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„Daten brauchen keine Bahntrasse“

Wegen des großen Andrangs bei der Veranstaltung der Bürgerinitiative mussten kurzfristig zusätzliche Stühle herangeschafft werden. Thomae

von JOhannes Thomae. Kolbermoor.

– Die Bürgerinitiative Nordzulauf Kolbermoor hat jetzt zu ihrer dritten Bürgersprechstunde geladen. Gut 90 Interessierte waren ins Gasthaus Seiderer gekommen, viele schlossen sich an dem Abend der Initiative an, sodass sie jetzt mehr als 1000 Mitglieder zählt.

Für Initiativen-Sprecher Ralf Exler ist es ein wichtiges Signal, hat er doch die Befürchtung, dass fehlender Protest eine Trassenauswahl zulasten Kolbermoors wahrscheinlicher machen könnte. „Verständlicherweise wird die Bahn die Trasse auswählen, die am vorteilhaftesten erscheint“, erläuterte er, „zu den entscheidenden Kriterien aber gehört mit Sicherheit auch die Stärke des Bürgerprotestes.“ Zwar sei es nach wie vor die Grundüberzeugung aller am Protest beteiligten Initiativen, dass man sich nicht in West und Ost auseinanderdividieren lassen dürfe, sondern gemeinsam für ein grundsätzliches Überdenken des Projektes kämpfen müsse. „Aber“, so Exler „wir dürfen die Arbeit daran nicht allein den Initiativen im Osten überlassen.“

Stärke des Bürgerprotestes

Eine Arbeit, die zwar noch nicht den großen Durchbruch gebracht, aber Einzelerfolge aufzuweisen habe. Zu diesen Erfolgen zählte Exler die Tatsache, dass Verkehrsminister Scheuer im Januar zu einem Gespräch mit den Bürgerinitiativen und Bürgermeistern nach Rosenheim gekommen war. Bei diesem Gespräch habe Scheuer zugesichert, dass zum Aufgabenkatalog der Bahn nicht nur die Festlegung zusätzlicher Trassen gehöre, sondern auch die Lärmschutzsicherung der bestehenden Trasse mit aufgenommen werde.

Besonders wichtig sei, so Exler, dass Scheuer dabei „Lärmschutz plus“ zugesichert habe, „der einem Standard entsprechen soll, wie er bei einem Trassenneubau vorgeschrieben ist“. Mitgebracht habe Scheuer auch Zahlen über den zu erwartenden Verkehr auf der Brenner-Zulaufstrecke. Diese Zahlen waren von den Bürgerinitiativen lange gefordert worden, die ja bezweifeln, dass der zu erwartende Verkehr einen Trassenausbau überhaupt rechtfertigt. Erst anhand der Zahlen von Scheuer sei ihm, so räumte Exler ein, klar geworden, wie schwierig es sei, über einen Zeitraum von 30 Jahren die Zukunftsentwicklung nur halbwegs verlässlich hochzurechnen.

Forderung umschreiben

Seinen Zuhörern machte er das Problem mit plakativen Beispielen deutlich. „Wer von Ihnen“, fragte er, „hat vor 15 Jahren die Entwicklung des Smartphones und den damit verbundenen Wandel vorhergesehen?“ Vor diesem Hintergrund sei es fatal, wenn man beim Versuch der Hochrechnung – wie bei den Scheuerschen Zahlen geschehen – von einer rein wirtschaftlichen und dabei auch noch stark eingeschränkten Ausgangsbasis ausgehe. Die Zahlen, so Exler, gründeten auf einer als fix angenommenen Steigerung des Bruttoinlandsproduktes um 1,4 Prozent. Zusätzlich werde angenommen, dass die Steigerung nur auf Warenproduktion gründe, lasse alle Dienstleistungen also außer Acht. „Dabei“, so Exler, „zeigen doch aktuelle Trends, dass die Datenproduktion und der Handel mit Daten stark und stetig wächst.“ Damit aber komme den Daten ein zunehmend größerer Anteil am Bruttoinlandsprodukt zu, „Daten aber brauchen weder Eisenbahntrassen noch Autobahnen.“ Für die Bürgerinitiative ergab sich das Fazit, dass eine ihrer Forderungen umgeschrieben werden muss. Zwar gilt der Versuch einer Prognose trotz aller damit verbundenen Probleme nach wie vor als wesentlich. Sie bleibt die Voraussetzung für eine Entscheidung darüber, ob ein Trassenneubau sinnvoll ist.

Allerdings wurde jetzt klargemacht, dass Prognosen auf eine möglichst breite Basis gestellt sein müssen. Für die Initiative heißt das, dass die Veränderung der Wirtschaftsstruktur ebenso zu berücksichtigen ist, wie die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs. Im Forderungskatalog wird dies unter „Erstellung eines tragfähigen Verkehrskonzeptes“ zusammengefasst, das als Voraussetzung für die Fortsetzung aller Planungen angesehen wird. Um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, diese Forderungen deutlich zu machen, wird man sich mit allen Bürgerinitiativen an den Dialogforen beteiligen.

Zum Ende der Veranstaltung hatten die Bürger die Möglichkeit, ihrem Ärger Luft zu machen: Es gab vor allem Kritik an der Infopolitik der Bahn, die bislang keine Ergebnisse über die durchgeführten Probebohrungen zur Baugrunduntersuchung veröffentlicht hat. Ein Wunsch der Bürger war, dass sich auch der Bürgermeister in Sachen Brenner-Nordzulauf positioniere. Exler versicherte, dass Kloo nicht nur Schirmherr der Initiative sei, sondern mit ihren Einschätzungen konform gehe.

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