„Sie freuen sich fast wie kleine Kinder“:

Trotz Corona: Rauchclub Kolbermoor hält an Besuchstradition bei Senioren und Kranken fest

Heuer enden die Weihnachtsbesuche des Rauchclubs Kolbermoor auf den Gängen: Helmut Feuerer (rechts) übergibt ein Packerl für einen Bewohner an Jakob Hartmann, Leiter des Caritas Altenheims St. Franziskus.
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Heuer enden die Weihnachtsbesuche des Rauchclubs Kolbermoor auf den Gängen: Helmut Feuerer (rechts) übergibt ein Packerl für einen Bewohner an Jakob Hartmann, Leiter des Caritas Altenheims St. Franziskus.
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Anna und Helmut Feuerer vom Rauchclub Kolbermoor haben derzeit jede Menge zu tun: Das Ehepaar besucht 60 alte und kranke Mitglieder. So ist es seit jeher der Brauch des Vereins, Corona ändert das nicht, erzählt Vorsitzender Erich Heimbuchner im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

Kolbermoor – In den Vereinsstatuten ist diese soziale Komponente nicht zu finden, dennoch kümmern sich Mitglieder des Rauchclubs und Sterbekassen-Unterstützungsvereins Kolbermoor Jahr für Jahr in der Vorweihnachtszeit mit ihren Besuchen um alte, alleinstehende oder kranke Mitglieder. Und das seit 40 Jahren. Heuer ist alles anders: Die Corona-Pandemie hat uns fest im Griff, soziale Kontakte geschweige denn Besuche in Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern sind erneut tabu.

Brechen werde der 1894 gegründete Verein mit seiner Besuchstradition deshalb aber nicht, machte Vorsitzender Erich Heimbuchner im Gespräch mit dem Mangfall-Boten deutlich.

Wie wollen Sie das umsetzen?

Erich Heimbuchner: Anna und Helmut Feuerer, unsere Vereinskassiere, sind in Vorweihnachtszeit wieder unterwegs, allerdings laufen die Besuche heuer anders ab. Sie rufen vorab zum Beispiel in den Alten- und Pflegeheimen an und kündigen ihre Aktion an, dass sie für Mitglieder, die dort wohnen, Weihnachtspackerl abgeben werden. Die Packerl werden vom Personal dann entsprechend weiter geleitet.

Das klingt nach logistischer Herausforderung – wieviel Besuche werden es sein?

Heimbuchner: Es werden etwa 60 sein. Das Besondere nach unseren Erfahrungen: Einige Mitglieder warten alle Jahre sehnsüchtig auf das Päckchen, denn dann ist für sie Weihnachten… Oftmals rufen Pfleger oder Betreuer kranker Mitglieder an und bedanken sich in deren Namen – das macht deutlich, dass wir diese Menschen nicht vergessen dürfen.

Wie viele Mitglieder sind heuer auf Besuchstour?

Heimbuchner: Die Besuche macht nur das Ehepaar Feuerer, das ist in der Familie mittlerweile Tradition; Anna Feuerer hat den Dienst von ihren Eltern übernommen.

Wie ist die Idee der Weihnachtsbesuche entstanden?

Heimbuchner: Ich weiß nicht, was der Auslöser dafür war. Vermutlich gab’s den Anstoß dazu vor Jahrzehnten in einer Ausschusssitzung des Vereins.

Sind sie in der Vereinssatzung vorgegeben?

Heimbuchner: Nein, der Besuchsdienst ist eine freiwillige Leistung und nicht vorgeschrieben in der Satzung.

Festgelegt sind aber „geselliges Zusammenhalten, Förderung des Pfeifenrauchens und Fernhaltung jeglicher Politik“ – da fehlt noch die soziale Komponente…

Heimbuchner: Rauchclub ist der Gründungsname - Vor 126 saßen einige Bürger regelmäßig in einem Kolbermoorer Gasthaus und haben rauchend gekartelt. Für Tabak und Rauchutensilien haben sie in eine Kasse eingezahlt, auch fürs Spiel. Der Betrag wuchs und wuchs, und irgendwann fiel der Beschluss, das überschüssige Geld an Bedürftige des Ortes zu spenden. Aus diesem Gedanken wurde der Rauchclub und Sterbekassen-Verein gegründet.

Mittlerweile ist das Rauchen mehr oder weniger verpönt…

Heimbuchner: Ja, von unseren rund 1500 Mitgliedern bringe ich keine zehn zusammen, die rauchen. Deshalb arbeite ich schon seit Langem daran, die beiden Vereinsnamen zu tauschen und die Sterbekasse nach vorne zu setzen.

Wie profitieren die Mitglieder vom Verein?

Heimbuchner: Die Mitglieder, die zwischen 14 und 100 Jahre alt sind, zahlen jährlich eine Gebühr zwischen 22,80 und 28,80 Euro ein, je nach Eintrittsalter. Nach einem halben Jahr steht bei Tod ihren Hinterbliebenen ein Betrag von rund 700 Euro zu.

Zurück zu den Lebenden und der Weihnachtszeit – wie reagieren die Menschen auf die Besuche?

Heimbuchner: Es lässt sich kaum beschreiben – sie freuen sich fast wie kleine Kinder. Und das treibt uns an, diese Tradition aufrecht zu erhalten. Aber heuer wird‘s sicherlich traurig, weil der direkte Kontakt, der persönliche Austausch nicht sein darf.

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