Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Lesung in der Stadtbibliothek Rosenheim

Josef Straßberger: Der stärkste Mann der Welt kam einst aus Kolbermoor

Autor Andreas Lechner (links) wurde von Maxi Pongratz am Akkordeon begleitet.
+
Autor Andreas Lechner (links) wurde von Maxi Pongratz am Akkordeon begleitet.
  • VonAndreas Friedrich
    schließen

Der Kraftsportler Josef Straßberger, geboren in Kolbermoor, gewann 1928 eine olympische Goldmedaille im Gewichteben. Sein Enkel Andreas Lechner hat einen Roman über ihn geschrieben. In der Rosenheimer Stadtblibliothek las er aus „Heimatgold“.

Rosenheim/Kolbermoor – Zehn Jahre lang war er der stärkste Mann der Welt: Josef Straßberger, geboren am 20. August des Jahres 1894 in Kolbermoor. Er war deutscher Meister im Gewichtheben und gewann 1921 die Europameisterschaft im Schwergewicht. Höhepunkt seiner sportlichen Karriere war jedoch die Teilnahme an der Olympiade in Amsterdam 1928 – dort errang er die Goldmedaille, der er vier Jahre später in Los Angeles noch Bronze folgen ließ.

Sein Enkel Andreas Lechner, Schauspieler und Regisseur an Münchner Bühnen, widmete dem Leben seines Großvaters den Roman „Heimatgold“ (Volk Verlag, 2019), unter Verwendung vieler biographischer Details. Jetzt präsentierte Lechner, unterstützt von Maxi Pongratz am Akkordeon, das auch zeitgeschichtlich interessante Werk in der Rosenheimer Stadtbibliothek.

Geboren zwischen Bad Aibling und Kolbermoor

„Das Kapital sucht neuen Raum – es herrscht wieder Krieg im Land“, so beginnt der Roman und so leitete Lechner die Lesung ein. Mit Fundstücken aus seiner Erbschaft gelingt der Übergang ins Jahr 1902, es erzählt nun Straßberger selbst: „Auf einem kleinen Bauernhof, an der Landstraße zwischen Bad Aibling und Kolbermoor, bin ich am 20. August 1894 als Ältester geboren.“

Der Roman verfolgt chronologisch den Werdegang von Straßberger. Die Kindheit auf dem Bauernhof, das Ausnehmen von Hasen, die nahe Mühle und dann auf einem Jahrmarkt die Begegnung mit dem „Steirer Hans“, dem stärksten Mann weit und breit. Straßberger beschließt, ihm nachzueifern, und richtet sich auf dem Heuboden sein „Mucki-Kammerl“ ein, lässt sich Eisengriffe an Kanonenkugeln anbringen für sein Krafttraining. Große Sportvereinen werden auf ihn aufmerksam, er wird aktiv für 1860 München, nimmt an Wettkämpfen teil und wird deutscher Meister.

+++ Weitere Berichte zur Kultur in der Region lesen Sie hier!

Lechner wechselte bei der Lesung geschickt die Tonart und kommentierte die Olympia-Teilnahme als Radiostimme. Mit prägnanter Modulation und Artikulation versetzte er das Publikum in die Zeit und ließ die Gäste teilhaben an Straßbergers fulminantem Olympiasieg. Damals gab es längst nicht so viele Disziplinen wie heute, umso höher war der Rang, und erstmals nach dem Ersten Weltkrieg durfte Deutschland wieder auf eine Olympiade. Schmunzelnd erwähnt Lechner, dass die Kapelle keine Noten der deutschen Hymne hatte, denn niemand hatte mit Straßbergers Sieg gerechnet.

Stimmungsvolle Akkordeon-Begleitung

In der Weimarer Zeit war Straßberger Geschäftsmann. Er leitete ein großes Gasthaus, die Maxlrainer Brauerei war Partner und Sponsor. Lechner las eine turbulente Passage, bei der eswährend des Fasdhings zu einer Wirtshauskeilerei zwischen „Roten“ und „Braunen“ kommt. Ein erneuter Sprung führte in die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs. Auch Kolbermoor wird getroffen, die Goldmedaille verschüttet.

Autor Andreas Lechner hielt den Spannungsbogen bis zum Ende gut durch und Maxi Pongratz schafft es, mit dem Akkordeon Stimmungen mit der Bandbreite von Jahrmarktmusik bis hin zu dramatischen, nachdenklichen Klängen hervorzuzaubern. Die Veranstaltung war eine Werbung für den Roman „Heimatgold“ – und spannend verpackte Zeitgeschichte.

Mehr zum Thema

Kommentare