Corona-Krise: Bei Kolbermoorer Gartencenter-Inhabern liegen Nerven blank - Brandbrief an Ministerpräsident Söder

Das Ehepaar Mertinsteht in seinem Gewächshaus in Pullach – wie soll es nur weitergehen? Bei ihnen liegen die Nerven blank. Riediger

Rosige Zeiten waren gestern: Pullacher Geschäftsleute sind verzweifelt, ob der derzeitigen Lage - im Frühjahr machen sie zwei Drittel ihres Jahresumsatzes - wie soll es weitergehen?

Pullach – Tausende Blumen, Gemüse-Pflänzchen und Kräuter stehen derzeit in Containern auf dem Parkplatz des Gartencenters Mertin in Pullach. Seit kurzem darf Bärbl Mertin diesen „Selbstbedienungskauf“ auf ihrem Parkplatz anbieten – trotz Corona-Krise.

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Jüngst erhielt sie einen Anruf des Landratsamtes Rosenheim, dass sie den Selbstbedienungsverkauf machen könne. Tagsdrauf rollten die Mitarbeiter, ein Teil ist noch nicht in Kurzarbeit, Container voller Blumen, Kräuter und Gemüsepflanzen hinaus. Allerdings müssten die Regeln eingehalten werden: Mindestabstandstand zwischen den Containern, Warnhinweise für die Kunden, die sich selbst bedienen und auch die Kosten ihrer Ware selber zusammenrechnen und in die Kasse werfen müssen. „Denn Kontakt zu den Mitarbeitern ist nicht erlaubt“, sagt Bärbl Mertin, deren Nerven derzeit blank liegen.

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„Was soll nur werden?“, fragt sie und denkt an die rund 90 Prozent ihrer Gewächse, die sie und ihr Team in der hauseigenen Gärtnerei gehegt und gepflegt haben. „März, April und Mai sind die Monate, in denen wir etwa zwei Drittel unseres Gesamtumsatzes des Jahres machen“, sagt sie. In dieser Zeit verdienen die Mertins das Geld, um über den Winter zu kommen und auch die Gärtner das ganze Jahr zu beschäftigen. „Die Blumen, die wir jetzt verkaufen, hegen und pflegen wir seit November“, erklärt sie. Viel gesät, wenig Ernte im Portemonnaie.

Verzweiflung ist groß

In ihrer Verzweiflung hat sie einen Brief an Ministerpräsidenten Markus Söder verfasst, der der Redaktion vorliegt. Darin schreibt sie beispielsweise: „Unsere Glashäuser sind derzeit voll mit rund 150 000 Beet- und Balkonpflanzen sowie Kräutern. Wir kaufen diese Pflanzen nicht zu, das heißt, wenn wir weiterhin nicht öffnen dürfen, wandern auch diese Pflanzen in den Müll.“ Obendrein appelliert sie an die Regionalität: „Was ist mit Nachhaltigkeit?“, fragt sie den Ministerpräsidenten. Und: „Wir geben den Menschen eine sinnvolle Beschäftigung, dort wo sie derzeit am besten aufgehoben sind: in den eigenen vier Wänden und im eigenen Garten.“

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Eine Antwort hat sie auf ihr Schreiben von der Servicestelle des Bayerischen Gesundheitsministeriums erhalten. Auch das liegt der Redaktion vor. Antworten auf ihre Fragen sucht Bärbl Mertin darin vergeblich: „Internethinweise und so weiter, aber meine Fragen werden nicht beantwortet. Und der letzte Satz im Schreiben der Servicestelle heißt: „Wir hoffen, Ihnen weitergeholfen zu haben.“ Bärbl Mertin schüttelt den Kopf: „Nein, das haben sie nicht.“

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