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Feierliche Zertifizierung am Mittwoch, 26. Oktober

Fairtrade-Stadt Kolbermoor: Wie fairer Handel hier gelebt wird

Eine Fair-Trade-Stadt braucht Multiplikatorinnen. Pastoralrefrentin Martina Mauder (rechts) ist eine davon. Auf dem Synergie-Festival schärfte sie das Bewusstsein der Besucher für fairen Handel. In ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist er immer ein Thema. Jetzt stellte sie den Schulen Unterrichtsmaterial zum Thema zur Verfügung.
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Eine Fair-Trade-Stadt braucht Multiplikatorinnen. Pastoralrefrentin Martina Mauder (rechts) ist eine davon. Auf dem Synergie-Festival schärfte sie das Bewusstsein der Besucher für fairen Handel. In ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist er immer ein Thema. Jetzt stellte sie den Schulen Unterrichtsmaterial zum Thema zur Verfügung.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Kolbermoor ist eine „Fairtrade-Stadt“. Am 23. August beschied der Verein „Fair Trade Deutschland“ die Bewerbung der Stadt positiv. Jetzt wird Kolbermoor offiziell zertifiziert. Die Auszeichnungsfeier findet am Mittwoch, 26. Oktober, um 17 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses statt. Doch was tut sich in der Stadt in Sachen fairen Handels?

Kolbermoor – „Die Zertifizierung ist die Grundlage, auf der die eigentliche Arbeit nun weitergeht“, sagt Sabine Balletshofer-Wimmer, Dritte Bürgermeisterin und Leiterin der Fair-Trade-Steuerungsgruppe. In kleinen Schritten und allen Bereichen sollen faires Wirtschaften sowie ein nachhaltiger Umgang mit Umwelt und Natur stärker in den Fokus rücken.

So funktioniert das Schneeballprinzip

„Wir möchten die Botschaft über die Kinder zu den Erwachsenen tragen“, sagt Balletshofer. Mit Fairtrade-Bällen wurde das „Schneeballprinzip“ im wahrsten Sinne des Wortes gestartet, um die Vision eines weltweit fairen Handels zu verbreiten.

Die Mitstreiter aus kommunalen Gremien, Kirchen, Schulen, Kitas und Vereinen entwickeln nun eigene Aktionen und Ideen, die weit über den Fairtrade-Kaffee-Genuss hinausgehen. So organisierte die Stadtbücherei im Mai eine Ausstellung mit Sachbüchern und DVD zu den Themen gerechter Handel, fair produzierte und gehandelte Mode sowie Nachhaltigkeit im Alltag. Viele Medien wurden eigens dafür neu angeschafft und stehen für Interessenten bereit.

Medienkisten für die Arbeit mit Kindern

„Auf Wunsch von Kindereinrichtungen und Schulen stellen wir jederzeit Medienkisten zusammen, nicht nur zu fairem Handel oder den Lebens- und Arbeitsbedinungen in anderen Ländern, sondern zu allen gewünschten Themen“, informiert Andrea Sondhauß, die Leiterin der Stadtbücherei. Margret Zimmer, Bildungsbeauftragte der katholischen Stadtkirche Kolbermoor, organisiert am Sonntag, 23. Oktober, einen Weltwaren-Verkauf.

Weltwarenverkauf am Sonntag in Kirchen

Nach den Gottesdiensten in den Kirchen Heilige Dreifaltigkeit und Wiederkunft Christi wird es zur Stärkung Kaffee und selbst gebackenes Brot mit verschiedenen Aufstrichen geben – alle Zutaten sind nachhaltig und fair gehandelt. „Außerdem bieten wir Lebensmittel an, die uns der Bad Aiblinger Weltladen zur Verfügung gestellt hat“, informiert Zimmer. Wer weitere Produkte erwerben möchte, wird bislang noch an die Weltläden in der Region verwiesen, denn einen eigenen Weltladen gibt es in Kolbermoor nicht. „So ein großes Projekt ist momentan aber auch nicht geplant“, informiert Sabine Balletshofer. Dazu fehle es momentan einfach an Platz und Mitstreitern.

Doch was nicht ist, kann irgendwann ja vielleicht noch werden. Eine gute Ratgeberin, wie Fairtrade an Schulen und im Handel funktioniert, ist Susanne Sedlbauer. Die Kolbermoorerin arbeitet als Pädagogin an einer Fairtrade-Schule – der Grund- und Mittelschule in Bad Endorf. Ehrenamtlich ist sie im Weltladen in Prien aktiv. Ihr Engagement war auch Inspiration für die Kolbermoorer, sich auf den Weg zu machen. Sedlbauer gehört der Steuerungsgruppe an. „Von ihr erhoffen wir uns Ideen und Anregungen, wie wir die Themen stärker im Schulalltag integrieren können“, sagt Carola Vodermaier, Rektorin der Adolf-Rasp-Grundschule. Das Fairtrade-Pflänzchen ist auch hier noch klein, fängt beim bewussten Einkauf fair gehandelter Produkte an und soll nun auch im Unterricht Früchte tragen.

Pastoralreferentin Martina Mauder hat die Grundschulen mit Unterrichtsmaterialien zum fairen Handel versorgt. „Die werden wir in Religion sowie den Heimat- und Sachkundeunterricht der dritten und vierten Klassen einbinden“, so Vodermaier. Auch an der Mangfallschule ist die Initiative angekommen. Und das nicht nur mit den Fair-Trade-Fußbällen, die aus der Steuerungsgruppe an die Schulen rollten. „Unsere aktuellen Schwerpunkte sind Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Schule ohne Rassismus. Da gibt es viele Überschneidungen mit fairem Leben und Wirtschaften“, erklärt Rektorin Christa Wagner. Im Projekt „Alltagskompetenzen“ haben die Kinder den Weltladen in Bad Aibling besucht. Und am internationalen Tag der Kinderrechte im November beschäftigen sich die Grundschüler am Beispiel des Libanons damit, wie es um die Rechte ihrer Altersgenossen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder sozialem Status steht.

In Kolbermoor passiert schon vieles im Kleinen. „Es gibt Impulse, die in Zusammenarbeit von Kommune und Bürgern zu größeren Projekten führen werden“, ist Ulrike Sinzinger überzeugt. Eine solche Anregung hat die Leiterin der Volkshochschule aufgegriffen und umgesetzt. Von den Jugendlichen der Pauline-Thoma-Mittelschule weiß sie, dass sie sich besonders für fair produzierte und gehandelte Mode interessieren. Also hat sie einen Kinoabend organisiert. Am Montag, 24. Oktober, wird ab 19.30 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses der Film „Sweatshop – deadly fashion“ gezeigt.

Faire Mode im Rathaus-Kino

Die Dokumentation erzählt von drei jungen Mode-Bloggern aus Norwegen, die einen Monat lang den Alltag von kambodschanischen Näherinnen in Phnom Penh am eigenen Leib erfahren haben. „Sie berichten darüber, wie es sich anfühlt, sein komfortables Leben gegen die harte Arbeit in den Ausbeutungsbetrieben zu tauschen und mit nur drei Dollar am Tag überleben zu müssen“, macht Sinzinger auf einen Kinoabend neugierig, der nur ein Mosaikstein im Leben einer Fairtrade-Stadt ist.

Anregungen zum Nachschlagen

Die Stadtbücherei Kolbermoor hat Sachbücher und Filme gekauft, um fairen Handel aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Für Interessenten hat Leiterin Andrea Sondhauß einige Tipps zum Nachlesen zusammengefasst.

„Das Prinzip Fairtrade – Vom Weltladen in den Supermarkt“von Caspar Dohmen: Grundlegendes Werk und ein guter Einstieg zum Thema fairer Handel weltweit.

„Die Faire Kita – Nachhaltige Projekte, die Kinder begeistern“von Jasmin Geisler: Viele praktische Ideen zu umweltbewusstem Verhalten im Kindergarten.

„Fashion Changers – Wie wir mit Fairer Mode die Welt verändern können“von Braumüller, Jäckle und Lorenzen: Inzwischen ist vielen Kunden klar, dass Kleidung oft unter unwürdigen Bedingungen produziert wird. Welche Alternativen gibt es? Und brauchen wir wirklich so viele Teile in unseren Kleiderschränken? 20 Modeaktivisten und ihre Projekte werden vorgestellt.

„Es geht um die Wurst – Was Du wissen musst, wenn Du gern Fleisch isst“ von Christoph Drösser: Dieses preisgekrönte Buch für Kinder ab acht Jahren informiert sachlich und undogmatisch über die Zusammenhänge von Essverhalten und Umwelt.

„Wie viel Regenwald passt auf dieses Brot?“von Häntzschel und Stolz: Erstaunliche Grafiken über Klima und Umwelt. Mit 50 Tabellen und Schaubildern veranschaulichen die Autoren das umfangreiche Thema Umweltschutz. Für Kinder ab zehn Jahren.

„Wo kommt unser Essen her?“von Julia Dürr: In diesem Sachbilderbuch wird gezeigt, dass es ganz verschiedene Betriebe und Bauernhöfe gibt, in denen Lebensmittel hergestellt oder verarbeitet werden. Schön illustriertes Buch für Kinder ab fünf Jahren.

Weitere Bücher zum Thema finden sich unter www.stadtbuecherei-kolbermoor.de.

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