Straße könnte es dann im Ernstfall von einer Abschleppfirma übernommen werden. In Bayern haben sie die Aufgabe, gelöschte E-Autos an einem sicheren Verwahrort abzustellen und über 72 Stunden zu beobachten, um auszuschließen, dass die Batterie erneut Feuer fängt.

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