Seit 50 Jahren

Falkner und Züchter: Erwin Röglinger aus Kolbermoor hat sein Herz an Greifvögel verloren

Drei Freunde auf Tour: Erwin Röglinger mit seinem Jagdhund Denny und dem stolzen Gerfalken Luggi.  Neuwirth
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Drei Freunde auf Tour: Erwin Röglinger mit seinem Jagdhund Denny und dem stolzen Gerfalken Luggi. Neuwirth

Seit 50 Jahren lebt Erwin Röglinger eine große Leidenschaft, ja eine echte Liebe, für Greifvögel. Als Züchter und Falkner ist er damit ein geschätzter und anerkannter Fachmann geworden. Der Grundstein dazu wurde schon in der Kindheit gelegt.

Kolbermoor – Neben sich weiß der Tierpfleger vom Hellabrunner Tierpark der nach eigenen Aussagen „sein Herz an die Tiere verloren hat“, seine Ehefrau Petra. „Ohne sie, ohne ihr Verständnis, ohne ihre tatkräftige Unterstützung wäre dieses zeitintensiv gelebte Hobby gar nicht möglich“, zeigt sich der Tierliebhaber stolz.

Bis heute hat der weit über die Landkreisgrenzen hinaus angesehene Idealist mehrere Dutzend hochwertige Greifvögel gezüchtet. Dazu zählen vor allem Sakerfalken, Wanderfalken oder auch Gerfalken. Zirka 20 dieser drei Greifvögel-Arten bilden den Grundstamm seiner derzeitigen Zucht. Davon ist ein weißer Gerfalke das Prachtstück, dessen Lebens-Ursprung in den nordamerikanischen Gefilden liegt.

Wohlfühlambiente für die Tiere sehr wichtig

Die Zuchtvögel werden in einer 150 Quadratmeter großen Voliere in Holzbauweise gehalten, die, so Röglinger, den modernsten Anforderungen der Tierhaltung entspricht und für das wichtige Wohlfühlambiente sorgt. „Greifvögel, die sich nicht wohlfühlen, eignen sich auch nicht für die Zucht“, erklärt der Kolbermoorer.

„Die Aufzucht ist ein Fulltime-Job. Dies beginnt schon im Frühjahr, in dem die Brutzeit die Tages-Taktung bestimmt“, beschreibt der Falkner die aufwendige Pflegetätigkeit. In der Nacht klingelt dann mehrmals der Wecker. „Dann heißt es, aufstehen zur Eierkontrolle. An regelmäßigen Schlaf ist dann nicht mehr zu denken. Das ist dann so wie eine Patientenbetreuung auf der Intensivstation im Krankenhause“, beschreibt der Kolbermoorer das Procedere.

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Auch in der weiteren Lebensentwicklung werden die Greifvögel rund um die Uhr engmaschig und fürsorglich von Röglinger und seiner Ehefrau gehegt und gepflegt. Auf die Frage, warum man dies alles tut, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Weil wir diese Tiere einfach lieben.“

In dem Zusammenhang räumt Röglinger auch gleich mit einem gängigen Vorurteil auf. „Wer glaubt, dass man mit der Zucht von Greifvögeln viel Geld verdienen kann, irrt, und zwar gewaltig. Das Geld, das wir durch den Verkauf von einzelnen Vögeln einnehmen, wird sofort wieder komplett in die Zucht investiert.“

Als Bub die erste Rabenkrähe aufgepäppelt

Die Liebe zu den Greifvögeln wurde dem gelernten Montage-Schreiner quasi in die Kinderschuhe gelegt. Schon zur Grundschulzeit landete der Schulranzen nach der „Paukerei“ mehr oder weniger unsanft sofort in der Ecke. Dann ging es mit den Spezln in den Wald der Aiblinger Au.

Gleich nach der Flügge-Zeit kam vor zwölf Jahren der Wüsten-Bussard Wally zum Greifvogelliebhaber Erwin Röglinger

„In unserem zweiten Zuhause haben wir uns dann richtig ausgetobt“, schmunzelt Röglinger. Bei einer dieser Waldexkursionen stießen die kleinen Naturburschen auf Rabenkrähen, die aus dem Nest gefallen waren. „Die haben wir dann zur großen Freude von Mama und Papa mit nach Hause genommen, aufgepäppelt und dann wieder in den Wald zurückgebracht“, beschreibt der Tierpfleger das einschneidende Erlebnis.

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Ein weiterer wichtiger Eckpfeiler war dann der Kontakt zum Bad Feilnbacher Herbert Lechner, der Steinadler für die Beiz-Jagd trainierte. Nach einer kurzen und wilden Jugendzeit, bei der das Augenmerk mehr auf Zündapp-Mopeds und Mädels lag, zog es den 18-jährigen zur Rosenburg Falknerei.

Drei bis vier Mal pro Woche machte sich der junge Greifvogel-Freund nach der Arbeit auf den 90-minütigen Weg nach Riedenburg bei Kehlheim. Hier war er von der Arbeit mit den Adlern, Habichten und Falken im Anschluss an die Vorführungen begeistert.

Der erste Habicht war ein Geschenk

Mit 20 Jahren bekam er vom dortigen Falknerei-Chef Josef Hiebeler einen Habicht geschenkt. Allerdings hat sich der Greifvogel nach sechs Monaten bei einem Training-Missgeschick auf und davon gemacht. „Da blutet dir dann das Herz“, beschreibt Röglinger die damalige Gefühlslage. Der nächste Schlag ließ nicht lange auf sich warten. Nur ein Jahr später flog sein in Lauf bei Nürnberg erstandene und im Tierpark Herfortt gezüchtete Luggerfalke in die Stromleitung. Der in Indien und Pakistan beheimatete Greifvogel konnte auch mit einem ad hoc Transport in die Tierklinik nach Oberschleißheim bei München nicht mehr gerettet werden.

Mehr als nur ein intensives Hobby

Nach dem Motto „Aller guten Dinge sind drei“ erwarb er dann als 22-Jähriger ein Lannerfalken-Weibchen. Mit dem Zukauf eines Männchens in Kempten war schließlich der Startschuss zu der erfolgreichen eigenen Zucht gegeben.

Seine Tier-Liebe zu den Greifvögeln ist aber nicht nur ein intensiv gelebtes Hobby. Der 57-Jährige ist seit 2005 als Tierpfleger und Falkner beim Hellabrunner Tierpark beschäftigt. Auf dem großflächigen Areal der Afrika-Savanne betreut er neben Greifvögeln unter anderem auch Giraffen, Bisons und umtriebige Ameisenbären.

„Wenn du einmal von dem Greifvogel-Virus infiziert bist, kannst du nicht mehr loslassen. Du baust zu den Vögeln eine derart innige Beziehung auf, in der du eins mit dem Tier wirst“, beschreibt Röglinger abschließend den Impuls für seine Leidenschaft.

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