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Abschied der Bürgerhaus-Leiterin

Dagmar Badura sagt Kolbermoor bald „Pfiat di“

Pfiat di! Seit 2011 hat Dagmar Badura ihren Schreibtisch im Bürgerhaus, vorher war sie einem kleinen Häuschen gegenüber der Kolbermoorer Tafel.
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Pfiat di! Seit 2011 hat Dagmar Badura ihren Schreibtisch im Bürgerhaus, vorher war sie einem kleinen Häuschen gegenüber der Kolbermoorer Tafel.
  • Ines Weinzierl
    VonInes Weinzierl
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Seit 2004 ist Dagmar Badura in Kolbermoor. Seitdem hat sie mit großem Engagement vieles vorangebracht. Wann sie nun aufhört, warum sie der Stadt dennoch erhalten bleibt und warum sie sich auf den Ruhestand freut.

Kolbermoor – Hallo, hallo, sagt Dagmar Badura (64) und lacht, wenn man sie auf der Straße trifft. Und man trifft die Bürgerhaus-Leiterin oft, entweder im Bürgerhaus, bei der Tafel oder wenn sie in Kolbermoor von A nach B unterwegs ist. In der Mangfallstadt kennt sie nahezu jeder. „Ja, wirklich“, sagt sie und lacht wieder. „Ich bin bekannt wie ein bunter Hund.“ Dass man sie kennt, ist ihr wichtig: „Die Menschen brauchen ein Gesicht hinter den vielen Angeboten.“

Damit ist Ende März Schluss. Dagmar Badura, die in Siegsdorf wohnt, geht in Rente. Und seit diese Nachricht im Mangfall-Boten zu lesen war, steht bei ihr das Telefon nicht mehr still. Kolbermoor wird sie vermissen, ihr Engagement, ihren Ideenreichtum – „Tanzen im Sitzen“, „Müll-Mobil“, um nur zwei Projekte zu nennen, die sie auf den Weg gebracht hat.

„Auch wenn ich hier nicht mehr arbeite, ich bleibe Kolbermoor erhalten. Ich bin hier verwurzelt.“ Aber, am Anfang will sie sich etwas zurückziehen. „Ich will neuen Bestrebungen nicht im Wege stehen.“ Und: „Frau Badura ist nicht das Maß aller Dinge“, ist sie überzeugt. Aber, und das verspricht sie: „Ich komme auch mal mit einem Kuchen zum Seniorencafé ins Bürgerhaus.“

Seit 2004 in Kolbermoor

Seit 2004 ist sie in Kolbermoor. Seither hat sie das Quartiersmanagement unter der Trägerschaft der Diakonie Rosenheim in der Stadt aufgebaut. Sie hat beispielsweise die Seniorenarbeit initiiert, die Hausaufgaben-Hilfe, Schmiede-Projekte, Berufstraining, Einzelberatungen.

Als einen „Meilenstein“ ihrer beruflichen Karriere bezeichnet sie die Gründung der Kolbermoorer Tafel 2004. „Damals bin ich zum Bürgermeister und habe das vorgeschlagen.“ Gesagt, getan. Die Stadt hatte Räumlichkeiten, Kühlschränke wurden gespendet, die ehreamtlichen Helfer suchte sie über den Mangfall-Boten. Es konnte losgehen.

„Ich wollte ein wohnortnahes Angebot schaffen“, sagt sie. Und deshalb fand sie es auch unnötig, dass Kolbermoorer Tafelkunden nach Rosenheim müssen, um Lebensmittel zu bekommen. Sie wollte, dass die Tafelkunden direkt vor Ort mit Lebensmitteln versorgt werden. 20 Kunden waren es vor 18 Jahren – heute sind es 200, davon sind 60 Kinder, erzählt sie. Und von den anfänglich 20 gibt es noch neun, die heute auch noch zur Tafel kommen.

Und klar, die Idee und Umsetzung war richtig. Aber ebenso wichtig ist das Engagement ihrer ehrenamtlichen Helfer. „Ohne sie wäre es nie gegangen.“ Und daran hat sich bis heute auch nichts geändert – in fast allen Bereichen, die sie anbietet.

Besser als das Fernsehprogramm sein

Darüber hinaus war ihr Credo: „Ich muss besser sein, als das Fernsehprogramm.“ Und das war sie, wenn man Badura im übertragenen Sinne als das Angebot des Bürgerhauses bezeichnen möchte. Seniorencafé, gemeinsames Backen und Kochen. Die gemeinsamen Aktionen haben unter Corona gelitten. „Ich bekomme immer Anrufe und dann fragen die Senioren, wann es wieder losgeht.“ Ob sie bis Ende März Kochen und Backen nochmal anbieten kann, glaubt sie nicht. Diese Angebote hat sie geschaffen, „um in der Geselligkeit die Einsamkeit zu überwinden“. Und das hat sich auch bis Rosenheim herumgesprochen: Einige Gäste des Seniorencafés stammen daher.

Badura half während Corona kurzerhand anderweitig

Und als Corona den Treffen in die Quere kam, sattelte Badura kurzerhand um, half anderweitig: Sie übernahm die Impfanmeldung für Senioren, die dabei Schwierigkeiten hatten, trommelte Gelder zusammen für Kolbermoorer, die die Taxifahrt zum Rosenheimer Impfzentrum nicht zahlen konnten, initiierte einen Einkaufsservice. Und alles mit Hilfe der Kolbermoorer. So hat beispielsweise der Siedlungsverein die Organisation des Einkaufsservice‘ übernommen.

Seit 2011 hat Badura ihr Büro im Bürgerhaus – mittendrin quasi. Und dort klingelt ständig das Telefon, auch an der Tür läutet es. „Ich brauche Hilfe“, lautet meist der Tenor. Die bekommt bei Dagmar Badura jeder. Und wenn auch sie mal nicht weiter weiß, weiß sie die richtige Anlaufstelle – und da gibt sie alles weiter: Name, Telefonnummer. „Ich kümmere mich“, sagt sie zu einem älteren Herren, der ins Bürgerhaus gekommen ist und Hilfe braucht. Denn die Gartenarbeit schafft er nicht mehr alleine. „Ich weiß jemanden“, sagt sie, schreibt sich die Telefonnumer des Herren auf und sagt: „Ich kümmere und melde mich.“

Sie baut Windmühlen

Was braucht man für ihren Job? „Du musst offen sein, Ideen haben, Bedarfe ermitteln.“ Das sei unerlässlich. Wird ihr das nicht alles fehlen, wenn sie geht? „Es gibt einen Spruch“, sagt sie. „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.“ Sie zählt sich zu den Letzteren. Und worauf freut sie sich am meisten? „Dass ich nicht mehr fremdbestimmt bin. Der Wecker klingelt nicht mehr um 6 Uhr. Und wenn ich wegen seniler Bettflucht um 5 Uhr aufwache, ist das ok. Und ich muss keine Urlaubsanträge mehr ausfühlen, kann an die Nordsee fahren, wann ich möchte.“ Auch da sagt man neben Moin auch hallo, hallo. Und nach dem Urlaub – wie auch jetzt: Tschüss!

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